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Gewerkschafter gründen Solidaritäts-Komitee

Linden | Griechische Kollegen brauchen Unterstützung

Aus Sorge um die Situation in Griechenland und die Auswirkungen der Kürzungspolitik in Europa haben sich in Gießen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zu einem Griechenland-Solidaritätskomitee zusammengefunden. Dabei soll es darum gehen, konkrete Unterstützung für die griechischen Kollegen zu organisieren.

„Seit drei Jahren wird Griechenland zu den schärfsten Kürzungen gezwungen, die es jemals für ein Land in Europa gab. Wir sehen darin die Blaupause für die Politik der Krisenlösung in ganz Europa“, begründet Susanne Pitzer-Schild die Notwendigkeit eines Solidaritätskomitees. Die Geschäftsführerin des ver.di-Bezirks in Mittelhessen kritisiert vor allem den Abbau von Arbeitnehmerrechten im Öffentlichen Dienst. „Die Löhne wurden um bis zu 40 Prozent gekürzt. 150.000 Beschäftigte sollen bis 2015 entlassen werden. Für den griechischen Staat ist es unmöglich, sich aus der Krise herauszusparen.“ Für Pitzer-Schild muss es vor allem darum gehen, die Einnahmeseite zu verbessern, das heißt, endlich diejenigen zu besteuern, die über Reichtum verfügen. Zudem brauche Griechenland einen weiteren Schuldenschnitt
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Doch die Kürzungen treffen nicht nur die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, sondern reichen weit in die Privatindustrie hinein. Henning Mächerle, Betriebsrat am Giessener Institut für Berufs- und Sozialpädagogik (IBS e.V.) zeigt sich besorgt über den Abbau von Arbeitnehmerrechten. „Tarifverträge wurden außer Kraft gesetzt, die Löhne gekürzt und der Mindestlohn abgesenkt. Neue Arbeitsverträge gibt es nur noch mit Befristungen. Mit einem Federstrich wird hier abgeschafft, was die Gewerkschaftsbewegung über Jahrzehnte erkämpft hat“. Für Mächerle ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Politik derart drastisch auch in Deutschland zur Anwendung kommt. „In Spanien, Italien und Portugal finden ähnliche Kürzungen statt. Es wäre naiv zu glauben, dass man den Arbeitnehmern in Deutschland die Rechnung für die Finanzkrise nicht auch präsentieren würde“.

Aris Christidis ist gebürtiger Grieche und Professor für Informatik an der THM. Freunde und Verwandte berichten ihm regelmäßig von ihren Nöten: „Den Schulen fehlt es an Heizöl und Krankenhäusern an grundlegender medizinischer Versorgung. Kinder hungern und Familien verlieren ihre Wohnung, wenn sie die Miete nicht mehr zahlen können.“ In Griechenland spielten sich derzeit Tragödien ab. Da wolle und könne man nicht einfach die Augen vor den Problemen der Kollegen verschließen. Christidis: „Griechenland hat hervorragende Universitäten und Fachhochschulen. Junge Menschen absolvieren zur Zeit ihr Studium, um sich auf Stellen in Deutschland zu bewerben. Währenddessen fallen ganze Fachbereiche einem Spardiktat zum Opfer, dessen Ursprung die Menschen dort ganz klar in Deutschland sehen. Jugend-Export mag man mit ausuferndem Kapitalismus in Verbindung bringen – nicht aber mit der Begleichung von Schulden.“

Das Solidaritätskomitee will mit Veranstaltungen und Kulturabenden über die Auswirkungen der Krisenpolitik berichten. „Ende April soll es eine Lesung mit dem Schauspieler Rolf Becker geben. Kollege Becker ist seit vielen Jahren ver.di-Mitglied und hat im Herbst letzten Jahres an einer Delegationsreise nach Athen teilgenommen. Dabei ist sein neues Griechenland-Programm entstanden, das er uns vorstellen wird. Außerdem ist eine Veranstaltung mit dem ehemaligen Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik beim ver.di-Bundesvorstand, Michael Schlecht, geplant“, erklärt Ulf Immelt vom DGB. Ein besonderes Ereignis wird allerdings eine Fahrt der DGB-Jugend nach Athen sein. „Die Fahrt wird Mitte April stattfinden und richtet sich an junge Gewerkschafter. Wir werden Schulen, Betriebe und soziale Projekte besuchen und mit den Kollegen ins Gespräch kommen“, sagt Ulrike Eifler, die die Reise organisiert und begleitet. Im Anschluss sei eine Ausstellung geplant, die an den mittelhessischen Schulen gezeigt werden könnte. Bei der Bildungsreise nach Athen sollen zudem Kontakte geknüpft werden, mit dem Ziel, konkrete Solidaritätsprojekte auf die Beine zu stellen.

