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Unterwegs auf den Großen Amerikanischen Seen - Landausflug Manitoulin Island, Kanada, am 16. Oktober 2014

Mücke | Schon sehr früh am Morgen ankerte die MS Hamburg vor Manitoulin Island im Lake Huron. Da wir erst nach 11 Uhr ins Tenderboot steigen mussten, konnten wir uns Zeit lassen beim Frühstück. Es wuselten angenehm wenig Leute ums Buffet, weil 2 Gruppen schon weg waren. Ich bestellte mir zusätzlich das Tagesspecial "Pochiertes Ei". War zwar nur eine Mini-Portion, dennoch hatte ich das Gefühl, dass langsam aber sicher meine Hose zu eng wurde. Allerdings änderte sich das wieder.
Gegen 11 Uhr begann die Ausbootung für die Busse 4 (eine Wanderung) und 5 (Powwow). Der Bus, der unsere Gruppe beförderte, war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Außen bemalt mit Werbung für eine kanadische Basketball-Mannschaft. Eigentlich nichts, was uns hätte stören müssen, wenn nicht dadurch die Sicht durch die Fenster eingeschränkt gewesen wäre. Auch die örtliche Führerin war nicht besonders gut, doch Busbegleiter Eric Emmanuele gab sein Bestes, um so viele Infos wie möglich aus ihr rauszukitzeln und zu übersetzen.
Manitoulin Island, die "Insel des Großen Geistes", ist mit 2766 km² die größte in einem Binnensee gelegene Insel der Welt. Wobei "See" als Bezeichnung für einen der Großen Amerikanischen Seen mehr als untertrieben ist. Denn das sind fast schon Meere.
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Die Bustour startete in Little Current", einem netten kleinen Ort mit ca. 1200 Einwohnern. Der Highway Nr. 6 führt hier über die 1913 erbaute "Little Current Swing Bridge", eine interessante Drehbrücke, zur Goat Island, dann weiter über eine unbewegliche Brücke zum Festland.
Aus unserem bemalten Bus heraus konnten wir, wie schon geschrieben, die farbenprächtige Herbstlandschaft nur schlecht sehen. Allerdings entsprach die Blattfärbung in diesem Jahr leider nicht ganz so dem "Indian Summer" wie wir Europäer ihn uns vorgestellt und gewünscht hatten. Eric sagte, die Färbung der Bäume habe in diesem Jahr sehr zeitig begonnen. Nach einem warmen Sommer wurde es früh kalt, das Laub färbte sich, dann wurde es wieder warm und bei heftigen Stürmen wurden die bereits roten Blätter weggeblasen. Jetzt ist halt fast alles nur gelb, nicht viel anders als in unseren Breiten.
Von den etwa knapp 13000 Bewohnern der Insel ist ungefähr jeder Zweite ein Angehöriger der "First Nations". So werden in Kanada die Indianer bezeichnet. 8 Stämme mit unaussprechlichen Namen (O-Ton Eric) verteilen sich auf 6 Reservate. Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Man kann Hütten oder Tipis mieten, wandern und mit Booten auf einem der 108 Insel-Seen fahren. Das Ganze auf der Basis Ökotourismus.
Miniportion "Pochiertes Ei"
Miniportion "Pochiertes Ei"
Es gibt ein paar kleinere Museen und unser erster Stopp war dann auch bei einem solchen im M'Chigeeng Reservat der Ojibwe First Nations. Das "Lillian's Crafts and Museum" hatte die Bezeichnung "Museum" eigentlich nicht verdient, denn es war mehr ein Shop, in dem wir Dollars für indianische Handarbeiten ausgeben sollten. Da ich nichts kaufen wollte, verließ ich sehr schnell den Laden und fotografierte die Umgebung und einen Totempfahl.
Weiter ging es zur Kirche "Immaculate Conception", die im Stil eines Wigwams oder Tipis erbaut ist. Eric erklärte: "Alles ist rund", so der Glaube der Indianer und deshalb sei die Kirche eben rund und im Zentrum steht der Altar. Statt Bildern von Heiligen findet man im Innern indianische Märtyrer. In allen 4 Himmelsrichtungen sind große Traumfänger aufgehängt. Sie sollen das Schlechte im Netz festhalten und nur das Gute durchlassen.
Nächster Stopp vor dem "Ojibwe Cultural Foundation Center". Das war nun wirklich ein Museum, in dem außerdem Vorträge und Vorführungen indianischer Bräuche stattfanden. Wir nahmen an einer "Reinigungszeremonie" teil.
Little Current Swing Bridge
Little Current Swing Bridge
Sie soll von negativen Energien freimachen und vor bösen Geistern schützen. Wir saßen in einem kleinen Raum im Kreis und in einer Räucherschale auf einem steinernen Podest wurden Kräuter entzündet. Der junge Zeremonienmeister meinte: "Es gibt wenig Rauch. Sie sind eine reine Gruppe." OK. Dass mich der Hokuspokus vielleicht von meiner Erkältung "reinigen" könnte, hatte ich ohnehin nicht erwartet.
Danach ein Rundgang durch die Ausstellung. Es waren wirklich interessante Exponate zu sehen, aber sooo lange und sooo ausführlich hätte es vielleicht nicht sein müssen. Eric hatte von einer Dreiviertelstunde gesprochen, aber nach 1 Stunde wurden immer noch die, zugegebenermaßen, schönen Gemälde detailgenau vorgestellt. Na ja, irgendwann kam man zum Ende, die Leute stiegen laaangsam in den Bus und wir fuhren -- auf die andere Straßenseite. Alles lachte natürlich. Das Powwow fand - ganz und gar unromantisch - in der gegenüber liegenden Bingo-Halle statt. Touristen-Powwow eben, aber unterhaltsam, farbenprächtig und zum Schluss tanzten einige mit, auch ich.
Das Powwow begann mit einer Art Aufwärmmusik. Ein Trommler und einer der Tänzer erklärten abwechselnd Kostüme und Tänze. Eric übersetzte. Einiges davon hier in Kurzfassung: " Durch die Musik und die Tänze ehren sie ihre Vorfahren und ihre Nachfahren. - Vor vielen Jahren raubten ihnen die Weißen ihre Kultur, jetzt lassen sie sie wieder aufleben." Wikipedia sagt: Powwows sind heute in erster Linie ein komprimiertes Abbild der traditionellen Lebensweise der Ureinwohner der nordamerikanischen Plains und Prärien.
Es war wirklich interessant - trotz Bingohalle.
Wir fuhren im Panther-Bus zurück nach Little Current und mit dem letzten Tenderboot zum Schiff. Ganz schnell hoch ins Palmcafé, um einen Happen zu essen. Leider gab es nur Kuchen, keine Würstchen. Dann ab in die Kabine. Durchs Fenster konnte ich einen malerischen Leuchtturm fotografieren. Später war dann auch noch ein Sonnenuntergang ein gutes Fotomotiv.

