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Schüler aus Lollar treffen Friedensnobelpreisträger Lech Walesa

Lollar | Gruppen aus Lollar und Danzig arbeiten gemeinsam an einem historischen Projekt

Zum mittlerweile dritten Mal brach eine Gruppe von Schülerinnen und Lehrern der Clemens-Brentano-Europaschule nach Danzig auf, um die im Sommer 2015 besiegelte Partnerschaft mit dem Lyzeum Nr.7 zu pflegen.
Vom 30. Mai bis zum 06. Juni 2016 reisten die Oberstufenschülerinnen aus Lollar in Begleitung der Geschichtslehrerinnen Maria Seiler und Ela Siemon sowie dem Gymnasialzweigleiter Andrej Keller als Vertreter der Schulleitung in die Ostseemetropole Danzig. Gemeinsam mit polnischen Schülern und Lehrern wurde intensiv an dem historischen Projekt „Solidarität in Polen und Deutschland – der gemeinsame Weg ins Europa“ weitergearbeitet.

Während Teile Deutschlands unter ständigem Gewitterregen und Überschwemmungen zu leiden hatten, wurden die Lollarer vom Wettergott mit konstant warmen und sonnigen Temperaturen verwöhnt. Wegen des von den Gastgebern zusammengestellten dichten Programms mit Führungen, Zeitzeugengesprächen, Museumsbesuchen und Erkundungen in Danzig und Umgebung konnte der sehr sehenswerte Ostseestrand Polens aber nur selten aufgesucht werden.
Tagsüber wurde gearbeitet und abends stand das gegenseitige Kennenlernen zwischen den Schülergruppen und den Kollegen im Vordergrund.

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Die Lollarer Schüler wohnten alle in Gastfamilien. So knüpften die Jugendlichen bei zahlreichen Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Schule schnell Kontakte zueinander. Verkehrssprache war in der Regel Englisch, worüber sich die Englischkollegen beider Schulen sicherlich freuen werden. Am Ende der Begegnungswoche flossen beim Abschiednehmen dann sogar Tränen.

Die Gastgeber verwöhnten die Lollarer Gruppe mit einem äußerst abwechslungsreichen und ambitionierten Programm. Von Dienstag bis Samstag stand täglich von 09.00 bis 17.00 Uhr eine andere historisch-politische Attraktion auf der Tagesordnung. Traditionell fand zu Beginn eine feierliche Begrüßung in der Aula des Danziger Lyzeums Nr.7 statt, bei dem die komplette Schulleitung als auch viele Schüler die deutschen Gäste in Empfang nahmen. Beide Seiten präsentierten sich und ihre Region. Sportlich abgerundet wurde der Begrüßungsauftakt durch den Auftritt der Danziger Cheerleader-Gruppe, die in dieser Disziplin bereits mehrere nationale Preise errungen hatte.
Überhaupt wurde das hohe Anspruchsniveau der polnischen Oberstufenschüler deutlich, die in der Vergangenheit bei verschiedenen künstlerischen, wissenschaftlichen und sportlichen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene immer wieder erste Plätze belegen konnten.

In ihren Begrüßungsreden betonten sowohl der polnische Schulleiter Marcin Hintz als auch der Lollarer Gymnasialzweigleiter Andrej Keller, Verständigung und Aussöhnung könne nach Jahrhunderten der wechselhaften deutsch-polnischen Geschichte nur durch die persönliche Begegnung gelingen.
Andrej Keller fasste seine Gedanken abschließend zusammen: „In diesen Zeiten, in denen oft und fast überall an den Werten der Europäischen Union gezweifelt wird und der Ruf nach Grenzbäumen wieder laut wird, müssen wir durch gemeinsame Treffen erst recht unsere Verbundenheit mit den europäischen Werten demonstrieren.“

Im Anschluss an diese kleine Feier stellten sich die Schüler in kleinen Workshops gegenseitig vor. Am Nachmittag des ersten Tages ging es auch schon gleich mit der historischen Arbeit los. Das Kriegsrecht im Polen der achtziger Jahre stand auf dem Programm. Dieser Aspekt wurde am Folgetag noch vertieft, als die Schüler eigenständig und beinahe konspirativ Flugblätter im Siebdruckverfahren herstellten. Dies geschah genauso, wie es die Aktivisten der Solidarnosc-Bewegung von 1981 bis 1983 unter den Bedingungen des Ausnahmezustands auch im Untergrund machen mussten.
Einen besonderen Höhepunkt stellte der Vormittag im neu eingeweihten und museumsdidaktisch besonders wertvollen Europäischen Solidaritätszentrum dar. Hier beschäftigten sich die Schüler in gemischten Arbeitsgruppen mit der Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ und deren Kampf gegen die sozialistische Einparteienherrschaft im Polen der 1980er Jahre. Die Museumsausstellung demonstrierte an vielen Exponaten das scheinbar aussichtslose, am Ende aber doch erfolgreiche Aufbegehren der Danziger Werftarbeiter gegen die staatliche Unterdrückung.

