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VCD: Tempo 30 in Kleinlinden und Rödgen muss beibehalten werden

Lollar | Als „unverantwortlich“ bezeichnete der Kreisverband Gießen des Verkehrclubs Deutschland (VCD) die Weisung des Regierungspräsidiums Gießen, die Tempo 30-Regelungen in Kleinlinden und Rödgen aufheben zu lassen. Gegen den Willen der Stadt, der Ortsbeiräte und der Bevölkerung vor Ort solle ab spätestens 10. April wieder Tempo 50 auf der Wetzlarer Straße in Kleinlinden sowie in der Ortsdurchfahrt Rödgen gelten.

Lediglich auf einem kurzen Abschnitt der Wetzlarer Straße zwischen Hausnummer 46 und der Einmündung „Zum Maiplatz“ solle Tempo 30 beibehalten werden, da hier aufgrund schmaler Gehwege erhöhte Sicherheitsanforderungen zu stellen seien. Vergleichbar schmale Gehwege finden sich jedoch auch in anderen Bereichen der Wetzlarer Straße. So solle im Bereich der Wetzlarer Straße 26 Tempo 50 gelten, obwohl der Gehweg hier mit 98 Zentimetern gerade mal acht Zentimeter breiter ist, als an der engsten Stelle im Bereich der Hausnummer 40. Auch an zahlreichen weiteren Stellen unterschreiten die Gehwegbreiten die eigentlich nach aktuellen Richtlinien notwendige absolute Mindestbreite von 150 Zentimeter. Der VCD hält die Weisung des Regierungspräsidiums daher für rechtsfehlerhaft, es müsse weiterhin Tempo 30 gelten.

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VCD (18)Tempo 30 (10)
In Rödgen solle im Bereich der Grundschule eine zeitliche Beschränkung auf Tempo 30 von 7-14 Uhr eingeführt werden. Die dort bis 16 Uhr im Rahmen der Schülerbetreuung betreuten Schüler scheinen dem Regierungspräsidium weniger schutzbedürftig zu sein. „Abgesehen davon, dass Kinder auch zu anderen Zeiten auf der Straße unterwegs sind“ führte Patrik Jacob, Vorstandsmitglied des VCD, aus.

Angesichts dieser offenkundigen Mängel in der Weisung des Regierungspräsidiums erwartet der VCD, dass die Stadt alle Möglichkeiten zur Beibehaltung der Tempo 30-Regelungen nutzt.

Leider nehme die momentane Gesetzeslage und die Rechtsprechung in Deutschland allerdings wenig Rücksicht auf Sicherheitsaspekte noch auf Lärm oder Abgase, sondern bevorzuge einseitig die „Freie Fahrt für freie Bürger“. Dabei erhöhe Tempo 30 die Verkehrssicherheit erheblich, führte Jacob aus. Während ein Auto bei Tempo 30 nach knapp 13 Metern zum Stehen komme, brauche es bei Tempo 50 über 27 Meter. Bei dieser Geschwindigkeit habe der Fahrer nach 13 Metern noch nicht einmal angefangen zu bremsen und treffe den Fußgänger mit seiner vollen Wucht. So endeten bei Tempo 50 acht von zehn Unfällen mit Fußgängern tödlich. Bei Tempo 30 sterben zwei bis drei von zehn Angefahrenen. Angesichts der im letzten Jahr bundesweit erstmals seit 20 Jahren wieder angestiegenen Zahl an Verkehrstoten sei eine Aufhebung des Tempolimits besonders zynisch. Hinzu komme noch die steigende Lärm- und Umweltbelastung bei höheren Geschwindigkeiten, die besonders die Anwohner träfen, deren Fenster teilweise nur einen guten Meter vom Straßenrand entfernt seien.

In Anbetracht der Vorteile von Tempo 30 hat sich der wissenschaftliche Beirat beim Bundesverkehrsministerium dafür ausgesprochen, innerorts Tempo 30 zur Regel zu machen. Tempo 50 würde auf Vorfahrtsstraßen mit breiten Fahrbahnen und Gehwegen mit ausreichend sicheren Querungsmöglichkeiten gelten.

Den Kleinlindener Landtagsabgeordnete und Parteifreund des hessischen Verkehrsministers, Wolfgang Greilich, wurde vom VCD aufgefordert, Stellung zu beziehen und sich für die Interessen der Kleinlindener und Rödgener Bevölkerung einzusetzen. Das Regierungspräsidium habe genug Ermessensspielraum, um die Weisung rückgängig zu machen. „Es darf nicht sein, dass erst ein Kind zu Schaden kommen muss, um wieder ein Umdenken zu erreichen“, so Jacob.

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von:  Gerhard Born

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