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Dynamisches Bewerben

Lollar | Bewerber kommen mit planvollen und umfassenden Schritten schneller ans Ziel und sind effizienter

von Gerhard P. Hoppe

Dynamisch - hier schwingen zwei Assoziationen mit, nämlich "Dynamik" -Kraft und "Dynamik"-Bewegung. Beides sollte in einem Positionswechsel enthalten sein. Bei welchem Bewerber flackern da nicht spontan Gedanken an Erfolg und Karriere auf? In der Tat ist im momentanen wirtschaftlichen Umfeld davon allerdings nicht viel zu spüren. Im Gegenteil - eher Ernüchterung und depressive Haltungen sind an der Tagesordnung. Wen wundert es. Konkurse und Personalabbau haben auch den Markt für Fach- und Führungskräfte nachhaltig beeinflußt, denn weder Führungsebenen noch Vertriebsbereiche wurden von rezessiven Maßnahmen in den letzten Jahren verschont. Sprunghaft hat sich das Verhalten von Geschäftsleitungen in der Auswahl von Bewerbern angepaßt, ausgedrückt z.B. in niedrigeren Gehaltsangeboten, in kleineren Firmen werden zum Teil schon wieder Arbeitszeiten von 40 und mehr Stunden als normal vereinbart. Um so wichtiger ist es, als Bewerber ein dynamisches Verhalten an den Tag zu legen. Das ist bei weitem
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nicht so selbstverständlich, wie es zunächst klingt. Die Situation vieler Bewerber, die mich über die Hotline um Rat fragen: sie warten auf die richtige Stellenausschreibung in der Zeitung und hätten eigentlich schon gerne vor einem halben Jahr das neue Angebot gehabt. Nur wenige Gesprächseinladungen -wenn überhaupt- sind bislang erfolgt, die Stimmungslage wird als negativ empfunden.

Manch eine Situation wird zusätzlich erschwert, wenn eine "Freistellung" erfolgt ist oder eine Arbeitslosigkeit eingesetzt hat. Hier wird eine nachhaltige psychische Belastung spürbar und das Selbstwertgefühl zum Teil stark angegriffen (übrigens auch bei gestandenen Top-Leuten). Auf der menschlichen Ebene ist das durchaus verständlich, unter objektiver Betrachtung allerdings zeigen sich unbegründete Ängste, die nur eine Funktion haben, nämlich Blockaden und Hemmungen aufzubauen. Da ergeben sich Argumentationsschwierigkeiten in der Frage, warum z.B. die Position unfreiwillig gewechselt wird, und die eigene wirtschaftliche Lage übt obendrein einen unangenehmen existentiellen Druck aus, die Familie reagiert (statt unterstützend und ermutigend) murrend und kritisierend, wenn nicht das erste beste Angebot sofort wieder angenommen wird. Dynamisches bewerben soll nicht bedeuten, daß man in der Haltung einer "Hoppla - jetzt komm‘ ich"-Mentalität den großen Sprung selbstbewußt und alles überragend aus dem Handgelenk schüttelt, kurz Ausschau nach dem geeigneten Unternehmen hält, um auf dessen Kosten die eigene Karriere zu machen. Die richtige Perspektive für den kommenden beruflichen Schritt zu entwickeln, bedeutet, sich auf die eigenen Kernfähigkeiten, -erfahrungen und -kenntnisse zu besinnen, die ein passender Arbeitgeber für seine Absichten einsetzen kann, muß und will. Also nicht die Sicht: was bringt mir selbst den Nutzen, sondern: womit kann ich dem anderen dienen, ist wie in jedem Verkaufsprozeß auch hier der Schlüssel zum Erfolg. Die richtige Motivation gehört natürlich in die entsprechende Methodik des Vorgehens hinein, damit die Zielerreichung nicht dem Zufall überlassen bleibt.

