Bürgerreporter berichten aus: Lollar | Überall | Ort wählen...

Das vermeidliche Ende eines Rehbocks...

Lollar | Bighorn war ein stattlicher Rehbock.
Seit Jahren lebte er in seinem Revier. Im Winter brachte er seine Ricken sicher zu den besten Futterplätzen, im Sommer führte er oft ein Einsiedlerdasein und verteidigte sein Revier gegen Nebenbuhler.
In diesem besonders langem Winter blieb er länger bei seinem Rudel als in den anderen Jahren. Erst wenn die ersten Kitze zur Welt kommen, wird er sich zurückziehen, damit die Ricken in Ruhe ihre Kitze großziehen können.
Es war ein schöner, sonniger April-Tag. Die Sonnenstrahlen schienen durch die Bäume, vermochten aber nicht wirklich zu wärmen.
Bighorn beschloss am späten Nachmittag, mit seinem Rudel eine sonnige Lichtung aufzusuchen. Hier konnten die Ricken frisches Grün äsen und die Sonnenstrahlen genießen.
Plötzlich wurde die Stille jäh unterbrochen. Lautes Hundegebell war zu hören und in der Ferne war eine menschliche Stimme zu vernehmen, die vergeblich versuchte, den Hund zurückzurufen.
Bighorn warnte sein Rudel - die Ricken brachten sich in Sicherheit. Der Hund holte Bighorn schnell ein, das menschliche Geschrei wurde immer lauter, aber der Hund hängte sich an Bighorn´s
Mehr über...
Rehe (29)Rehbock (11)
Hals und versuchte, ihn umzuwerfen. Mit großen Sprüngen versuchte Bighorn zu entkommen, er trat mit seinen Hufen nach hinten aus um den Feind abzuschütteln - für einen kurzen Moment ließ der Hund los. Irgendwie hatte der Mensch es geschafft, seinen Hund einzuholen und ihn festzuhalten. Das war die Chance für Bighorn zu entkommen. Er machte ein paar große Sprünge, überquerte noch einen Graben - dann verließen ihn seine Kräfte.
Seine Beine knickten ein und er konnte nicht mehr aufstehen.
Der Mensch entfernte sich schnell mit seinem Hund.
Bighorns Sinne schwanden langsam. Er sah noch einmal sein Rudel vorüberziehen und er vernahm die Sonnenstrahlen auf seinem geschwächten Körper.
Nach einiger Zeit kamen erneut Menschen - zum Glück ohne Hund. Bighorn wollte fliehen aber er blieb kraftlos am Boden liegen.
Die Menschen redeten leise, jemand holte sein Telefon aus der Tasche und sagte etwas wie "Der Förster muss kommen".
Es verging eine Weile und es kamen noch zwei Menschen mit Autos - der Förster und sein Kollege.
Sie schauten sich Bighorn an und sagten Worte wie "Das war eindeutig ein Hund, er ist schwer verletzt, wir müssen ihn erlösen."
Bighorn bekam von alldem nicht mehr viel mit. Das letzte, was er hörte, war ein dumpfer Knall - dann wurde es dunkel…

© Andrea Mey


Diese Geschichte wurde frei von mir geschrieben, ist aber leider nicht frei erfunden.
Sie trug sich am heutigen 4. April nachmittags unterhalb des Lollarer Kopfes zu.

Mein Appell an alle Hundehalter: bitte lassen Sie Ihre Hunde nicht frei im Wald laufen! Die Ricken sind bereits tragend und benötigen ihre Energie für das Austragen ihrer Kitze, die im Mai/Juni zur Welt kommen.
Nehmen sie dann Rücksicht auf die Kinderstube der Rehe, Rehkitze drücken sich flach auf den Boden, verharren dort und sind dadurch Feinden hilflos ausgeliefert, wenn sie entdeckt werden.
Der Wald gehört den Wildtieren, Spaziergänger sind gern gesehene Gäste, sofern sie auf den Wegen bleiben und ihre Hunde an der Leine führen!

