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Blöde Hausaufgaben!, eine Kurzgeschichte von Sarah, 11 Jahre alt

Linden | Blöde Hausaufgaben!

„Nein,nein,nein!“,hörte man aus der Küche schreien,„nein,nein,nein!“. Das war Luis, der wieder einmal wegen den Hausaufgaben trotzte.
Sein Vater wollte ihn beruhigen und sprach sanft zu ihm:
„Nun sei doch vernünftig! Du willst doch später auch einen Beruf haben, oder nicht?“
„Nein, nein, nein!“ Das hörte sich Vater schon zum hundertsten Mal an. „Ich will lieber mit meinen Freunden im Park spielen und nicht solche langweiligen Hausaufgaben machen!“
„Das kannst du ja auch, wenn du alles gemacht hast,“ erwiderte der Vater.
Stampfend ging Luis die Treppe hoch und setzte sich an den Schreibtisch. Es hatte keinen Sinn mehr. Er musste die Hausaufgaben machen. Tausende Zahlen standen da, kreuz und quer durcheinander. Wie sollte er das nur so schnell hinbekommen? Da hatte er eine Idee. Er ergriff kurzerhand das Telefon und wählte die Nummer von seinem besten Freund. Als sein Freund dranging, flüsterte er: „Hör zu, wir können uns erst dann treffen, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Wie Du weißt, dauert es bei mir so seine Zeit. Darum wollte ich dich fragen, ob du mit die Lösungen diktieren könntest...“ Beide schwiegen. Schließlich räusperte sich Niklas und sagte: „So ganz einverstanden bin ich nicht, aber wenn du meinst...“
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„Supi! Ich wusste, du würdest irgendwann zustimmen! Also los, diktiere sie mir“, rief Luis und sprang vor Freude in die Luft. Nach einer Weile, als alles diktiert war, ging Luis zu seinem Vater und zeigte es ihm. Sein Vater war sehr erstaunt, aber zum Glück merkte er nichts. Luis verabschiedete sich von ihm und rannte - wie vereinbart - zum Park. Dort erzählte er allen anderen, die auch in den Park gekommen waren, was geschehen war.
„So geht das nicht weiter!“ beschlossen sie.
„Immer diese Hausaufgaben! Zum Weglaufen“, rief einer von ihnen, der Finn hieß.
„Gute Idee, wir laufen einfach davon!“, rief Luis und klatschte in die Hände. Auch die Anderen stimmten zu.
Einer rief sogar: „Ich kenne eine unbewohnte Hütte im Wald, in der wir uns verstecken könnten.“
Nun machten sie nur noch aus, was sie alles mitnehmen wollten. Die Liste wurde immer länger. Darauf stand zum Beispiel:
Rucksack =alle
Brötchen=Tim
Wurst+Käse=Finn
Matratzen=alle
Decken=alle
Trinkflaschen=alle usw.
Sie verabredeten sich am nächsten Morgen nach der Schule im Park. Alle liefen nach Hause, um die Sachen zu packen. Als sie sich am nächsten Mittag im Park trafen, freuten sich alle schon auf die Reise. Zuerst versteckten sie ihre Ranzen im Gebüsch, dann endlich ging es los. Die Abenteuerlust packte sie und sie liefen eine Stunde lang, bis sie erschöpft an der Hütte ankamen.
„Jetzt müssen wir ein Feuer machen, wie echte Pfadfinder!“, meinte Luis, der ein Feuerzeug mitgebracht hatte. Nun suchten alle nach trockenen Ästen und einer guten Feuerstelle. Danach versuchten sie das Feuer anzuzünden. Nach ein paar versuchen klappte es schließlich. Sie versammelten sich darum, jeder mit einem Stock in der Hand, an dem ein Brötchen steckte, und brieten es. Nach der köstlichen Mahlzeit erzählten sie sich Gruselgeschichten und als es dämmerte, gingen sie in die Hütte und schliefen.
Mitten in der Nacht hörten sie ein komisches Geräusch. Was konnte es sein? Ein wildes Tier? Warum hatten sie nicht an die Taschenlampen gedacht? Vorsichtig tapsten sie im Dunkeln herum. Sie fragten nach, ob einer fehlte. Tatsächlich! Max war nicht mehr da. Wurde er von einem wilden Tier entführt?
Plötzlich hörten sie es knacken. Alle hielten den Atem an denn sie konnten sehen, dass diese Gestalt ein Mensch war. War es ein Räuber? Nein, es war Max! Alle freuten sich, dass es Max war und nicht irgendetwas Anderes und gingen wieder schlafen.

Zuhause gab es große Aufregung. Jeder rief die Klassenkameraden von seinem Kind an, doch niemand wusste, wo sie waren. Am Ende wurde sogar die Polizei gerufen, doch auch sie konnte sie nicht finden.

