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Es begab sich aber zu der Zeit..., oder wie stehen sie zum Zensus 2011?

von Georg Gigleram 10.05.20111366 mal gelesen1 Kommentar
Lollar | In der heutigen Zeit, da Computer in Windeseile jede erdenklich mögliche Statistik ausspucken können, wirkt es anachronistisch, die Bürgerschaft mit Fragebögen zu einer Volkszählung zu zwingen. Bisher regte sich relativ wenig Widerstand gegen den sogenannten Zensus 2011. Eventuell liegt eine Ursache in der Tatsache begründet, dass immer mehr persönliche Daten von den Bürgern selbst über soziale Netzwerke in das allgegenwärtige Internet eingespeist werden und so für jedermann zugänglich sind. Suchmaschinen wie Google tun dabei ein Übriges, um die entsprechenden Daten zu filtern und für ewige Zeit zu speichern. Aber vielleicht haben sich viele bislang auch noch nicht damit auseinandergesetzt, weil nur ein kleiner Teil der Bevölkerung zur Befragung "ausgesucht" werden sollte. Die Gebäude- und Wohnungszählung betrifft allerdings alle, die eine Immobilie ihr Eigen nennen. Und schon beginnt die schier unendliche Liste von Problemen, die bereits nach den ersten Tagen aufgetreten sind. Geht man davon aus, dass viele Eigenheimbesitzer sich noch überhaupt nicht mit dem entsprechenden Fragebogen befasst haben, da er erst einmal zur Seite gelegt wurde, so ist die stattliche Anzahl von bislang 10000 Anrufen allein bei der Hotline des für Hessen zuständigen statistischen Landesamtes
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Zensus 2011 (1)Volkszählung (5)
in Wiesbaden Indiz dafür, dass wieder einmal die erforderliche
Weitsicht in den Planungen dieser Maßnahme gefehlt hat.(E 10 lässt grüßen!) Sicherlich ist derjenige im Vorteil, der sein Eigenheim erst kürzlich errichtet hat und daher sofort aus seinen Bauzeichnungen die erforderlichen Antworten ersehen kann. Diese Angaben dürften am ehesten den tatsächlichen Begebenheiten nahe kommen- sie liegen allerdings dem Bauamt im Normalfall sowieso vor. Dazu bedarf es keiner Gebäudezählung. Etwas anders verhält es sich mit Gegebenheiten, die sich verändert haben. Ein Beispiel:Wenn nur für den Eigenbedarf gebaut worden ist, aber finanzielle Zwänge dazu führen, im betreffenden Anwesen eine Mietwohnung einzurichten, könnte es durchaus sein, diese im Erhebungsbogen nicht angeben zu wollen, da man trotz der Beteuerungen, die Daten nicht weiterzugeben damit rechnet, dass dies doch der Fall sein könnte, woraus wiederum finanzielle Nachteile entstehen könnten in Bezug auf eine etwaige Steuerschuld oder dergleichen. Auch andere Hindernisse könnten sich auftürmen, da man nun z.B. auch entsprechend mehr Stellplätze für PKW auf seinem Grundstück nachzuweisen hätte. Die Gefahr ist also durchaus gegeben, dass der Hausbesitzer diese Veränderungen im Fragebogen nicht vermerkt, womit der Sinn des Ganzen ad absurdum geführt wird.
Zurück zur Ausgangslage: Beginnend mit dem Namensfeld taucht das erste Problem auf. Doppelnamen scheint es nicht zu geben, auch wenn man im Einwohnermeldeamt damit registriert ist. Woher stammen also die Adressfelder? Kann/Darf ich diese abändern? Dann kommt es vor, für ein Objekt gleich zwei Erhebungsbögen mit unterschiedlichen Namenszusätzen zu erhalten; im vorliegenden Fall "jun." einmal hinter dem Namen geschrieben, einmal mittendrin. Welchen Bogen soll ich bearbeiten und wegschicken? Einen, beide oder gar keinen und einen neuen anfordern? Die Fragen häufen sich: Da erscheint der Ausweg - eine Hotline-Nummer, die auf dem Fragebogen vermerkt ist, soll Abhilfe schaffen...