1
 
 
1
 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Ausschnittvergrößerung
Rehbock kreuzte unseren Weg
Am hellen Nachmittag um 15.00 Uhr kreuzte dieser Rehbock auf einmal...

Kommentare zum Beitrag

Jutta Skroch
11.636
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 04.04.2013 um 23:00 Uhr
Hallo Andrea,
deine Geschichte dazu ist schön, das Ende leider grausam. Da packt mich gerade die Wut über so uneinsichtige Hundebesitzer. Es sind wenige, die meisten denke ich mal, sind verantwortungsvoll.
Jörg Jungbluth
5.113
Jörg Jungbluth aus Lollar schrieb am 04.04.2013 um 23:10 Uhr
Und ich bekomme dieses Bild einfach nicht aus meinem Kopf. Ich sehe immer noch diesen kapitalen Rehbock vor mir, wie er schwer atmend ums Überleben kämpft. Ab und zu ein Lidschlag als wollte er uns sagen "helft mir, ich lebe noch". Aber keiner konnte ihm helfen. Als um ca. 18.10 Uhr der Schuss fiel, war ich einerseits erleichtert, auf der anderen Seite auch sehr betroffen. Denn um ihm zu helfen, musste er sterben.

Ich wünsche mir, das der Besitzer des Hundes diesen Bericht liest, damit ihm klar wird, was sein Hund da angerichtet hat. Er hat auf fahrlässigste Weise seine Ricken zu Witwen gemacht.
Jutta Skroch
11.636
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 04.04.2013 um 23:34 Uhr
Ich möchte das, was ihr zwei heute erlebt hat, nicht erleben. Das Bild würde mir auch nicht aus dem Kopf gehen.
Andrea Mey
9.786
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 04.04.2013 um 23:43 Uhr
Ja, wir hatten schwer daran zu knabbern.
Eigentlich sollte es nur ein schöner Spaziergang in der Natur werden.
Das Schreiben hilft mir, das erlebte zu verarbeiten!
Nicole Freeman
7.274
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 05.04.2013 um 06:47 Uhr
so eine erfahrung braucht niemand. ich hoffe die geschichte wird gedruckt!
auch die zugvoegel im winterstau brauchen ihre ruhe. jedes unnoetige aufsteigen erschwert das ueberleben denn futter fuer die wildtiere wird knapp. wenn ein hund jagdtrieb hat gehoert er nun mal in bestimmten zeiten an die leine ! wenn der halter den hund nicht mal abrufen kann gehoert der hund immer an die leine . wenn mein hund einen schaden verursacht hat muss ich als halter dafuer gerade stehen und melden. bei sowas packt mich als hundehalter die wut. durch solch ein verhalten geraten einfach alle hundehalter in ein schlechtes licht. der arme rehbock tut mir leid. hoffen wir das der bericht fuer verhaltensaenderung bei einigen mitmenschen fuert.
Jenny Burger
1.588
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 05.04.2013 um 13:25 Uhr
Traurige aber reale Geschichte, liebe Frau Mey.
Ich kann meinen Vorrednern nur beipflichten und muss sagen, dass mich die Ignoranz und/oder Feigheit des betreffenden Hundehalters sehr verärgert. Dass ein wildernder Hund im Wald ohne Leine läuft ist schon schlimm genug. Aber wurde ein Tier verletzt und dann wissentlich sich selbst zum Verenden überlassen, dann ist dies unentschuldbar. Als Hundehalter stehe ich in der Pflicht, für das Verhalten meines Hundes gerade zu stehen und auch ein verletztes Tier überlässt man nicht sich selbst.
Wie lange hätte es gedauert, bis Füchse das verendende Tier am lebendigen Leib zerrissen und gefressen hätten ? Wie ignorant sind manche Menschen, die sich hier der Verantwortung entziehen ?
Und wie sehr werden solche Verhalten für allgemeingültig erklärt.
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 05.04.2013 um 18:38 Uhr
Ich finde es unverantwortlich von dem Hundehalter, den verletzten Rehbock liegen zu lassen und einfach seines Weges zu gehen. Leider gibt es viel zu viele Ignoranten, die so handeln. Immer wieder liest man von wildernden Hunden, die Rehe reißen. Ich habe von einer Geschichte gehört, wo ein wildernder Hund eine Ricke gerissen hat, die mit Zwillingen trächtig war. Da könnte ich heulen vor Wut. So etwas tut man einfach nicht. Die Hunde gehören an die Leine und nicht zur Setzzeit in den Wald.
Peter Herold
24.471
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2013 um 18:02 Uhr
Und bei den Hundehaltern ist dann das Jammern groß, wenn ein Förster, Jäger in seinem Revier, solch einen wildernden Hund erschießt. Da habe ich kein Erbarmen. Ich denke dann an die armen Tiere, die von durch solche unverantwortliche Hundehalter ums Leben kommen. Da ist der waidgerechte Abschuss eines solchen Hundes die einzige Möglichkeit, denn der Hund ist für die Zukunft verdorben, wir es immer wieder tun.

