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Lesehalbzeit Februar 2019

Mücke | Ich habe nach langer Zeit mal wieder einen Roman von Elizabeth George gelesen. In „Wer Strafe verdient“ traf ich auf vertraute Personen: Chief Inspector Thomas Lynley, Detective Sergeant Barbara Havers, deren beider alkoholkranke Chefin Isabelle Ardery u.a. Das war nett und weckte die Lesefreude. Der Fall jedoch, die Aufklärung des mysteriösen Selbstmordes eines Geistlichen in der Kleinstadt Ludlow, wird auf 856 Seiten so weitschweifig erzählt, dass man nach und nach die Lust verliert und vieles nur noch überfliegt. Detaillierte Beschreibungen von Körperfunktionen ( „...ihm beim Urinieren zuzusehen, während er gleichzeitig furzte“) bringen die Handlung nicht voran. Nur extrem langsam erfährt der Leser, dass fast alle handelnden Personen etwas zu verbergen haben und somit irgendwie „Strafe verdienen“. Einschließlich der Autorin, da der Roman um mindestens 200 Seiten zu lang geraten ist.
Ganz anders „Grenzgänger“ von Mechtild Borrmann. Erzählt wird die ergreifende Geschichte von Henni Schöning, die ihren 3 jüngeren Geschwistern und dem durch Kriegserlebnisse lebensunfähig gewordenen Vater nach dem Tod der Mutter
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Buchtipp (416)
mit Kaffeeschmuggel an der deutsch-belgischen Grenze während der Jahre 1947 – 50 das Überleben sichert. Als ihre Schwester Johanna von Zöllnern erschossen wird ändert sich alles. Henni kommt in eine sogenannte Besserungsanstalt, ihre 2 Brüder in ein „christliches“ Kinderheim. Was die Jungen dort ertragen müssen ist unvorstellbar. Die in sachlichem Ton beschriebenen Misshandlungen, Demütigungen und Bestrafungsaktionen, denen die Betroffenen hilflos ausgeliefert waren, gehen unter die Haut. Ab und zu musste ich eine Lesepause einlegen, da die Geschehnisse nur schwer zu ertragen waren. M. Borrmann versteht es wie kaum eine andere Autorin auf nur 282 Seiten Emotionen zu wecken und Spannung verknüpft mit Zeitgeschichte zu erzeugen. Jedes Wort, jeder Absatz, jedes Kapitel sitzt. Großartig! Unbedingt lesen!
Nur der Vollständigkeit halber: „Blinder Glaube“ von Anne Perry ist der 19. Band der historischen Krimigeschichten mit William Monk und Hester Latterly. Es geht um veruntreute Spendengelder an eine christliche(!) Glaubensgemeinschaft. Ähnlich breit und ausführlich erzählt wie in E. Georges Roman. Nur für treue Perry-Fans (wie mich).

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Kommentare zum Beitrag

Margrit Jacobsen
8.882
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 15.02.2019 um 12:08 Uhr
Hast du noch Platz in deiner Privatbibliothek?
Ingrid Wittich
20.665
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 15.02.2019 um 13:53 Uhr
DAS ist eine gute Frage, liebe Margrit ;-)
635
Markus Eggert aus Gießen schrieb am 08.03.2019 um 11:40 Uhr
Zu Grenzgänger habe ich noch ein Interview geführt zu finden unter : http://www.literaturlounge.eu/interview-ueber-das-buch-grenzgaenger-mit-mechthild-borrmann-podcast/

Und das mit dem Platz kenne ich auch zu gut ;)
Ingrid Wittich
20.665
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 08.03.2019 um 13:44 Uhr
Danke für den Link, Markus. Ich habe Frau Borrman schon 2 x bei Lesungen erlebt. Das erste Mal mit dem Roman "Der Geiger" in Grünberg im Sporthotel und kürzlich mit "Grenzgänger" im Aquariohm in Mücke. War jedes Mal sehr gut.
635
Markus Eggert aus Gießen schrieb am 08.03.2019 um 13:48 Uhr
Hallo Ingrid, kann ich mir vorstellen, sie kam auch mir als ein sehr Sympathische Frau rüber, wobei es mich damals beim Interview ärgerte, dass ich das Buch noch nicht komplett gelesen hatte.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Ingrid Wittich

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Interessensgebiet: Mücke
Ingrid Wittich
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