Bürgerreporter berichten aus: Mücke | Überall | Ort wählen...

Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 - Landausflug auf den Orkneys „Whisky und die Kirchen des Südens“, Teil 2

Italian Chapel
Italian Chapel
Mücke | Das erste Besichtigungsziel bei unserem „Buswandern“ auf den Orkneys war die Italienische Kapelle, die in den Jahren 1943 bis 1944 von italienischen Kriegsgefangenen erbaut wurde. Im „Lager 60“ auf der kleinen Insel Lambholm, südlich der Hauptinsel Mainland, waren mehrere hundert Italiener untergebracht, die man aus Nordafrika auf die grauen, nassen und kalten Inseln gebracht hatte, um an den „Churchill Barriers“ zu arbeiten. Die Gefangenen lebten in Nissenhütten, Wellblechbaracken aus Fertigteilen mit einem halbrunden Dach, die sie sich mehr oder weniger wohnlich gestalteten. Im Lager wurden Wege angelegt und Blumen gepflanzt. Aus Stacheldraht und Zement formte der Maler Domenico Chiocchetti, der aus den Dolomiten stammte, eine Statue des Heiligen Georg, die über die kleine Siedlung wachen sollte. Es fehlte noch eine Kirche. Nachdem die Lagerleitung die Genehmigung erteilt und 2 Nissenhütten zur Verfügung gestellt hatte, begann Domenico mit einigen Kameraden die Kapelle zu bauen. Nach der Fertigstellung fanden nur wenige Messen in dem Gotteshaus statt, denn inzwischen herrschte Waffenstillstand zwischen Großbritannien
Mehr über...
und Italien und die Gefangenen wurden nach und nach entlassen. Domenico blieb als letzter noch freiwillig, um die Arbeiten an der Kirche, die ihm am Herzen lag, zu beenden. Als das Lager schließlich aufgelöst wurde, beschlossen die Orkneyaner, die Kapelle zu erhalten. Doch in den Jahren danach setzte ein langsamer Verfall ein. 1958 wurde ein Komitee zur Erhaltung des Bauwerks gebildet und man begann mit einer Restaurierung, zu der auch Domenico anreiste. 1987 schließlich wurde die Kirche mit der höchsten Kategorie in die Schottische Denkmalliste aufgenommen.
Dann weiter zur „Highland Park Distillery“, Schottlands nördlichster Whisky-Brennerei. Unsere Gruppe wurde auf 2 Führungen verteilt. Leider habe ich den ausschließlich englisch/schottisch sprechenden Guide nicht sehr gut verstanden. Doch da wir nicht zum ersten Mal eine Brennerei besichtigten, war dies zu verkraften, zumal die Tafeln an den Wänden 3-sprachig waren: englisch, deutsch und französisch. Als Abschluss des Rundgangs und vor der Verkostung wurde noch ein Film gezeigt, der auch Verständnis beitrug.
Mehr dazu: http://www.giessener-zeitung.de/muecke/beitrag/114158/highland-park-whisky-von-den-orkneys/
Innenansicht der italienischen Kapelle
Innenansicht der italienischen Kapelle
Wir fuhren zurück nach Kirkwall. Dort besichtigten wir die Sankt Magnus Kathedrale. Im Jahr 1137 begann der Bau dieser dem Heiligen Magnus geweihten Kirche. Um 1100 n.Chr. war Magnus Erlendson einer der beiden Earls von Orkney. Er hatte Streit mit seinem Vetter Hakon (der zweite Earl), den er friedlich beilegen wollte. Doch bei den Friedensverhandlungen ließ Hakon ihn töten und Magnus galt fortan als Märtyrer. (Kurzfassung der mörderischen Geschichte.) Im Jahr 1898 wurde er heiliggesprochen. Eine der Säulen im Chor enthält einen Schrein mit, wie man vermutet, den Gebeine des Heiligen. Auf der linken Seite des Chores hängt an der Wand die Schiffsglocke der HMS Royal Oak, die 1939 von Kapitän-Leutnant Günther Prien in Scapa Flow versenkt wurde.
Die Kathedrale ist ein Gemisch von nordwesteuropäischen, romanisch-normannischen und frühen gotischen Stilen. Sie ist heute eine presbyterianische (reformierte) Kirche, keine anglikanische, und wird von der „Church of Scotland“ genutzt.
Als das kleine Kreuzfahrtschiff „Berlin“ – war mal eines der ZDF-Traumschiffe – seine Fahrt nach Island fortsetzte, verabschiedete uns ein Dudelsackspieler. Die Orkneyaner sind also doch Schotten.
Teil 1: http://www.giessener-zeitung.de/muecke/beitrag/118672/kreuzfahrt-im-hohen-norden-im-august-2016-landausflug-auf-den-orkneys-teil-1/

