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Weltzirkustag

Lollar | Am Samstag, den 16. April lud der Zirkus Charles Knie anlässlich des Welt-Zirkustages zu einem Blick hinter die Kulissen ein.
Ich bin und war beim Thema Zirkus mit Tieren immer sehr skeptisch, man kennt ja schließlich das alte Klischee von einsamen, eingesperrten Tieren, die in viel zu kleinen, bunt geschmückten Käfigen der Belustigung der Zuschauer dienten.
Nun bot sich die Gelegenheit, sich einmal einen Einblick in die Zirkuswelt von heute zu verschaffen. Gemeinsam mit dem Tierfotografen Jörg Jungbluth, der der Zirkuswelt auch nicht gerade wohl gesonnen ist, machten wir uns auf den Weg, um uns selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Als wir ankamen, waren bereits die Löwen und Tiger in der Manege. Spielerisch werden die Jungtiere in die bestehende Gruppe integriert. So ganz weiß noch nicht jeder, was er eigentlich hier soll, aber mit viel Liebe und Geduld lernen die Tiere bei Trainer Alexander Lacey, z.B. auf einer bestimmten Position zu sitzen und möglichst nicht mit dem Tiger nebenan zu schmusen!
Die Raubkatzen gehören nicht dem Zirkus Charles Knie, sie sind Eigentum von Trainer Alexander Lacey. Die Familie
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Zirkus (18)Tierschutz (1014)Dressur (5)
Lacey lebt nunmehr mit der 10. Generation Löwen und der 8. Generation Tiger zusammen. Den Tieren stehen neben klimatisierten Reise-Fahrzeugen immer Außengehege zur Verfügung, wo sie spielen und toben können und sie haben die Möglichkeit, sich auf ein Schläfchen zurückzuziehen. Im Sommer haben sie ausreichend Schatten und einen Swimmingpool und im Winter leben sie in ihrem großzügigen Winter-Quartier.
Die Tiere wirken sehr ausgeglichen und gelassen, wenn man Lacey beim Training zuschaut, fällt einem das Vertrauen zwischen den Tieren und dem Trainer auf, es ist ein harmonisches Zusammenspiel ohne Zwänge. Lacey´s Motto lautet (Zitat):
"Du kannst sie trainieren, aber Du kannst sie nicht zähmen".

Der Zirkus selbst hat neben Zebras, Emus, 2 Riesen-Kängurus eine gemischte Exoten-Gruppe: Lamas, Trampeltiere, verschiedene Rinder-Arten, also überwiegend domestizierte Tier-Arten, die sich ein Stelldichein in der Manege gaben, ebenfalls ohne Gewalt und Zwang, was man den Tieren auch anmerkt, sie sind alle lammfromm und freuen sich über Streichel-Einheiten!
Natürlich dürfen auch die Pferde nicht fehlen! Wunderschöne Friesenhengste, ein Araber-Vollblut und kleine Shetties leben in hellen, sauberen Boxen. Gezeigt wird Dressur der hohen Schule aber auch Pferdefreiheit, d.h. die Pferde bewegen sich frei in der Manege als eine kleine Herde.
Auch bei den Pferde-Dressuren fällt die Harmonie zwischen Trainer und Tier auf - nichts wird mit Gewalt erzwungen, es wird auf der Basis Lob und Leckerli´s trainiert!
Keine der Tier-Dressuren dauert länger als 10 Minuten, um die Tiere nicht zu überfordern. Kein Tier ist hier eingesperrt, alle Tiere können sich frei in Außengehegen bewegen und haben die Möglichkeit miteinander zu spielen oder - wenn man ein exotisches Rind ist - sich Streicheleinheiten bei den Besuchern zu holen.
Es gibt leider immer noch viele schwarze Schafe unter den Zirkussen, man denke nur an die vielen kleinen Wanderzirkusse, die im Winter mit ihren Tieren bei klirrender Kälte bettelnd im Seltersweg stehen, das ist absolut nicht zu unterstützen!
Trotzdem hat sich der Zirkus genau wie die zoologischen Gärten weiterentwickelt. Tier- und Artenschutz stehen hier an erster Stelle. Die Tiere im Zirkus haben durch ihr tägliches Training Beschäftigung und auch der Standortwechsel bedeutet für sie keinen Stress - im Gegenteil, es gibt immer wieder eine neue Umgebung zu entdecken und viele neue Düfte zu erschnuppern. Kein Tier stammt aus der freien Wildbahn, es sind alles erfolgreiche Nachzuchten, die im Zirkus geboren wurden und in freier Wildbahn keine Chance hätten.
Fazit: Da der Mensch immer mehr dazu neigt, Tiere auszurotten, man denke nur an die vom Aussterben bedrohten Tiger, können viele Tier-Arten künftig nur noch in zoologischen Gärten - oder eben im Zirkus - überleben und weiter gezüchtet werden.
Viele Zoologischen Gärten und Zirkuse nehmen am Artenschutzprogramm teil und schaffen somit unter dem Aspekt des Tierschutzes Überlebensmöglichkeiten für Tiere, die es vielleicht in freier Wildbahn bald nicht mehr geben wird.

