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Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 - Landausflug auf den Westmännerinseln

Mücke | Die Vestmannaeyjar oder Westmännerinseln sind ein Archipel aus 15 Inseln sowie etlichen Schären und Felsklippen. Nur eine einzige Insel, Heimaey, ist ständig bewohnt. Die übrigen sind besiedelt von Millionen Meeresvögeln. Es herrscht ein raues Klima. Während der häufigen Stürme im Winter können die Wellen bis zu 23 m hoch werden. Regen fällt überdurchschnittlich viel. Hier, 8 km vor der Südküste Islands, bilden sich die Islandtiefs, die später für das schlechte Wetter in Deutschland verantwortlich sind.
Einst erschlugen irische Sklaven in der Nähe von Vik ihren brutalen Herrn und flohen auf die unwirtlichen Felsen. Seit dieser Zeit soll die Inselgruppe ihren Namen haben, da die norwegischen Siedler ihre Sklaven, die von irischen und britischen Inseln stammten, „Westmänner“ nannten.
Am 17. August legte die „Berlin“ im Hafen von Heimaey an. Um 12.30 Uhr startete unser Landausflug. Wir hatten die Inselrundfahrt gebucht, wobei „Rundfahrt“ leicht übertrieben ist auf dieser nur 13,4 km² großen Insel. Kaum waren wir in den Bus eingestiegen und losgefahren, hielt er auch schon für die erste Besichtigung wieder an.
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Westmännerinseln (1)Kreuzfahrt (33)Island (19)
Die örtliche Führerin in unserem Bus war eine Dame mit einem komplizierten Namen. Irgendwas mit „dottir“ am Ende, Ragnarsdottir oder ähnlich. Die Endung „dottir“ bedeutet Tochter des Ragnar. Ein Sohn hätte die Endung „son“, also Ragnarsson.
Die Sache mit den Namen in Island ist kompliziert. Hier erfährt man ein wenig darüber: http://de.wikipedia.org/wiki/Isl%C3%A4ndischer_Personenname
Frau … dottir erzählte viel Interessantes und Wissenswertes über die Hauptinsel Heimaey, die obwohl so klein, sogar einen Golfplatz besitzt. Einer von mehr als 63 auf ganz Island. Er wird sogar unter den 100 besten Europas genannt. Nun ja, das Grün bleibt ja auch gut grün bei dieser feuchten Witterung.
Wie schon geschrieben, der erste Ausstieg kam ziemlich schnell. Im leichten Nieselregen bei 2 nachgebauten Grasdachhäusern, die veranschaulichen sollen, wie die Altvorderen hier gelebt haben.
Während der Weiterfahrt sprach unsere Führerin davon, dass die Insel im Jahr 1627 von nordafrikanischen Piraten überfallen wurde. 36 Menschen wurden getötet, sehr viele entführt, einige, um Lösegeld für sie zu bekommen, andere, um sie auf Sklavenmärkten zu verkaufen. Hübsche Mädchen waren für den Harem des orientalischen Herrschers gedacht.
Hafeneinfahrt
Hafeneinfahrt
Vor dem kurzen Wanderweg zur Inselspitze „Storhöfdi“, dem, wie es heißt, „windigsten Platz Europas“ mit Blick auf die südlichen Inseln und auf Heimaey selbst, sowie auf Felsen mit Papageientauchern, hatte Begleitfrau Birgit gewarnt. Da es so diesig war und mich die Vögel nicht lockten – ich hatte schon auf den Lofoten Papageientaucher gesehen - machte ich mir nicht die Mühe, mitzulaufen. Mein Mann tat es, aber viel zu sehen und zu fotografieren war bei diesem Wetter nicht. Die Inseln und Schafe in meinem Blickfeld waren für mich zumindest markant genug. Tja, und ausgerechnet die Warnerin Birgit stürzte und zog sich schmerzhafte Prellungen zu.
Die Inselrundfahrt ging weiter vorbei an 2 Vulkanen, dem „Helgafjell“, der 5000 Jahre alt ist, und dem „Eldfjell“, der 1973 beim großen Ausbruch entstanden ist. Damals wurden alle Einwohner, ca. 5300 mitten in der Nacht per Schiff und Flugzeug evakuiert. 5 Monate hielten die vulkanischen Tätigkeiten an. Eine dicke Ascheschicht bedeckte die Häuser, etwa 100 versanken in der Lava. Der heiße Lavastrom, der den für die Bewohner wichtigen Hafen bedrohte, wurde durch Besprühen mit Meerwasser aus Wasserkanonen blockiert.
Die Hafeneinfahrt ist zwar heute etwas enger als vor dem Ausbruch, aber der Hafen wurde gerettet und ist jetzt sogar besser vor der Meeresströmung geschützt. Die Aufräumarbeiten nach dem Ende der Eruptionen dauerten volle 2 Jahre. Nicht alle Bewohner kehrten zurück, doch inzwischen leben wieder rund 4600 Menschen auf der Insel.
Es finden Ausgrabungen im „Pompeji des Nordens“ statt und die gefundenen Gegenstände – so wie die Bewohner sie bei ihrer Flucht zurückgelassen haben - werden im 2014 eröffneten „Eldheimar“-Museum ausgestellt. Sehr eindrucksvoll wird hier der Vulkanausbruch dokumentiert.
Der Besuch des Museums war gar nicht vorgesehen gewesen. Ein Irrtum unserer Führerin, die uns eigentlich die Holzkirche „Skansinn“ zeigen sollte, ein Geschenk des norwegischen Staates zum tausendjährigen Jubiläum des Christentums auf Island. Sicher sehenswert, aber Kirchen gibt es viele, Vulkanmuseen sind rarer. Für mich war der Museumsbesuch in Ordnung.
Gegen 15 Uhr waren wir leicht angefeuchtet zurück auf dem Schiff und wärmten uns auf bei Kaffee, Tee, Keksen und Kuchen. War eben normales, isländisches Wetter.

Hafeneinfahrt
Grasdachhäuser
Panorama
Blick auf Heimaey und Lavaformationen
Reste der Wasserkanonen, die die heiße Lava besprühten
verschüttetes Haus neben dem Museum
Museum
im Museum

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Kommentare zum Beitrag

Margrit Jacobsen
8.748
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 08.07.2017 um 13:35 Uhr
Guter Bericht, danke Ingrid, super Fotos von "fast" einer anderen Welt, beeindruckend!
Ingrid Wittich
19.962
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 08.07.2017 um 13:42 Uhr
Danke, Margrit. Ja, diese Inseln waren tatsächlich ein bisschen anders als das, was ich bisher gesehen hatte.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Ingrid Wittich

von:  Ingrid Wittich

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Interessensgebiet: Mücke
Ingrid Wittich
19.962
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