("Ihr direkter Kontakt zum Zensus in allen Fragen"). Dem wollen wir sogleich nachgehen: Eine kostenfreie 0800 - Nummer, das nennen wir doch Service...; doch leider endet jeder Versuch, eine Auskunft zu erlangen im Nirwana! "Zur Zeit sind alle Mitarbeiter im Gespräch", säuselt eine Stimme unentwegt. "Versuchen sie es später noch einmal!" Dem kommen wir gerne nach, und versuchen es immer wieder... und wieder... und wieder- bis wir uns am Ziel glauben. Aber was ist das? "Sie rufen außerhalb unserer Gesprächszeiten an! Unsere Gesprächszeiten sind...". Nun fühlen wir uns erstmals richtig verar...t. Wie kann man auch nur auf die Idee kommen nach 18 Uhr anzurufen? Doch wieder erscheint eine Lösung in Sicht. In der örtlichen Tageszeitung stand heute eine weitere Telefonnummer des statistischen Landesamtes. "Da werden sie geholfen", oder auch nicht, denn es ist - genau: Zu spät! Da denkt man gleichwohl an die Aussage des Bekannten, der nicht gewillt scheint, überhaupt sich mit diesem Ungetüm befassen zu wollen. Trifft ihn dann der Bannstrahl des Bösen, d.h. muß er wirklich mit einer Geldstrafe rechnen oder kommt er ungeschoren davon? Erste Zweifel werden aber als pflichtbewusster Bürger sogleich zerstreut. Man fragt sich zwar, warum nach Bad und WC gefragt wird, und ob eventuell ein lukratives Angebot ins Haus flattert, falls man sich als Nicht-Bad-Besitzer outet. Letztlich lässt man aber die Fragen über sich ergehen und sinniert höchstens darüber, was denn wohl passiert, wenn man sein Zuhause als Diplomatenwohnung tituliert. Letzte Bedenken erreichen einem dann, wenn man vor die Frage gestellt wird: Soll man 1,45 Euro investieren, um den Postweg zu wählen (wobei nur von "ausreichend frankiert" auf dem mitgelieferten Umschlag die Rede ist:Wer den Betrag nicht weiß oder nicht erfragt? Wer zahlt das Nachporto oder kommt die Sendung als unzureichend frankiert zurück?) oder begibt man sich auf womöglich unsicherem Pfad, um den Bogen unter Zuhilfenahme eines Aktivierungscodes im Internet zu versenden. Eine Gewissensfrage! Zum einen gönne ich der Post das Geld nicht und wer sagt mir eigentlich, ob mein Bogen tatsächlich beim Adressaten gelandet ist. Eine Empfangsbestätigung ist wohl nicht zu erwarten. Eher eine Mitteilung, die nach Wochen darauf hinweist, dass mein Bogen noch nicht eingegangen ist...An dem Porto erregen sich zuweilen wohl die meisten Gemüter, da man erst zur Auskunft verpflichtet wird und diese dann auch noch bezahlen muss. Nächster Schritt beim nächsten Zensus, oder wie immer die Volkszählung dann genannt werden wird, dürfte eine Bearbeitungspauschale in Höhe von 5 Euro sein...
Oh, da habe ich zum Abschluss die Verantwortlichen noch auf eine Idee gebracht - JA, wir leben im Wunderland Deutschland: "Man wundert sich nur noch". Und nun flimmern wieder die Bilder über die neuerliche Ministerrochade über die Bildschirme. Diese Spezialisten können einfach jeden Job - nur warum schaffen sie es dann nicht, eine vernünftige Volkszählung auf die Beine zu stellen? Nächste Meldung: Es klafft eine eklatante Sicherheitslücke im Netz, sofern man den Bogen über das Internet verschickt und nicht selbst die Adresszeile eintippt. Doch wieder zu spät: Wenige Minuten zuvor, war es vollbracht: Den ausgefüllten Bogen übers Netz verschickt - ging alles recht schnell und reibungslos! Harren wir der Dinge, die da kommen...

Letzte Meldung: Die Stadt Gießen hat entschieden, die Fragebögen entgegen zu nehmen und weiterzuleiten...
Alle Achtung! Wieso kam da nicht gleich jemand drauf???

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