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Gelesen im Juli 2020 – Teil 2

Mücke | Dunkel von Ragnar Jonasson steht schon seit einigen Wochen auf der Bestsellerliste. Zu Recht, wie ich meine. Dieser erste Teil einer Trilogie ist insofern außergewöhnlich, da er gewissermaßen rückwärts erzählt d.h. wir lernen Hulda Hermannsdottir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, kennen, als sie gerade in den Ruhestand geschickt wird und sich noch einem allerletzten Fall, dem Tod einer jungen Asylbewerberin aus Russland widmen darf. Hulda glaubt nicht an einen Suizid und stößt schnell auf etliche Verdächtige. Perspektiv- und Zeitenwechsel fordern die Aufmerksamkeit des Lesers. Guter, flüssig zu lesender Schreibstil, viel melancholische Island-Atmosphäre, steigende Spannung und ein völlig unerwartetes Ende. Teil 2 „Insel“ spielt 30 Jahre früher. Nach der „Dark-Iceland“-Serie um den Polizisten Ari Thór Arason im unwirtlichen Siglufjörður im Norden Islands eine weitere aus dem Krimiuniversum herausragende Reihe.
Belmonte von Antonia Riepp (Pseudonym der Krimiautorin Susanne Mischke). Die Landschaftsgärtnerin Simona erbt von ihrer Großmutter ein Haus im fiktiven Belmonte in den
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italienischen Marken, von dem sie nichts wusste. Da sie gerade ihren Job verloren hat, fährt sie mit Sack und Pack und Urne (!) gen Süden. Dort „findet“ sie von Franca besprochene Kassetten mit einer Art Lebensbeichte, die u.a. auch das Rätsel um Simonas Vater löst. Eine wunderbare deutsch-italienische Familiengeschichte, die vom Widerstand während der deutschen Besetzung über die Zeit der ersten italienischen Gastarbeiter in Deutschland bis ins 21. Jahrhundert reicht, mit starken Frauen, Liebe, Freundschaft und ein paar Geheimnissen. Ein Wohlfühlbuch, das Lust auf einen Urlaub in Italien macht, wenn wir denn irgendwann wieder reisen können.
Das Antiquariat der Träume von Lars Simon ist ein zauberhaftes Märchenbuch für Erwachsene. Der Schwede Johan überlebt eine Schiffskatastrophe, verliert dabei aber seine große Liebe Lena. Er verlässt seinen Arbeitsplatz in einem Verlag, zieht sich aufs Land zurück, betreibt dort ein Antiquariat mit Café, sucht und wartet auf Lena, von der er nicht glauben kann, dass sie tot ist. Hilfe und Unterstützung findet er bei diversen literarischen Figuren, die ihm erscheinen und mehr (William von Baskerville, Sherlock Holmes) oder weniger (Mephisto) gute Ratschläge gebe. Nett, originell, mit Happyend.
Patient Null – wer wird überleben von Daniel Kalla. In Genua bricht eine besonders aggressive Form der Lungenpest aus. Bald schon gibt es weitere Fälle in Rom und Neapel. Dr. Alana Vaughn von der NATO befürchtet Bioterrorismus.Zusammen mit Byron Menke von der WHO und anderen Kollegen versucht sie die Krankheit einzudämmen und v.a. den Ursprung der Epidemie zu eruieren. Die kanadische Originalausgabe „We all fall down“ erschien 2019, also noch vor Corona. Die beschriebenen Reaktionen der Menschen – vom Verdrängen und Unglauben bis zu Panik und Gewalt – ähneln sehr denen während der derzeitigen, weltweiten Corona-Pandemie. Das macht Angst, nicht so sehr vor der Krankheit an sich, sondern vor dem, was die Suche nach Schuldigen auslösen kann. Veranschaulicht wird dies nicht zuletzt durch die eingeschobenen Tagebuchnotizen eines Baders aus dem Mittelalter, als die Pest in Europa grassierte. Ein fesselnder, nachdenkenswerter Thriller.
Herrin über Licht und Schatten von Guido Dieckmann. Ein Roman über die Anfänge der Photographie und die Daguerreotypisten Jenny und Hermann Biow (historische Personen). Jenny geht nach einer gescheiterten Ehe 1842 nach Hamburg, überlebt gerade so den verheerenden Stadtbrand, erlernt bei ihrem Bruder das Fotografierverfahren, wird in eine Familienintrige verwickelt und findet schließlich ihr Glück. Interessant, gut recherchiert und verständlich beschrieben die frühe Fototechnik und das alte Hamburg, dazu eine romantische Liebesgeschichte und einen spannender Kriminalfall. Sehr unterhaltsam.

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Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
11.627
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 02.08.2020 um 10:30 Uhr
Ingrid, ich hasse deine Buchbesprechungen. Jetzt sind schon wieder drei Titel dabei, die ich geneigt bin, mir zuzulegen (die letzten drei) und den Berg von ungefähr 150 ungelesenen Büchern in meinen Regalen weiter wachsen zu lassen. Zu mehr als durchschnittlich einer Stunde Lesen komme ich leider nicht am Tag.
Ingrid Wittich
20.914
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 02.08.2020 um 11:05 Uhr
Ach Bernd, du Armer, das tut mir aber leid, dass deine Bücherberge so sehr anwachsen. Lach! Mit deinen 150 Ungelesenen kann ich leicht mithalten. Corona macht, dass ich noch mehr lese als sonst, denn mit Radfahren habe ich es nicht mehr. Und es kommt ja außerdem auch ständig neuer interessanter Lesestoff auf den Markt.
Bernd Zeun
11.627
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 02.08.2020 um 11:18 Uhr
Ich lege mir inzwischen Zügel an und kaufe nur noch ein weiteres Buch, wenn ich wenigstens zwei alte gelesen habe; aber ob das reicht, den Berg abzubauen, ehe ich nicht nur Bücher sondern auch den Löffel weglege?
Margrit Jacobsen
8.919
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 02.08.2020 um 13:22 Uhr
Oh ja, liebe Ingrid, die Kommentare von Herrn Zeun kann ich nur bestätigen...heute würde ich mich für das "Märchenbuch für Erwachsene" entscheiden.
Ingrid Wittich
20.914
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 02.08.2020 um 15:19 Uhr
Oder "Belmonte", liebe Margrit. Ich bin sicher, das würde dir auch gefallen.
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.08.2020 um 21:09 Uhr
Die Buchbesprechungen zu lesen ist für mich schon lesen satt;-)
Bernd Zeun
11.627
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 03.08.2020 um 09:39 Uhr
Peter, du bist ein sehr genügsamer Leser, wie du gern mitteilst, aber du liest ja immerhin auch Speisekarten, das ist ja auch schon was ;-)
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.08.2020 um 11:27 Uhr
Immerhin lese ich auch alle Beiträge die mir geschickt werden und noch mehr ;-)
Bernd Zeun
11.627
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 03.08.2020 um 11:45 Uhr
Stimmt, da habe ich dich wohl zu sehr eingeschränkt.
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.08.2020 um 21:59 Uhr
Ich bin Sternzeichen Wassermann. Der lässt sich nicht so ohne weiteres einschränken ;-)
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von:  Ingrid Wittich

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Interessensgebiet: Mücke
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