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Buchtipp: „Trümmerkind“ von Mechtild Borrmann

Mücke | Im Winter 1946/47, einem der kältesten des 20. Jahrhunderts, geschahen in Hamburg vier Tötungsdelikte, die als „Hamburger Trümmermorde“ in die Kriminalgeschichte eingingen und niemals aufgeklärt wurden. Man fand die unbekleideten, von niemandem als vermisst gemeldeten Toten an unterschiedlichen Orten in den Ruinen der zerbombten Häuser. Ein Mann, zwei Frauen und ein Kind.
Die Autorin Mechtild Borrmann hat ausgehend von diesen Verbrechen einen zutiefst bewegenden Roman geschrieben. Die Geschichte setzt sich aus 3 Handlungssträngen zusammen. Im ersten geht es um die wohlhabende Familie Anquist aus der Uckermark. 1945 ist der Krieg verloren, die Russen sind auf dem Vormarsch, Gut Anquist wird geplündert, besetzt und die überlebenden Familienmitglieder fliehen nach vielen Demütigungen mit einigen Wertgegenständen in den Westen.
Im Januar 1947 ist der 15jährige Hanno Dietz in den Trümmern der Stadt Hamburg unterwegs auf der Suche nach Brennholz und anderen auf dem Schwarzmarkt verwertbaren Gegenständen. Eines Tages stößt er auf eine nackte Frauenleiche und einen etwa 3jährigen, total verstörten Jungen. Das Kind nehmen er und seine Schwester mit nach Hause zur Mutter. Die Tote verschweigt er. Nach mehreren Monaten und einem Umzug in ein anderes Stadtviertel lässt Agnes Dietz den Buben als ihren eigenen Sohn Joost eintragen.
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Buchtipp (420)
Im 3. Erzählstrang begleiten wir die Lehrerin Anna Meerbaum im Jahr 1993 in die Uckermark, wo sie mehr über ihre Mutter Clara geb. Anquist herausfinden will. Allen töchterlichen Nachfragen über die Familie ist die alkoholkranke Clara stets ausgewichen. Anna setzt sich in Verbindung mit Joost Dietz, inzwischen Architekt, der Gut Anquist zu einem Hotel umbaut. Die beiden stoßen bei ihren Nachforschungen auf eine Tragödie, die beider Leben verändert. Insbesondere für Anna ist nichts mehr wie es war.
Mechtild Bormann kann es einfach: eine ergreifende Geschichte schreiben, die den Leser packt und zudem auf nur 300 Seiten eine emotionale Tiefe erreicht, für die manch anderer Schriftsteller doppelt so viele Worte und mehr benötigt hätte. Da sitzt einfach jeder Satz. Die einzelnen Charaktere sind gut gezeichnet, man lebt und fühlt mit ihnen. Als Leser schwankt man ständig zwischen Mitleid, Wut, Trauer, Ärger und Unverständnis. Doch es gibt auch Hoffnung und Freude darüber wie die Familie Dietz einschließlich des aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Vaters ihr entbehrungsreiches Nachkriegsleben meistert. Frau Borrmann hat mit dem Roman „Trümmerkind“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Uneingeschränkt empfehlenswert.
Bibliographische Angaben: Mechtild Borrmann: Trümmerkind. Droemer Verlag 2016. Euro 19.99

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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
38.223
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 16.12.2016 um 13:11 Uhr
Schon bestellt!
Ingrid Wittich
20.899
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 16.12.2016 um 13:11 Uhr
Ist wirklich richtig gut Ilse.
Ilse Toth
38.223
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 16.12.2016 um 13:37 Uhr
Gerade für die Nachkriegsgeneration!
Birgit Hofmann-Scharf
10.361
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 16.12.2016 um 18:01 Uhr
Danke, werde ich mir ebenfalls besorgen!!!!
H. Peter Herold
28.837
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 17.12.2016 um 07:45 Uhr
Nachdem ich in und unter Trümmern meiner zerbombten Geburtsstadt Ulm, heute ist übrigens der Tag des großen Fliegerangriffs auf Ulm, gespielt habe, kann ich mich auch als "Trümmerkind" bezeichnen. Werde mir das Buch auch besorgen.
Heute Abend 19 Uhr werden seit vielen Jahren die Glocken des Ulmer Münsters zum Gedenken läuten.
Jutta Skroch
13.664
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 17.12.2016 um 09:56 Uhr
Nein, das packe ich nicht, nicht Angesichts dessen, was in Syrien und anderswo passiert.
H. Peter Herold
28.837
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 17.12.2016 um 10:00 Uhr
Mich stört es, dass dort etwas geschieht und die Welt schaut zu wie uns Putin an der Nase rumführt.
Ilse Toth
38.223
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 17.12.2016 um 17:13 Uhr
Die Welt schaut zu , Peter, aber was soll die Welt machen? Es wird dann keinen Krieg mehr geben, wenn keine Waffen mehr hergestellt werden. Aber das bleibt ein frommer Wunsch.
H. Peter Herold
28.837
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 17.12.2016 um 21:59 Uhr
Also müssen wir damit leben und leiden.
Was schert sich ein Putin um unsere Demonstrationen
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von:  Ingrid Wittich

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