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Soeben ausgelesen : „Die Hafenschwester“ von Melanie Metzenthin

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Mücke | Im Jahr 1892 wütet die Cholera in Hamburg. Weil der Senat lange wichtige Informationen verschweigt, z.B. das als Trinkwasser genutzte Elbewasser abzukochen und auch aus Rücksicht auf die Wirtschaft, sterben sehr viele Menschen. Darunter auch Mutter und Schwester der 14jährigen Martha aus dem Gängeviertel, einem eng bebauten Wohngebiet, in dem die ärmeren Bewohner der Hansestadt leben. Weil der Vater zunehmend dem Alkohol verfällt und der Bruder zu jung ist, muss Martha für die verbliebene Familie sorgen. Sie verdingt sich als als ungelernte Krankenwärterin im St. Georg Hospital. Schon bald erhält sie durch Fürsprache eines Arztes eine der begehrten Schwestern-Lehrstellen am Eppendorfer Krankenhaus, die eigentlich nur für sogenannte „höhere“ Töchter vorgesehen sind. Martha setzt sich durch und schafft sogar den Aufstieg zur OP-Schwester.
Dann, 1896, streiken die Hafenarbeiter. Männer, die oft 72 Stunden am Stück arbeiten müssen, wegen Übermüdung stark unfallgefährdet sind und mit extrem wenigem Lohn dafür kaum die Lebenshaltungskosten für ihre Familien aufbringen.
Martha begegnet auf einer politischen Versammlung
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Buchtipp (423)
dem Ingenieur Paul Studt und ihr Leben nimmt eine neue Wendung, denn die strengen Vorschriften der Erika-Schwestern erlauben keine Liebesbeziehung. Auch ihr Engagement in der Frauenbewegung sowie bei der frühen SPD sind ihrer Vorgesetzten ein Dorn im Auge. Sie muss die Schwesternschaft verlassen und neue Wege gehen.
Autorin M. Metzenthin, geb. 1969 in Hamburg, hauptberuflich Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hat viel hervorragend recherchierte Historie in ihren Roman über eine junge, sich emanzipierende Frau eingebracht. Vielleicht ist es dem einen oder anderen Leser etwas zu viel Politik, aber gerade deshalb ist der Roman mehr als ein schlichter „Frauenschmöker“. Es ist eine lesenswerte Geschichte über die Situation der Frauen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während Martha sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter und Klassen engagiert, personifiziert ihre intrigante Widersacherin August sämtliche Missstände und Vorurteile jener Zeit: bigotte Prüderie, Dünkel der Bessergestellten, Abwertung der Frauenbewegung. Ein bemerkenswertes Buch. Empfehlenswert. Ich warte gespannt auf Teil 2.

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Kommentare zum Beitrag

Margrit Jacobsen
8.904
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 24.03.2020 um 18:42 Uhr
Schwere Zeiten damals...nicht zu beneiden!
H. Peter Herold
28.478
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.03.2020 um 20:03 Uhr
... damals?
Margrit Jacobsen
8.904
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 24.03.2020 um 21:18 Uhr
Na, das Buch handelt doch lt. Ingrid ab 1892....also damals doch wohl richtig genannt...und nicht zu vergleichen mit Corona von heute! So kommt MANN echt zu Massen an Kommentaren! Bitte weiter Grünkohl futtern im Norden!
Stefan Walther
4.654
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.03.2020 um 06:41 Uhr
Danke für die Informationen und den Literaturtipp, ich werde mir das Buch bestellen - Corona-Zeit ist ja auch Lesezeit!

Natürlich kann man die Situation von damals nicht Eins zu Eins mit der heutigen gleichsetzen... aber der Beitrag zeigt doch gewisse Parallelen auf: die Lage der Hafenarbeiter, die Wirtschaft, die im Vordergrund steht... und heute die vielen Arbeiter die am Band / an der Linie stehen ( wer redet da schon von "Mindestabstand"? ) und die Produktion aufrecht erhalten sollen. Und in manchen Betrieben, auch in Deutschland, haben sie erst durch Aktionen und Streiks die Stilllegung von Betrieben durchgesetzt... deshalb ist der kurze Einwurf von Peter Herold schon nicht ganz unberechtigt...
Margrit Jacobsen
8.904
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 25.03.2020 um 09:18 Uhr
Nix dagegen, Herr Walther, dann aber so wie Sie Ihre Meinung abgeben und nicht nur "einwerfen".
Stefan Walther
4.654
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.03.2020 um 10:07 Uhr
Da ist was dran Frau Jacobsen, ich bin ja selbst ein Verfechter von = die eigene Meinung sollte immer auch mit einer Begründung / Erklärung verbunden sein! Vielleicht kommt ja noch was von Herrn Herold?
H. Peter Herold
28.478
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.03.2020 um 10:38 Uhr
Zumindest hat mein kurzer Hnweis eine Diskussion in Gang gebracht, und ich schreibe hier nicht wegen der Punkte. Ich hatte bei der Zeitung schon mal angeregt die Punktewertung- was soll sie überhaupt - bei mir wegzulassen.
Das gehe nicht wurde ich beschieden.
Also leben wir damit. Mich interessiert sie nicht
H. Peter Herold
28.478
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.03.2020 um 10:40 Uhr
Lieber Stefan, dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Ohne das kämpferische nur die Fakten.
Danke.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Ingrid Wittich

von:  Ingrid Wittich

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