Miniportion "Pochiertes Ei"
Little Current Swing Bridge
1
einer von 108 Insel-Seen
1
Rundkirche "Immaculate Conception" der First Nations
in der Kirche
ein "Lost Place" auf der Insel
der Chef des Ganzen und Eric Emmanuele
Kostüm für den "Glöckchentanz"
2

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Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
8.283
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 29.07.2015 um 16:31 Uhr
Schöner Bericht mit tollen Bildern.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 29.07.2015 um 16:41 Uhr
Da hast Du ja wieder eine tolle Reise gemacht. Es ist sehr schön, dass Du uns an Deinen Erlebnissen teilhaben lässt. Aber Ingrid - nicht Deine Hose wurde zu eng. Das waren die kleinen Monster, die nachts kommen und die Kleider enger machen. ;-))
Adelbert Fust
5.322
Adelbert Fust aus Gießen schrieb am 29.07.2015 um 16:48 Uhr
Ein interessanter Bericht aus einer Gegend die ich noch nicht kenne.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 29.07.2015 um 16:50 Uhr
@Herr Fust - aufgrund des Berichtes - nix wie hin. ;-))
Adelbert Fust
5.322
Adelbert Fust aus Gießen schrieb am 29.07.2015 um 16:54 Uhr
Ich habe in diesem Jahr aber ein andere Ziel.
Ingrid Wittich
20.981
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 29.07.2015 um 17:00 Uhr
Verraten Sie es uns?
Adelbert Fust
5.322
Adelbert Fust aus Gießen schrieb am 29.07.2015 um 17:10 Uhr
Zu Ergänzung zu meiner letzten Reise durch Thailand, Laos, und Kambodscha fliege ich diesmal nach Vietnam.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 29.07.2015 um 17:27 Uhr
Da bekommen wir bestimmt auch wieder tolle Bilder zu sehen.
Birgit Hofmann-Scharf
10.363
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 29.07.2015 um 18:55 Uhr
Kanada im Oktober, da denke ich sofort an den "indian summer".

Wunderbarer Bericht, herrliche Fotos von einer sicherlich unvergesslichen Reise.
Und interessante Kultur, die von den Indianern erhalten wurde.
Danke für das Teilhaben !!
Ilse Toth
38.923
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 29.07.2015 um 19:59 Uhr
Danke für diesen schönen Bericht und die tollen Bilder!
Margrit Jacobsen
8.930
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 30.07.2015 um 14:20 Uhr
So konnten wir auch etwas "teilhaben" an der tollen Reise und uns ebenso an den Fotos erfreuen. Danke.
Ingrid Wittich
20.981
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 30.07.2015 um 20:10 Uhr
Vielen Dank für die netten Kommentare.
Hallo Lieber Leser
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