Nachdem der damalige Kopf der Solidarnosc-Bewegung, der Friedensnobelpreisträger von 1983 und spätere polnische Staatspräsident Lech Walesa, im letzten Jahr nur durch Zufall für einen kurzen Fototermin zur Verfügung gestanden hatte, nahm er sich diesmal mehr Zeit. Eine Stunde lang stellte sich Lech Walesa den auch durchaus kritischen Fragestellungen und diskutierte historische aber auch aktuelle politische Themen mit der deutsch-polnischen Schülergruppe. Mit dem Blick auf die Gegenwart betonte der Friedensnobelpreisträger, dass er große Hoffnungen auf die zukünftige Generation lege. Er habe mit seinen Mitstreitern für eine frei Welt gekämpft, diese freie Welt müsse die Jugend mit neuem Leben füllen.

Auch die weiteren Programmpunkte weckten das Interesse der Schüler und Lehrer aus Lollar. So wurde die wunderschöne und altehrwürdige Hansestadt Danzig durch eine zweistündige Fahrt mit Drachenbooten von allen Seiten her erkundet. An anderen Tagen ging es in die Industrie- und Hafenstadt Gdingen, in der beim Aufstand gegen die sozialistische Diktatur im Dezember 1970 mindestens 13 Werftarbeiter erschossen wurden. In Gdingen wurde im Museum für Migration an einem Workshop über Flucht und Vertreibung in der Ära des Kommunismus gearbeitet.
Der letzte gemeinsame Programmtag führte schließlich ins mondäne Seebad Soppot, in dem Villen der sozialistischen Nomenklatura besucht wurden. Nachmittags konnten die Schüler dann endlich an den Strand und ihre Freizeit genießen.

Diese ereignisreiche aber auch anstrengende Woche empfanden die Schülerinnen und Schüler als eine große Bereicherung. Immer wieder betonten sie die herzliche und stets präsente Gastfreundschaft der Gastfamilien. Mögliche Vorurteile zwischen Polen und Deutschen wurden in einem rasanten Tempo abgebaut.
Dabei wurden die Gruppen sogar von einem professionellen Filmteam aus Danzig eine Woche lang begleitet. Der Film wurde vom Fremdenverkehrsamt der Stadt Danzig gesponsert und wird bald auch auf der Homepage der Clemens-Brentano- Europaschule zu sehen sein.

Nach diesem vierten Treffen folgt nun noch eine Zusammenkunft der beiden Gruppen im Oktober in Lollar, um das historische Projekt zum Abschluss zu bringen. Dazu werden zwei bekannte polnische Illustratoren in der Mediathek Lollars erwartet, die in mehreren, teilweise auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Workshops mit ihren Gästen gemeinsam politische, aber nicht nur politische Kunst demonstrieren und entwerfen wollen. Dieses wirklich außerordentliche Highlight konnte nur durch die großzügige Finanzierung der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Literaturprogramms „VivaWostok“ realisiert werden.
Weiterhin werden die beiden Gruppen noch ein Wochenende in Leipzig, der Stadt der friedlichen Revolution verbingen, um auf den Spuren der Ereignisse von 1989 zu wandeln.

Die Ergebnisse der spannenden anderthalb Jahre gemeinsamen Arbeitens sollen abschließend in einer Ausstellung zusammengefasst und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden.
Danach werden sich die beiden Schulen anderen Projekten zuwenden. Gemeinsame Ideen wurden in Danzig schon intensiv diskutiert.

Die Clemens-Brentano-Europaschule Lollar steht nun vor der großen Aufgabe, im Oktober 2016 den Freunden aus Danzig einen ebenbürtigen Empfang zu bereiten. Dieser großen Herausforderung stellt sich die Schulgemeinde der CBES mit großer Freude und Engagement, wobei jedoch klar ist, dass dies ohne Hilfe von städtischer und privater Seite in Lollar und Umgebung nur schwerlich gelingen kann.

Die CBES Lollar freut sich daher über jegliche Art von Unterstützung – auch finanzieller Hilfe. Wer Interesse daran hat, die deutsch-polnische Freundschaft in diesen turbulenten Zeiten zu unterstützen, kann Andrej Keller unter keller.andrej@cbes-lollar.de jederzeit kontaktieren.

 
 

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