Ich danke meinem Freund Jörg Jungbluth für die Überlassung der Bilder.


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Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
19.609
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 19.04.2011 um 22:07 Uhr
Liebe Andrea, vielen Dank für diesen Beitrag. Hier werden einige Dinge klar gestellt, die in den Kommentaren zu
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/47780/gewinnspiel-wir-bringen-sie-in-den-zirkus/
reichlich überspitzt dargestellt wurden. Danach traute man sich ja gar nicht mehr, sich als Zirkusfreund zu outen, weil man dann wohl gleich an an den Pranger gekommen wäre .
Jörg Jungbluth
5.132
Jörg Jungbluth aus Lollar schrieb am 19.04.2011 um 22:21 Uhr
Ich bin mit Widerwillen und einer kleinen Kamera bepackt in den Zirkus gegangen. Dort wurde ich angenehm überrascht. Keine Raubtiere die in ihren Käfigen stupide ihre Runden drehen, sondern geräumige Gehege.

Keine Elefanten, die stumpfsinnig mit dem Kopf wippen, denn die Haltung von Elefanten, haben sie aus Tierschutzgründen aufgegeben. Wie der Pressesprecher berichtete ist der Zirkus Knie gerade in Phase der Wandlung. Die Zeiten wo Raubtiere durch Feuerreifen springen sind in diesem Zirkus vorbei.

Was die Andrea in ihrem Bericht nicht erwähnt hatte, ist die Tatsache, das zwischen Absperrgitter und Raubtiergehege ein Rhodesien Rigback patroullierte. Seine Aufgabe ist vermeintliche Tierschützer daran zu hindern, die Käfige zu öffnen und den Raubtieren ihre Freiheit zu schenken.

Der Wandel im Zirkus beginnt, bleibt zu hoffen, das sich andere Zirkusunternehmen diesem Sinneswandel anschliessen und umdenken.

Denn leider gibt es in diesem Zusammenhang eine weniger erfreuliche Meldung. Der größte Zirkus Europa meldet, dass sie es ihren Elefanten nun ersparen wollen, jedesmal den Weg vom Güterbahnhof zum Auftrittsort laufen zu müssen. Sie werden jetzt in Tiefladern transportiert und direkt vor ihrem Zelt ausgeladen. Das heisst ihnen wurde die letzte große Möglichkeit der Bewegung auch genommen. Hoffentlich fällt ihnen da kein Zacken aus der Krone.
Jörg Jungbluth
5.132
Jörg Jungbluth aus Lollar schrieb am 19.04.2011 um 22:27 Uhr
Hallo Frau Wittich,

