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Breitbandkatze für Pohlheim- Holzheim aus dem Sack

Stein des Anstoßes- Funkmast über Holzheim
Stein des Anstoßes- Funkmast über Holzheim
Pohlheim | Vor ziemlich genau einem Jahr war in Pohlheim- Holzheim die Aufregung groß:
Quasi über Nacht "verzierte" ein über 35 Meter hoher Funkmast das Ortsbild. Ein wohl legaler, aber sicher nicht politisch korrekter Austausch eines unauffälligen GSM- gegen einen LTE- Standort hatte dem Betreiber Telekom ermöglicht, LTE in Holzheim anzubieten.

Holzheim wartet seit Jahren auf "echtes" Internet, nicht zuletzt durch ausschreibungsrechtliche Manöver der Telekom und kaum nachvollziehbare Aktionen der Kommunalpolitik wie der Zurückziehung laufender Ausschreibungen durch den frisch gewählten Bürgermeister ohne rechtlichen Grund.

Der Mast steht noch. Viele haben das LTE-Angebot angenommen, sind doch die Versprechungen der Kommunalpolitik zum Breitbandausbau bis dahin allesamt nicht das Papier wert gewesen. Noch bei Zurückziehung der Ausschreibung hatte der Bürgermeister eine Breitbandversorgung bis 2015 als gesichert dargestellt. Zudem hat der Pohlheimer Bürgermeister den Bürgern zum Funkmast im Schulterschluss mit der Telekom versichert, alles sei in Ordnung und überhaupt habe ja sein Vorgänger den Mast unangreifbar genehmigt.

Letztes Jahr tauchten die ersten Bilder auf, auf denen dieser Bürgermeister in magentafarbener Kulisse den Breitbandausbau Pohlheims bejubelte, leider noch immer ohne Perspektive für Holzheim.

Neu auf der Internetseite der Breitband Gießen GmbH ist aber nun für Holzheim und Grüningen "Süd" zu lesen:
"Planung und Projektierung erfolgt durch Deutsche Telekom GmbH.
Geplante Buchbarkeit ab November 2017.
Erwartete Bandbreite i.d.R. bis zu 50 Mbits/s."

Damit ist die etwas lahmende (nicht schneller als LTE der Telekom) Breitbandkatze in Holzheim jedenfalls aus dem Sack. Sämtliche kommunalpolitischen Aktivitäten der letzten fünf Jahre zum Breitbandausbau haben in Holzheim dazu geführt, dass weiter ein Vermarktungsmonopol auf die Internetversorgung per Kabel besteht. Dies, obwohl der Markt zu Zeiten, als die Landrätin die Breitbandinitiative noch nicht einem Ex- Telekom- Vertragspartner in die Hand gegeben hat, durchaus Alternativen bot, wie schnellere Gemeinden und Kreise zeigten.
Die Investitionen in den Holzheimer LTE- Ausbau sind ebenfalls bis dahin vsl. amortisiert.

Zur Erinnerung: Bei Gründung der Breitband GmbH 2011 machte Landrätin Schneider im September 2011 die Bedingung, die Telekom als "Ankermieter an Bord zu holen". Die selbe Landrätin befürwortete oder forderte in 2013 und 2014 die Zurückziehung verschiedener Ausschreibungen und sorgte in 2015 für eine umfassende Ausschreibung aller noch nicht breitbandversorgten Orte. Diese Ausschreibung war für alle Unternehmen, die keine Anlagen in allen Orten betreiben, dadurch besonders unattraktiv. Die selbe Landrätin beendete im März 2015 das Mietfaser- Model und gab damit eine öffentliche Verantwortung für die Versorgung auf (Zitat 02.03.2015: "2016 hat jeder Ort im Kreis Breitband"). Sie ermöglicht in Verbindung mit der Ausschreibung die Versorgung per "vectoring", was den Markt aus den Telekom- Ausbau- Gebieten technisch oft ausschließt. Nicht zuletzt betrieb sie die Besetzung der Geschäftsführerschaft der Breitband Giessen GmbH mit einem vormaligen "Telekom- Exlusiv- Partner".

Die Breitband Gießen GmbH wurde einst gegründet, um in Orten mit "Marktversagen" kommunal bezuschusst Breitbandausbau betreiben zu können. Sie vermarktet nun die ab 2016 mit öffentlichen Mitteln geförderten und z.T. allein Telekom- Nutzbaren Anschlüsse der Bürger. Innerhalb von 5 Jahren wurde also aus einem Instrument der Daseinsvorsorge bei mangelnder Rentabilität ein öffentlich finanzierter Werbe- und Vermittlungsbetrieb der Telekom- allein durch kommunalpolitisches Wirken.

Vielleicht war das alles Zufall oder den Marktgesetzen geschuldet.

Der Markt soll nun entscheiden, ob ein solch verspäteter und eingeschränkter Ausbau und die Verwendung öffentlicher Mittel dabei ihm gerecht wird. Oder ob andere Gemeinden und Kreise die Nase vorn haben. Oder ob andere Anbieter die Leitungen betreiben sollen, sofern das nicht technisch verhindert wird.

Die Bürger aber müssen bei der nächsten Wahl entscheiden, ob ihren Interessen gerecht geworden ist.

Ergänzung Mai 2017: Der Start des Breitbandangebotes in Holzheim ist mittlerweile lt. "Breitband" Gießen auf Dezember 2017 verschoben, lt. Telekom aber nicht einmal geplant, dafür hat die gleiche Landrätin, die die Versorgung des gesamten Landkreises bis 2016 versprochen hatte, nun eine Machbarkeitsstudie genau dazu beauftragt, die im Sommer 2018 (!) vorliegen soll. Dafür wird eine anschlusstechnisch nicht nötige Reseller- Firma, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Ausbau selbst zu tun hat, sogar auf offiziellen Seiten der Stadt Pohlheim sowie auf den Seiten der "Breitband" Gießen beworben als könne sie den Bürgern einen schnellen Internetanschluss bieten. Schaut man sich die Inhaber der Firma und die Verbindungen dieser zu den aktuellen Volks- "Vertretern" an ist man als mündiger Bürger ist dazu gezwungen, Alternativen wie z.B. andere LTE- Anbieter zu suchen, und diesen Geschäftsgebahren den Rücken zu kehren. Den Verantwortlichen kann man den Rücken schlecht kehren, es wird ja viel zu selten und zu oft ohne Gedächtnis gewählt.

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von:  Ralf Jansen

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Interessensgebiet: Pohlheim
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