Zielfindung

Das Ziel sollte so konkret wie möglich beschreibbar sein. In vielen Fällen wird das erst nach einem intensiven Prozeß möglich, der Stärken und Risiken im Leistungsprofil aufdeckt, durch Impulse von außen die Perspektive erweitert und/oder Ideen vermittelt hat. Vorstellungen und Erwartungen, die mehr emotional im Nebel gelegen haben, gilt es bewußt zu machen. Als hilfreich hat es sich immer wieder erwiesen, Möglichkeiten zu Vorstellungsgesprächen unter diesem Aspekt wahrzunehmen: Impulse und Eindrücke sammeln und dabei heraushören, was gefordert und inhaltlich geboten wird. Der erste Schritt muß bedeuten, wo immer es geht, den Schreibtisch oder das Wohnzimmer zu verlassen und sich breit zu orientieren. Hat sich ein Ziel formulieren lassen (möglichst schriftlich), befindet man sich bereits wieder in einem Verdichtungsprozeß, der aus unterschiedlichen Aspekten heraus selektiert, konkretisiert und - hoffentlich dazu führt, daß alle nachfolgenden Maßnahmen eng daran ausgerichtet bleiben. Konsequenz ist dann gefragt. Wer nämlich für sich die Überzeugung gewinnt, daß er seine größten "Marktchancen" als Einkäufer hat, vergeudet Zeit und handelt sich vorprogrammiert Enttäuschungen ein, wenn er parallel sein Glück als Verkäufer im Anlagenbau versucht - Effekte, die häufig dann zu beobachten sind, wenn wirtschaftlicher oder familiärer Druck entstanden ist.

Von der Breite in die Tiefe

Während beim Start einer Bewerbungsphase zunächst ein höherer Aufwand zu leisten ist, sollte zu allen anderen Zeitpunkten ein ausgeglichenes, aber ständiges Maß an Aktivitäten gegeben sein. Mehrere Wege können gezielt genutzt werden. Der offene Arbeitsmarkt hat natürlich höchste Priorität, die wöchentlichen Stellenanzeigen müssen aber auch systematisch erfaßt werden. In die Standard-Ausstattung für einen arbeitsreichen Samstagnachmittag gehören die Lokalzeitung, die stärkste regionale und 1-2 überregionale Tageszeitung und zumindest eine Fachzeitschrift (etliche Zeitungsverlage ermöglichen ein zeitlich befristetes Abonnement der Samstagsausgaben).

Sogenannte Blindbewerbungen sind einerseits geeignet, kurzfristig "Dynamik", also Bewegung, in das Vorhaben zu bringen. Andererseits sind sie, wenn auch nicht immer bei Bewerbern beliebt, dennoch bewährte Instrumente, qualitativ sehr gute Kontakte zu erhalten (insbesondere in Zeiten, in denen viele Geschäftsleitungen die hohen Insertionskosten der überregionalen Zeitungen gerne einsparen). Es reicht ein knappes Anschreiben mit einer möglichst präzisen Zielbeschreibung und ein gut aufgebauter tabellarischer Lebenslauf, der vom langweilig-nüchternen "ich war als ... von ... bis ... bei ..."- Standard allerdings abweichen sollte. Das erforderliche Adreßmaterial muß nicht erst mühselig im Laufe der Monate gesammelt werden, sondern kann gezielt einbezogen werden. Ein Anruf z.B bei der regional zuständigen Handelskammer genügt in der Regel, und der Arbeitsplatzsuchende erhält gegen eine geringe Gebühr ein Firmenverzeichnis mit Branchen- und Größenschlüssel. Einen PC mit Textverarbeitung incl. Serienbrieffunktion sollte man dafür allerdings zumindest im Zugriff haben, denn Blindbewerbungen machen nur Sinn, wenn sie in großer Stückzahl verschickt werden. Schubweise sollten 50 - 100 Stück pro Woche Ihr Arbeitszimmer verlassen, damit die Rücklaufquote ausreichend interessant ist, und diese kann bei branchenbezogenen Aktionen schon einmal die 10 % erreichen, d.h. es kommt zumindest zu einer positiven Reaktion, indem vollständige Bewerbungsunterlagen nachgefordert werden.

Persönliche Kontakte aktivieren, suchen und knüpfen kann abhängig vom Grad der erforderlichen Diskretion in vielfältiger Weise geschehen. Hier gilt dasselbe wie bei Blindbewerbungen. Der einzelne Kontakt wiegt nicht viel, aber ein beharrliches Bemühen kann gute Qualität bringen.

Ein Stellengesuch in einer geeigneten Zeitung/Zeitschrift sollte zu Beginn zur Pflichtübung gehören. Wer Mut zur Konkretisierung (s.o.) zeigt und nicht der Verführung erliegt, im Inserat alles offenzulassen, wird kaum übersehen werden und neben etlichen "Billigangeboten" genauso qualitativ gute Kontakte erhalten.

Schrittfolgen entwickeln

Auch die einzelnen Kontakte, die sich aus der Nutzung dieser Wege ergeben, lassen sich in ein Schema überführen, das Effizienz und gleichermaßen Streßminderung verspricht.

Vier grobe Phasen lassen sich beschreiben.