Gut geschriebener Beitrag der richtig unter die Haut geht
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 06.04.2013 um 19:20 Uhr
Aber hier wird die Verantwortungslosigkeit von dem Hundehalter auf dem Rücken des Tieres ausgetragen. Das finde ich auch nicht in Ordnung.
Peter Herold
24.471
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2013 um 23:16 Uhr
Hundehalter abschießen?;-)
Kurt Orth
210
Kurt Orth aus Laubach schrieb am 07.04.2013 um 09:54 Uhr
Es ist gerade eine Woche her, bei einem Spaziergang im Freienseener Mühlental kam mir am Waldrand ein weibliches Reh entgegen, welches völlig außer Atem war. Kurz dahinter ein Hund, der dem verängstigten Tier folgte. Weit und breit war kein Besitzer des Hundes auszumachen. Immer wieder hört man von uneinsichtigen Hundehaltern "mein Hund wildert nicht". Tierliebe sieht anders aus.
Christine Weber
6.910
Christine Weber aus Mücke schrieb am 07.04.2013 um 10:04 Uhr
Herr Orth, da gebe ich Ihnen völlig Recht. Aber es liegt nun einmal in der Natur der Hunde. Bei dem einen mehr bei dem anderen weniger. Die Hundehalter müssen zur Verantwortung gezogen werden. Aber leider sind die Strafen, die - erwischt man die Halter - ausgesprochen werden, viel zu gering. Sie haben Recht, Tierliebe sieht anders aus.
@Herr Herold, warum nicht. Wenn das die einzige Möglichkeit ist. ;-))
Ilse Toth
33.293
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 07.04.2013 um 23:48 Uhr
Eine traurige Geschichte, die leider immer wieder passiert. Unverantwortlich, solche Hundehalter! Da müssen harte Strafen her, denn nur über den Geldbeutel trifft man solche Menschen. Für Argumente sind diese Leute nicht offen und man hört die Sätze: das hat er ja noch nie gemacht- klar doch.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Andrea Mey

von:  Andrea Mey

offline
Interessensgebiet: Lollar
Andrea Mey
9.786
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Schafherde vor der Burg Vetzberg
Blick auf Burg Vetzberg

Veröffentlicht in der Gruppe

Alle Tiere dieser Welt

Alle Tiere dieser Welt
Mitglieder: 19
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Schafherde vor der Burg Vetzberg
Perla ist traumatisiert.
Alles verloren!
Perla schlich geduckt und verstört durch die Strassen. Sie war völlig...
Weitere Gruppen des Beitrags:

Weitere Beiträge aus der Region

Eiskristalle - Kunstwerke der Natur!
Jedes ist ein Unikat - die Natur schafft immer wieder die schönsten Kunstwerke!
Winter in Wettenberg
Wer zurzeit in Wettenberg spazieren geht, kann eine Winterlandschaft...
Ein herrlicher Tag ging zu Ende!
Die derzeitige Wetterlage beschert und sonnige Tage und frostige...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.