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Neuling Nilgans

von Alex Knaackam 07.07.20131433 mal gelesen10 Kommentare
Linden | Die Nilgans ist gekommen, um zu bleiben. Besser gesagt, gekommen worden, da sie schließlich seit dem 18. Jahrhundert aus Afrika in europäische Parks gebracht wurde, um durch ihr einzigartiges Aussehen zu entzücken. Nun entzückt sie uns alle in Hessen. Schließlich ist dieser elegante Vogel nicht mehr nur in exklusiven Parks, sondern am Teich um die Ecke anzutreffen, dank einiger Vögel, die es geschafft haben aus den Parkanlagen auszubrechen und trotz der frischen Winter zu überleben und dabei noch erfolgreich Küken groß zu ziehen! Diesen resistenten Pionieren haben wir es also zu verdanken, dass wir sie jetzt am Dutenhofener See, am Gießener Schwanenteich, am Lückenbach in Linden usw. antreffen, eigentlich überall.
Wenn man bedenkt wie schön sie sind, ist das erst mal eine gute Nachricht.
Doch schon heißt es, dass wir es mit einem aggressiven Neuling zu tun haben, der andere nicht bei seinen Nestern duldet und mit anderen sind vor allem schwächere Wasservögel, allen voran die Stockente gemeint. Bis jetzt sind allerdings keine nennenswerte Einbrüche in der Population anderer Wasservögel zu vermerken.
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werden meist neue Arten, wenn sie genau die gleiche Nische wie einheimische Arten einnehmen, wie es beim Einmarsch des Dingos und dem damit zusammenhängenden Aussterben des australischen Beutelwolfs der Fall war, oder wenn sie Beutegreifer sind, die ihren neuen Beutetiere gegenüber äußerst überlegen sind, am Beispiel von Katzen gut zu beobachten, die in Neuseeland flugunfähige Vögel ausgerottet haben, oder wenn sie Krankheiten mitbringen, gegen welche sie selbst relativ resistent sind, wie am Beispiel des Parapoxvirus der eingeschleppten Grauhörnchen in Großbritannien, welcher für den Zusammenbruch der einheimischen Eichhörnchenpopulation verantwortlich war, zu sehen.
Bis jetzt ist jedenfalls nichts von einem Nilgansvirus bekannt, noch fressen Nilgänse Stockenten und die hiesigen Teichanlagen scheinen mit ihren Schwänen, Stockenten, Blässhühnern, Kolbenenten usw. an Vielfältigkeit einer kleiner aquatischen Serengeti gleichzukommen. So kann man hoffen, dass auch noch die Nilgans hineinpasst und dass sich Stockenten daran gewöhnen werden, dass sie einen neuen Mitbewohner haben.

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Kommentare zum Beitrag

Christiane Pausch
5.636
Christiane Pausch aus Gießen schrieb am 07.07.2013 um 21:38 Uhr
Ich habe mich immer gefragt wie die schönen Nilgänse hier her gekommen sind , danke für die witzige Aufklärung!
Ich finde sie auch schön und habe vor 2 Jahren einige mit Kücken geknipst.
Dietmar Jürgens
1.224
Dietmar Jürgens aus Gießen schrieb am 07.07.2013 um 22:28 Uhr
Der Siegeszug der Nilgans dauert in Hessen nun seit ca. 50 Jahren an. Als Nahrungskonkurrent der Stockente taugt sie nicht, wohl aber als Brutplatzkonkurrent. Doch toleriert die Nilgans sowohl Teichhuhn als auch Stockente in Brutplatznähe. Aggressiv ist sie vor allem gegenüber Artgenossen, mitunter mit tödlichem Ausgang. Solche innerartliche Konkurrenz kommt häufiger vor, wenn die Resourcen knapp sind. So werden auch Bläß- und Teichhühner ihren Artengenossen gefährlich, tauchen diese bei Revierkämpfen unter Wasser, unter Umständen bis zum bitteren Ende, wenn diese nicht weichen wollen. Wer das Spektakel mal live erlebt hat, erahnt, dass die Menschen sich die Gladiatorenkämpfe in der Natur abgeschaut haben müssen.