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.621
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 21.02.2013 um 20:08 Uhr
... leider gibt es unter uns immer noch zahlreiche Menschen, die dazu ganz lapidar ( sicher Unwissenheit ) die Worte von sich geben: "die bekommen doch genug Geld von uns, sollen sie doch den Umgang damit lernen".
Dass in Griechenland Menschen aus Geldnot und Verelendung immer häufiger sogar den Freitod wählen (!), ist sicher keine Fiktion und grausam genug.
Kompliment an die DGB-Jugend!

Sorry Stefan, aber einen Satz verstehe ich aus Deinem Beitrag nicht so recht:
"Währenddessen fallen ganze Fachbereiche einem Spardiktat zum Opfer, dessen Ursprung die Menschen dort ganz klar in Deutschland sehen. "

Kannst Du den bitte etwas veranschaulichen.

Gruß und viel Erfolg !!!
Ich halte Augen und Ohren offen .
Stefan Walther
3.930
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.02.2013 um 23:17 Uhr
Danke für die Erfolgswünsche Birgit, und das Kompliment an die DGB-Jugend - vor allem hier Ulrike Eifler, die vieles organisiert hat - gebe ich gerne weiter !
Wir versuchen durch diese gelebte internationale Solidarität einen kleinen Beitrag zu leisten um gerade solchen Vorurteilen und Sprüchen etwas entgegen zu setzen.
Die Verständnisfrage ist berechtigt Birgit, hätte man ( hätte Aris ) auch weniger kompliziert formulieren können, so sind sie manchmal die Profs :-)
= ich denke damit sollte ausgedrückt werden, dass der Wegfall verschiedener Fachbereiche Folge des Sparzwangs ist. Und dieses Griechenland aufgezwungene Spardiktat verbinden viele vor allem mit der Politik der derzeitigen deutschen Regierung.
viele Grüße, Stefan
Martin Wagner
2.106
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 22.02.2013 um 08:31 Uhr
Manche Sachen brauchen in dem in manchen Dingen doch etwas "langsamen Giessen" etwas länger. Ist so lange her, dass ich gerade die betreffende Stelle nicht mehr gefunden habe.

Ein Kommentator machte sich vor etwa einem halben Jahr etwas lustig, dass ein bundesweite Soildaritätsbekundung der Gewerkschaften für die bedrängten südeuropäischen Länder in Giessen nicht einmal ein Dutzend Interessierte gefunden hat.

Meine Reaktion war ein lapidares: Gutes Ding will Weile haben .....!

Ich denke das sich jetzt in der Öffentlichkeit zeigende Solidaritätskomitee ist ein guter Weg. Ich hoffe wir werden schnell viel, viel mehr ....!
Michael Beltz
6.487
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 22.02.2013 um 12:05 Uhr
Gelebte Solidarität ist wohl wertvoller als DSDS-"Stars" zu "voten".
Viel Erfolg, wir werden uns ebenfalls weiterhin einbringen.
Christian Momberger
10.829
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 30.05.2013 um 17:58 Uhr
Im Frühjahr 2013 unternahm eine Mittelhessische DGB-Jugendgruppe eine Bildungsreise nach Griechenland. Am 20.06.2013 gibt es den Reisebericht dazu. Hier der Link zu entsprechenden Veranstaltung im Versailles-Zimmer: http://www.giessener-zeitung.de/linden/beitrag/80535/griechenland-vor-dem-kollaps-was-tun/

Fände es gut, wenn viele Kommen, um einmal zu erfahren, wie es wirklich in diesem Land ist.
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