Italian Chapel
Innenansicht der italienischen Kapelle
Statue des Hl. Georg
Nissenhütten
Teil der Churchill Barriers, einst Schutzwall gegen deutsche U-Boote, heute ein bequemer Übergang zwischen einzelnen Inseln
Kirkwall bei schönstem Wetter
in der Brennerei
Sankt Magnus Kathedrale
Schiffsglocke der "HMS Royal Oak"
Good bye
Kirkwall
leckere Verpflegung an Bord
3

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Akureyri, Island - Teil 3
Gegen 11.15 Uhr fuhr der Bus weiter zum letzten heutigen Ziel, dem...
Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Akureyri, Island - Teil 1
Der Landausflug „Juwelen des Nordens“ dauerte 6 Stunden. Deshalb...
Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Akureyri, Island - Teil 2
Von den Schlammtöpfen und kochenden Quellen führte uns der...
Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Färöer. Teil 1
Nach der letzten Anlandung in Seydisfjördur, Island, und einem nur...
Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Färöer. Teil 2
Schon wenig später der nächste Halt mit Blick auf „Risin und...

Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
26.834
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.05.2017 um 15:46 Uhr
Empfangen, leider keine Zeit. Garten und Kultur gehen vor.
Margrit Jacobsen
8.816
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 24.05.2017 um 17:16 Uhr
Mein Garten ist schon paletti. Schöne Erinnerungen, liebe Ingrid, macht Lust auf Urlaub. Schotte, englisch sprechend...so ging es mir auch, meine englische Freundin machte mich aufmerksam, sie wollte wissen, was und ob ich was verstehe...nee nix, dachte an Hintertupfing. Von den Fotos gefällt mir das letzte am besten, lecker, hmmm.
H. Peter Herold
26.834
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.05.2017 um 17:48 Uhr
Habe mir die Zeit genommen. Schöne Bilder zur interessanten Schilderung. Besonders das mit Scapa Flow. Darüber habe ich ja einiges gelesen. Verdammter Atlantik von Hans Herlin.
Ilse Toth
35.751
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 24.05.2017 um 19:32 Uhr
Dein Bericht hat mir wieder sehr gut gefallen.
Ingrid Wittich
20.275
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 24.05.2017 um 19:44 Uhr
Danke.
Bernd Zeun
10.606
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 26.05.2017 um 09:55 Uhr
Interessant, beide Berichte. Und das war ja Superwetter.
H. Peter Herold
26.834
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.05.2017 um 10:27 Uhr
Ich möchte da nicht bei Sturm sein. Zumindest nicht auf dem Wasser.
Ingrid Wittich
20.275
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 26.05.2017 um 13:39 Uhr
Ein geflügeltes Wort in diesen Breiten ist: „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach 5 Minuten". 1984 haben wir es so erlebt: wechselhaft. Letztes Jahr hatten wir großes Glück. Viel Sonne satt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ingrid Wittich

von:  Ingrid Wittich

offline
Interessensgebiet: Mücke
Ingrid Wittich
20.275
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Geographie-Rätsel zum Wochenende
Urlaubszeit - Reisezeit. Deutsche Unesco-Welterbestätten laden zum...
Buchtipp: „The Dry“ von Jane Harper
Ein englischer Titel, aber in deutscher Sprache. Supergut! Zum...

Veröffentlicht in der Gruppe

Reif für die Insel

Reif für die Insel
Mitglieder: 6
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Färöer. Teil 2
Schon wenig später der nächste Halt mit Blick auf „Risin und...
Kreuzfahrt im hohen Norden im August 2016 – Landausflug Färöer. Teil 1
Nach der letzten Anlandung in Seydisfjördur, Island, und einem nur...
Weiter Gruppe des Beitrags:

Weitere Beiträge aus der Region

Geographie-Rätsel zum Wochenende
Urlaubszeit - Reisezeit. Deutsche Unesco-Welterbestätten laden zum...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.