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Stockhausen und Snétberger erschaffen Klanglandschaften

Trompeter Markus Stockhausen (hier mit Flügelhorn) und Gitarrist Ferenc Snétberger interpretieren, improvisieren und erschaffen Klangräume.
Trompeter Markus Stockhausen (hier mit Flügelhorn) und Gitarrist Ferenc Snétberger interpretieren, improvisieren und erschaffen Klangräume.
Lollar | Zwei musikalisch Weltreisende haben in der Kirche zu Kirchberg in Lollar-Ruttershausen ihre beiden Instrumente zusammengeführt, die sich eher selten im üblichen Konzertreigen in ein Zwiegespräch verstricken: Im Rahmen des Kultursommers Mittelhessen und der Reihe Kirchbergforum Sommer gastierten am Sonntag der Kölner Trompeter Markus Stockhausen und der Gitarrist Ferenc Snétberger. Seit gut elf Jahren spielen die beiden Ausnahme-Instrumentalisten bereits zusammen. Zeit, in der sie eine ganz eigene auf einander bezogene harmonische Musiksprache gefunden haben. Die andächtige Atmosphäre der Kirche war dem stets aus einer gewissen Ruhe entspringenden Weltenklang, der sich nicht selten auch zu temperamentvollen und heroischen Ausbrüchen aufschwang, mehr als angemessen. So erlebten die rund 70 Zuhörer, wie sich ein wohlklingender Teppich aufspannte, der sich aus den musikalischen Biografien der Musiker, aus Komposition, Improvisation und intuitiver Einfalt nährte. Als "Klangwanderungen" beschrieb Stockhausen zu Beginn dem Publikum, was ihnen in den folgenden zwei Stunden erwartet. Sphärisch, folkloristisch, aber auch
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leicht jazzig, swingend oder gar funkig erschallte der Raum. Dass das Duo Stockhausen/Snétberger gerne in der Schublade Weltmusik/Jazz seinen Platz findet, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch ist etwa Stockhausen keinesfalls der Jazzer, der sich mit einer Portion anrüchigem Dreck durch die Tonskalen windet. Klare, saubere Töne, technisch astreine Fertigkeiten zaubert er aus Trompete, Flügelhorn und Piccolo-Trompete. Glatt könnte man ihm eine zu klassische Bravheit unterstellen. Doch dafür ist er viel zu sehr ein Experimenteur der Klänge. Das fußt auf sein frühes In-Erscheinung-Treten als jugendlichen Trompeter bei Einspielungen und Aufführungen Neuer-Musik-Kompositionen seines berühmten Vaters Karlheinz Stockhausen (1928-2007). Doch seine klassische Instrumentalausbildung und sein Faible für sakral-esoterisch-weltmusikalische Ausflüge kann er nun einmal nicht leugnen, auch wenn er in der Jazzlandschaft eine feste Größe ist. Und Snétberger, der einer ungarischen Roma-Familie entstammt, kann sich ebenfalls nicht den musikalischen Einflüssen seiner Heimat und der eine große Stilvielfalt ansaugenden Kraft seiner Ethnie entziehen. Virtuos weiß er seine Gitarre zu beherrschen und gleichzeitig ein Leben einzuhauchen. Ob mit stoischer Gelassenheit repetitive Dreiklangsbrechungen als Begleitung (in "Alkony" (Abenddämmerung)) spielend, mit feinfühligen Akkordgesten sowie sich in lateinamerikanischem Schmiss oder fingerfertigen Solo-Eskapaden verlierend, wird Snétberger zum kongenialen Partner Stockhausens. Auch wenn beide in anderen Besetzungen zusammenspielen, für Stockhausen sei die Duoformation die liebste, gibt er zu. Natürlich agieren die zwei Musiker in noch ganz anderen Musikprojekten - doch das nur am Rande.
Chronologisch kam der Fluss im Programm daher. Denn zu Beginn gab es Sätze einer Gitarren-Trompeten-Komposition Snétbergers zu hören, die beide Musiker erstmals für das Album "For my people" zusammenbrachte. Bereits hierbei schöpfte Stockhausen aus dem klanglichen Spektrum seiner mitgebrachten Blechblasinstrumente. Aber auch konnte er begleiten - mit einer afrikanischen Kalimba (einem so genannten Daumenklavier), das er nicht an dessen Metallzungen zum Klingen brachte, sondern auch perkussiv beklopfte.
Auch die üblichen Spielweisen von Trompete und Gitarre erfuhren eine Erweiterung, als die Musiker mit absichtlichem Verstimmen sich ins Reich der Zwischentöne und der östlichen Tonskalen wagten. Letztendlich kam das Duo bei Stücken aus ihrem noch aktuellen Album "Streams" an. "Xenos" entpuppte sich als eine Art Klangstudie, "Változatok" begab sich in mysteriöse Gefilde, "Obsession" kam temperamentvoll daher. Nicht selten verlieh Stockhausen beim Einsatz der Piccolo-Trompete in extrem hohen Lagen dem engmensuriertem Instrument eine Extra-Portion an Strahlkraft und für dieses eine ungewohnt jazzmusikalisch improvisatorische Beweglichkeit. Lang anhaltender Applaus holte das Duo zurück auf ihre "Altar-Bühne". Passend zum sonntäglichen Abend setzte "Rose" auf einen sanften Abschied.

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