Die Nilgans ist auch 'Opfer': so wurde sie von den Brutplätzen in der Lahnaue bei Dutenhofen von der Graugans verdrängt, zumindest temporär. Allerdings nicht zwingend zu ihrem Nachteil. Haben die Graugänse den Brutplatz verlassen, steht er den Nilgänsen wieder zur Verfügung. So kommt es zu einer zeitlichen Verschiebung der Bruten, mit zum Teil besserem Bruterfolg. So wurden dort vor einigen Jahren Nilgansbruten mit 16,12, und 10 Küken festgestellt. In der Regel sind es 4-9 Küken pro Brut.
Alex Knaack
589
Alex Knaack aus Linden schrieb am 08.07.2013 um 10:19 Uhr
Es freut mich, wenn andere die Schönheit dieses Vogels zu schätzen wissen und ihn auch mal knipsen. Auf jeden Fall ein gutes Motiv!
Gut zu hören, dass die Nilgans andere Wasservögel in Brutnähe toleriert, dh einige Sorgen sind ein wenig hysterisch, schließlich scheint auch die Nilgans ab und an Opfer zu sein. Klingt danach, dass das Zusammenleben zu laufen scheint. Es ist halt nun mal so, dass bei jeder Art die neue Gebiete erobert erst einmal die Alarmglocken geläutet werden, doch wie beim Waschbär scheint die Nilgans ihren Platz gefunden zu haben.
Übrigens habe ich auch schon so ein Gladiatorenkampf zwischen Höckerschwänen am Schwanenteich beobachten können. Ganz schön dramatisch!
Jutta Skroch
11.632
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 08.07.2013 um 15:48 Uhr
Weil die Tiere ihr Revier verteidigen, das ist ein ganz normaler Vorgang, den wir manchmal hautnah mit erleben, oft genug aber auch nicht. Viele bekämpfen sich dabei bis zum Äußersten.
Alex Knaack
589
Alex Knaack aus Linden schrieb am 09.07.2013 um 14:13 Uhr
Ja, das ist wahr, es ist ein ganz normaler Vorgang. Doch aus Sicht des einzelnen Tieres ist es wahrscheinlich ein dramatischer Vorgang bei dem es um alles geht. Ich fand es jedenfalls beeindruckend zu beobachten.
Iris Kumpf
433
Iris Kumpf aus Linden schrieb am 21.12.2013 um 23:57 Uhr
Leider ist der Mensch sehr viel gefährlicher, als es die Nilgans sein könnte! Heute Nachmittag mussten 2 dieser hübschen Exemplare im Feld, in der Nähe der Grube Fernie, leider durch einen "übereifrigen Jägersmann" mittels Fangschuss ihr Leben lassen. Haben die Beiden es doch gewagt, auf Landwirts Ackerfläche nach Grünem zu suchen!!!
Auf Anfrage, warum er diese Tiere erschießen musste, wurde mir grinsend versichert, dass sie ja ach so großen Schaden anrichten würden!
Mir kam da eher der Gedanke, dass die armen Vögel für das Weihnachtsessen "eingeladen" wurden.
Alex Knaack
589
Alex Knaack aus Linden schrieb am 22.12.2013 um 13:44 Uhr
Die Geschichte mit den Nilgänsen ist traurig. Ich spatziere des öfteren umher, doch live habe ich noch nie eine Jagd miterlebt.
Der Mensch sitzt ganz oben an der Nahrungskette und macht anderen Tieren zu schaffen, allerdings nicht nur durch Jagd, sondern vor allem durch das Ummodeln des Lebensraums für viele Tiere.
Aber bezüglich der Nilgans bin ich schon froh, dass nicht zu deren Ausrottung aufgerufen wurde, da sie keine einheimische Art ist.
Bezüglich Weihnachtsschmaus muss ich aber sagen, dass solange nur vereinzelt geschossen wird und somit die Art nicht dezimiert wird, mir das lieber ist als qualvoll hochgemästete Stopfgänse aus extensiver Haltung.
Nicole Freeman
7.227
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 23.12.2013 um 06:54 Uhr
aus dem grund gibts dieses jahr bei uns keine gans. im kuehlregal nur polnische hafermastgas oder junggans aus frankreich. es scheint als ob es in deutschland nur bei familie fuchs gans aus der region gibt.
Alex Knaack
589
Alex Knaack aus Linden schrieb am 23.12.2013 um 15:34 Uhr
Frau Freeman, sie scheinen sich ganz gut mit Gänsen auszukennen.
Hafermastgänse sind Gänse, die auf Feldern mit Hafer gefüttert wurden?
Woran es wohl leigt, dass es keine Gans aus der Region gibt?
Nicole Freeman
7.227
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 24.12.2013 um 08:06 Uhr
ob die wirklich auf feldern laufen duerfen ???? bei meinem regionalen bauern bei dem ich gans bekomme hat dieses jahr familie fuchs das jagen gelernt. waldrandlage ist fuer gaensehaltung wohl nicht so toll.
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Alex Knaack
589
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