Phase 1:
Informieren Sie sich vorab über die angebotene Aufgabe. Nehmen Sie persönlichen Kontakt auf und telefonieren Sie mit dem Verantwortlichen, der den engeren Bewerberkreis zusammenstellt. Versuchen Sie, die wirklich relevanten Erwartungen und Anforderungen herauszuhören, und die liegen oftmals nicht so sehr im sachlichen, sondern im persönlichen Bereich. Zwar gelingt es nur selten, aber es darf trotzdem versucht werden, einen Gesprächstermin spontan zu vereinbaren. Ihre schriftlichen Bewerbungsunterlagen müssen mit großer Sorgfalt aufbereitet und notfalls sofort zur Hand sein. Sie dürfen gerne 3-4 Anläufe nehmen bis nach (auch fremdem) Korrekturlesen und mehrmaligem Überprüfen aller Formulierungen der letzte Schliff getan ist.

Phase 2:
Erst jetzt werden die Bewerbungsunterlagen verschickt Nach 2-3 Tagen darf telefonisch nachgefaßt werden. Haken Sie sensibel noch einmal dort ein, wo Sie interessante Übereinstimmungen herausfiltern konnten. Zumindest ein Erinnerungseffekt baut sich auf.

Phase 3:
Die Einladung zum Interview ist erteilt. Bereiten Sie sich darauf vor - und zwar sorgfältigst. Ihre Selbstdarstellung muß mehrfach trainiert und ausgeschliffen sein, d.h. Ihre Erfolge und starken Seiten müssen in angemessener Form unkompliziert anklingen können, Ihre Begründungen für vorangegangene Positionswechsel müssen durchweg positiv wirken, Sie müssen Ihre Zielvorstellungen präzise beschreiben können. Ihre eigene Fragetechnik muß bereits entwickelt sein, d.h. Ihre Fragen zu Position, Aufgabe, Erwartungen müssen sorgfältig abgeleitet sein aus der Perspektive, die Sie erfüllt sehen wollen. Dazu reichen die üblichen Standardfragen nicht aus. Und Sie müssen gedanklich vorbereitet sein auf die Vertrags- und Gehaltsverhandlung. Setzen Sie sich ein klares Ziel und legen Sie sich ein Verhaltensmuster zurecht. Nach dem Interview ist die Gelegenheit, noch einmal telefonische Nacharbeit zu machen. Tun Sie alles, um in dieser Phase die persönliche Ebene zu Ihrem Gesprächspartner zu erreichen und Vertrauen aufzubauen.

Phase 4:
Ein Vertragsangebot ist erteilt. Jetzt gilt es, die Entscheidung systematisch abzusichern, damit keine emotional unkontrollierten Reaktionen zustande kommen. Der Kreis schließt sich, wenn gute Vorarbeit geleistet wurde. Ihre möglichst schriftlich ausgearbeiteten Zielvorstellungen mit allen inhaltlichen Erwartungen können in eine Entscheidungsmatrix eingebracht und gewichtet werden, das Inserat wird noch einmal verglichen mit den zwischenzeitlich gesammelten Eindrücken und Informationen, fach- und/oder branchenkundige Gesprächspartner werden noch einmal konsultiert, die Familie mit einbezogen und die Umzugs- oder Entfernungsfrage mit allen Konsequenzen vor Vertragsunterzeichnung geklärt. Und wenn positiv entschieden wird, dann mit festen Absichten, weil wirklich das angestrebte Ziel und nicht der faule Kompromiß erreicht ist.

Die innere Haltung

Die richtige Motivation und das oftmals erforderliche Durchhaltevermögen ergeben sich aus der inneren Haltung. Ein Positionswechsel wird nicht so häufig vorgenommen, daß man sich an alle Anforderungen schnell gewöhnt. Man muß einerseits darauf eingestellt sein, daß Enttäuschungen geradezu zwangsläufig kommen werden, andererseits hat man genügend Impulse und Anregungen vor sich, die den Horizont erweitern helfen - vorausgesetzt, man beißt sich nicht stur in einer einzigen Vorstellung fest, sondern geht mit einem gewissen Maß an Neugier an den Arbeitsmarkt. Entwickeln Sie zu Beginn die Bereitschaft, eine gute und ausgiebige Lernphase zu absolvieren. Trainieren Sie, gewinnen Sie Selbstsicherheit und Routine, nutzen Sie dazu jede Information und Gelegenheit und packen Sie zu, wenn durch ein Angebot 80 % Ihrer Erwartungen erfüllt werden können - und genießen Sie es, wenn Sie am Ziel sind und für die nächsten Jahre Ruhe haben.

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