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Soeben ausgelesen: Schattenfrauen. Von Reinhild Solf

Mücke | Vor 50 Jahren haben sie mehrere Sommer in einem FDJ-Ferienlager auf Rügen verbracht. Jetzt treffen sie sich wieder, sieben Frauen Ende 60. Sie mieten ein Haus an gleicher Stelle, reden und lachen miteinander, kochen für einander, machen Ausflüge, saunieren und trinken. Vier von ihnen entkamen kurz vor oder nach dem Mauerbau in den Westen, 3 verblieben im Osten. "Wessis" und "Ossis" mit hohem Konfliktpotential, verursacht durch Hass, Neid, Verrat, Schuld und Scham.
Die dramatische und emotional bewegende Geschichte wird in kurzen, knappen Sätzen aus der Sicht von Liese Spahn erzählt. Diese saß nach einem Fluchtversuch monatelang in einem Frauengefängnis und wurde grausam gefoltert, bis sie sich bereit erklärte, für die Stasi andere Gefangene zu bespitzeln. Nach einem Jahr wurde sie vom Westen freigekauft. Aber auch die anderen Frauen haben in ihrem Leben tiefe Wunden davon getragen, die in der scheinbaren Harmonie wieder aufbrechen.
Immer mehr schmerzhafte Erinnerungen werden wach. Die Situation spitzt sich zu. Am Ende ist eine der Frauen tot. Ermordet.
Eine beklemmende Lektüre. Nichts für einen gemütlichen Abend, nichts zu Entspannung. Hammerhart und realistisch.
Reinhild Solf, geb. 1941 in Haldensleben, lebt in Basel, ist Autorin und Schauspielerin. Sie verkörperte u.a. Tony Buddenbrook in der ARD-Fernsehserie von 1979. In dem nur 187 Seiten starken Büchlein steckt mehr dramatisches Schicksal als in manch einem 500-und-mehr-Seiten-Wälzer. Ein ergreifender Abriss deutsch-deutscher Zeitgeschichte.
Absolut lesenswert.
Bibliographische Angaben: Reinhold Solf: Schattenfrauen. Verlag Langen/Müller. 2012. Euro 14.99

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von:  Ingrid Wittich

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Ingrid Wittich
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