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Romanschauplatz Berlin

Mücke | Charlotte Roth: Als wir unsterblich waren - Im November 1989 im Trubel der Maueröffnung treffen sich die Ostberlinerin Alexandra und der Westberliner Oliver. Die beiden verlieben sich.
Bei der ersten Begegnung mit dem Oliver erleidet Alex' betagte Großmutter einen Herzinfarkt, da sie in ihm jemanden aus der Vergangenheit wiederzuerkennen glaubt. Nach und nach erfahren die jungen Leute und wir Leser mehr über das bewegte Leben von Pauline, Clemens und ihren Freunden, alles engagierte Sozialdemokraten, die die Welt zum Besseren verändern wollten als sie sich „unsterblich“ wähnten. Ein großartiger Roman über Liebe, Kriege und Frieden von 1912 bis 1989 geschrieben in einer wunderbaren Sprache. Muss man lesen.

Harald Gilbers: Germania - In „Germania“ sollte sie umbenannt werden, die mit gigantischen Monumentalbauten nach Entwürfen von Hitlers Baumeister Albert Speer veränderte Reichshauptstadt Berlin. Kaum etwas wurde davon umgesetzt und im Frühsommer 1944 ist die Stadt nach unzähligen Bombenangriffen nur noch ein Schatten ihrer selbst. Da wird der ausgemusterte jüdische Kommissar Richard Oppenheimer,
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den bis jetzt nur seine arische Ehefrau vor der Deportation bewahrte, von der SS reaktiviert, um einen Serienmörder dingfest zu machen, der junge Frauen tötet und verstümmelt. Die Aufklärung des Verbrechens zu verfolgen ist spannend, doch ungleich interessanter ist das Stimmungsbild, das der Autor von einer Welt im Zerfall zeichnet. Die Invasion hat begonnen, an den „Endsieg“ glauben immer weniger. Es geht eigentlich nur noch ums Überleben. Auch bei Oppenheimer. Ein hervorragend recherchierter Roman, der in einer vom Krieg und großem Elend gebeutelten Stadt spielt.

Christoph Spielberg: Die russische Spende - Es geht um ein Krankenhaus in Berlin. Nein, nicht um die Charité, sondern um ein fiktives akademisches Lehrkrankenhaus, das privatisiert wurde und in dem nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Ein Totenschein wird gefälscht, Patientenakten verschwinden, Blutkonserven sind doppelt etikettiert, Abrechnungen manipuliert. Geldwäsche und schließlich noch ein als Selbstmord deklarierter Mord. Nun gut, der Krimiplot ist nicht wirklich neu und aufregend, aber die mit einigem Humor geschilderte Klinikatmosphäre ist glaubhaft dargestellt. Dem dort wirkenden, übereifrigen AiPler (Arzt im Praktikum) möchte man nicht unbedingt in die Hände fallen. Der Autor, ein Facharzt für Innere Medizin, kennt sich als Insider aus im ganz normalen Krankenhausalltag. Der angenehm zu lesende Roman, der nicht mit medizinischen Fachbegriffen langweilt, wurde inzwischen verfilmt und wird im Herbst 2021 als Donnerstags-Krimi in der ARD zu sehen sein.

Wolfgang Schorlau: Kreuzberg Blues - Teils Krimi, teils politisches Sachbuch mit vielen Erklärungen (Sohn Jakob referiert über Kapitalismus) und himmelhoch ragendem erhobenen Zeigefinger. Georg Dengler und seine Freundin Olga ermitteln unter Berliner Miethaien, die mit rüden Methoden – ausgesetzte Ratten, ausgebaute Fenster im kalten Januar u.a. - Mieter aus ihren Wohnungen vertreiben wollen, um sie zu sanieren und danach teurer weiter zu vermieten. Diese Sache alleine hätte bereits ausgereicht für ein Buch, doch Schorlau packt noch zahlreiche andere brisante gesellschaftliche Probleme in seinen gut 400 Seiten starken Roman: Vergewaltigung nach Verabreichung von KO-Tropfen, Zucht von Killerratten, eine Lobbyisten-Verschwörung à la „Akte X“ … und natürlich auch Corona samt Leugnern und Impfgegnern. Schon spannend, aktuell und gut lesbar, aber etwas überfrachtet. Weniger wäre hier wirklich mehr gewesen.

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Kommentare zum Beitrag

Margrit Jacobsen
8.940
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 21.02.2021 um 15:38 Uhr
Mein Favorit wäre auch...als wir unsterblich waren....
Ingrid Wittich
21.026
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 21.02.2021 um 16:08 Uhr
Das ist supergut!!!
Stefan Walther
4.990
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.02.2021 um 17:43 Uhr
Stimmt, der Schorlau-Roman ist gut aber etwas mit Themen überfrachtet, geht teiweise auf Kosten der Tiefe, einiges bleibt somit etwas oberflächlich, aber trotzdem wieder ein spannendes Buch.
Hallo Lieber Leser
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von:  Ingrid Wittich

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Ingrid Wittich
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