ich bekenne mich mitschuldig. Ich gönne Ihnen auch die Freude am Zirkus. Ich liebe den Zirkus auch. Solange es nicht auf Kosten der Tiere geht.
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 19.04.2011 um 22:37 Uhr
Mag alles stimmen, was Du schreibst, liebe Andrea! Trotzdem- Tiere gehören nicht in einen Zirkus, um die Menschen mit Kunststückchen zu unterhalten.
Wenn der Mensch den Lebensraum der Wildtiere vernichtet, dann macht es keinen Sinn, diese Tiere in Gefangenschaft für die Nachwelt zu züchten und die Art zu erhalten.
Ich gehe in keinen Zirkus, der Exoten mitführt. Tiere gehören sich selbst und dienen nicht der Freizeitunterhaltung der Menschen. Auch dann nicht, wenn die barbarischen Haltungsbedinungen vergangener Zeiten verbessert wurden. Auch diese üblen Unterkünfte wurden zu allen Zeiten verteidigt und für gut befunden.
Da die Tiger- und Löwenjungen in vielen Fällen nicht von den Muttertieren angenommen werden und Handaufzuchten sind, spricht nicht für artgerechte Haltungsformen. Es sind nach meiner Auffassung Gefängnisse für unschuldige Tiere.
Ingrid Wittich
19.609
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 19.04.2011 um 22:41 Uhr
Ist schon Ok, Jörg. Es hat sich aber in den letzten Jahren schon einiges geändert. Immerhin sind diese Delphin-Shows aus den deutschen Freizeitparks verschwunden. Das waren ja meist nur größere "Waschbecken" für die schönen Tiere.
Ingrid Wittich
19.609
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 19.04.2011 um 22:43 Uhr
Schön und gut, Frau Toth. Und was halten Sie von Siegfried und Roys Zucht der weißen Tiger?
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 19.04.2011 um 23:13 Uhr
Keine neuen Tiere mehr für Zirkusse! Keine Nachzuchten mehr! Die Hessische Tierschutzbeauftragte, Frau Dr. M. Martin, sucht zusammen mit Amtsveterinären immer wieder Auffangstationen für Zirkustiere.
Die Raubkatzen von Siegfried und Roy haben ein anderes Leben als im Zirkus. Vor einiger Zeit gab es einen Bericht über die beiden Herren und ihre Tiere. Riesige Gegehe, große Schwimmbecken für die Tiger, zu deren Lebensraum Wasser gehört! Das ist nicht mit einem Zirkus zu vergleichen. Natürlich sind auch diese Tiere Handaufzuchten. Auch hier ist menschlicher Egoismus im Spiel. Denn nur Handaufzuchten können in eine Show eingebaut werden. Bei Siegfried und Roy sage in Ja zu den Haltungsbedingungen. Die Frage, ob man Tiere aus Sensationsgründen zur Show stellt, beantworte ich mit nein. Weiße Tiger oder Löwen sind "menschgemacht"- denn weiße Tiere hätten in der Natur keine Überlebenschancen. Es sei denn, sie sind dem Lebensklima angepaßt, wie z. B. Eisbären.
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 19.04.2011 um 23:14 Uhr
Nloch ein Wort zu den Delphinarien! Auch diese wurden und werden immer noch verteidigt, wie artgerecht sie seien und wie glücklich die Delphine sind.
Ginge kein Mensch hin, wären sie schon längst alle geschlossen.
Tim Gross
545
Tim Gross aus Gießen schrieb am 20.04.2011 um 10:06 Uhr
Ich freue mich wirklich, dass hier ein so positiver Bericht zustande gekommen ist. Insbesondere nach den Kommentaren zum Gewinnspiel, habe ich damit nicht mehr gerechnet. Großes Lob an Frau Mey und Herrn Jungbluth!
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 20.04.2011 um 10:09 Uhr
Hallo Christine, es gibt wenige Auffangsstationen für ehemalige exotische Tiere aus Zirkussen. Es ist auch fast nicht möglich, Wildtiere wie Bären, Affen, Raubkatzen, Elefanten in eine bestehende Gruppe zu integrieren. Im Internet habe ich nichts gefunden. Ich werde versuchen, über Ämter Auskunft zu bekommen. Ich finde Deine Frage sehr interessant und diskussionswürdig.
Antje Amstein
6.003
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 21.04.2011 um 12:42 Uhr
Wildtiere gehören nicht in den Zirkus!
Zirkus kommt auch ohne Tiere aus!

Der moderne Zirkus zeigt uns ein unterhaltsames und lustiges Programm. Das beruht auf den Leistungen der Artisten und nicht auf der quälerischen Dressur von Tieren. In vielen Ländern sind Vorführungen mit Wildtieren bzw. exotischen Tieren bereits verboten oder stark eingeschränkt, so z. B. Österreich, Ungarn, Bulgarien, Kroatien, Belgien, Lettland, Estland, Finnland, Dänemark und Schweden.
Um Spaß im Zirkus zu haben, muss man keine Tiere quälen - schliesslich gibt es Clowns, Zauberer, Jongleure und Artisten.

http://www.zirkus-ohne-tiere.de/
http://www.petakids.de/web/gute_gruende.488.html
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 21.04.2011 um 14:12 Uhr
Dem Kommentar ist nichts dazu zu fügen.
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 21.04.2011 um 14:20 Uhr
Ich habe im Internet gefunden:
Wildtierhaltung im Zirkus - Aktion Zirkus ohne Tiere.
Dort ist ein Artikel: wohin mit den alten Zirkustieren?
Ilse Toth
34.439
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 21.04.2011 um 16:47 Uhr
Ich habe mit dem Vet. Amt in Giessen telefoniert. Dort kennt man keine Auffangstation für Zirkustiere. Frau Dr. M. Martin, unsere Hess. Tierschutzbeauftragte im Ministerium in Wiesbaden ist die Ansprechpartnerin für Interessierte.
Ich kenne sie und werde versuchen, sie zu erreichen.
Andrea Mey
10.315
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 21.05.2011 um 14:53 Uhr
Hallo,
melde mich nach einer Pause zurück...

Hier noch ein Link zu diesem Thema:
http://www.laceys-lions.com/martin_lacey_deutsch/martintierschutz.html

@ Christine, zu Deiner Frage habe ich auch noch einen Link:
http://www.laceys-lions.com/martin_lacey_deutsch/martintierhaltung.html

Wünsche allen Lesern ein schönes Wochenende.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Andrea Mey

von:  Andrea Mey

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