Da fing es an zu regnen. Erst leicht, dann immer stärker. Schließlich fing es an zu blitzen und zu donnern. Ein Gewitter brach los. Die Kinder schliefen schon längst nicht mehr, sondern saßen aufrecht in ihren Schlafsäcken. Voller Angst zuckten sie bei jedem Blitz und Donner zusammen. Schließlich flüsterte jemand kaum hörbar: „Man sollte bei einem Gewitter nicht in einer Hütte aus Holz sitzen, sonst könnte daran ein Blitz einschlagen, es sei denn, sie hat einen Blitzableiter“. Alle wussten, dass es Wahr war, und so entschlossen sie sich, das nächstgelegene Dorf aufzusuchen, doch keiner kannte die Gegend. Zwei Stunden lang irrten sie umher, bis sie ein kleines, altes Haus sahen. Das Gewitter hat noch nicht aufgehört und ihre Kleidung war durchnässt.
Dort in dem Haus, wo man meinen konnte, dass es seit hundert Jahren nicht mehr bewohnt war, brannte in der Dunkelheit ein schimmerndes Licht. Unheimlich, wirklich unheimlich. Doch was blieb ihnen Anderes übrig als zu klingeln? Niemand traute sich, es war wie in einem Gruselfilm. Man geht auf eine verlassene Villa zu und plötzlich kommen einem Geister entgegen. Brrrrrrr...
Als ihnen nichts Besseres einfiel, fingen sie an zu losen. Max zog das erste Streichholz: lang. Finn das Zweite: lang. Philipp das Dritte: lang. Jetzt war Luis an der Reihe: er zog das Kurze.
Alle versteckten sich hinter dem Haus und warteten gespannt. Luis ging mit zittrigen Schritten auf die Tür zu. Würde er es tun? Oder würde er ein Feigling sein?
Langsam erhob er den Zeigefinger zur Türklingel. Er drückte ein Mal. Er drückte zwei Mal. Nichts. Oder doch? Knarrte da nicht eine Treppe oder hat er sich das eingebildet? Nein, denn kurz darauf ging die Tür auf und eine alte Dame schaute Luis an. Sie fragte ihn behutsam:
„Hallo, wer bist du?“ und gleich darauf: „Wie siehst du denn aus, komm rein und ruh dich ein Bisschen aus. Ich werde die Polizei rufen und du wirst mir erzählen, was los war. O.K.?“ und damit nahm sie den verdutzten Luis an der Hand und führte ihn ins Haus. Nach und nach kamen auch die anderen Jungen herein und erzählten die Geschichte bei einer Tasse heißen Kakao in warme Decken eingewickelt zu Ende. Dann schwiegen sie eine Weile. Alle dachten darüber nach, was sie alles an diesem Tag erlebt hatten.
Doch die Alte brach die Stille und sprach: „So ist es also gewesen. Ich rufe jetzt die Polizei an und sie wird euch abholen. Danach werde ich bei euren Eltern anrufen und ihnen sagen, dass es euch gut geht. Oder wollt ihr vielleicht mit euren Eltern sprechen?“ Aber das lehnten alle freundlich ab.
„Gut, dann mach ich es eben“. Kopfschüttelnd nahm sie den Hörer ab und drehte an so einem komischen Rädchen, das genauso altmodisch war wie der ganze andere Kram.
Alle warteten gespannt auf das Ergebnis. Endlich legte sie den Hörer auf, dann rief sie: „Ich wusste schon, dass ihr schon gesucht werdet. Die Polizei wird in ein paar Minuten hier sein. Sie sagte, ich müsse eure Eltern nicht anrufen, sie würde das schon machen.“ Alle packten ihre Rucksäcke und wie gesagt, fünf Minuten später standen schon zwei Polizeiwagen vor der Tür. Sie bedankten sich noch ein Mal, bevor sie in den Polizeiwagen verschwanden. Die alte Frau winkte ihnen noch lange nach, und als sie fort waren, dachte sie: „Ja ja, die Jungs waren recht freundlich, was man heutzutage nicht von jedem erwarten kann. Ehrlich gesagt, habe ich mich in dieser Zeit wie ein Kind gefühlt. Wie in alten Zeiten.“ Damit drehte sie sich gedankenversunken um und marschierte durch die Tür.

„Was ist euch bloß eingefallen!“, rief seine Mutter mindestens schon zum hundertsten Mal und lief nervös im Kreis herum. Luis starrte auf seine Füße. Sein Vater musste andauernd seine Mutter beruhigen. „Beruhige dich doch mein Herzchen, es ist doch alles wieder gut!“ Luis wäre am liebsten im Boden versunken. Er hatte nicht erwartet, dass seine Eltern sämtliche Leute und die Polizei anrufen würden. Bei der Polizei! Sie waren doch keine Verbrecher! Außerdem hatte sie einen solchen Aufstand gemacht, als hätte jemand das Haus in Brand gesteckt. Doch er hatte noch einen Gedanken: Wie sollten sie die Sache mit den Hausaufgaben klären? Man konnte doch nicht ewig auf ihn und die anderen warten und abschreiben war irgendwie auch doof. Vielleicht sollte er mal seine Mutter fragen? Vielleicht hatte sie eine Idee. „Mama, wir hatten da so ein Problem.“, setzte er an, wusste aber nicht, ob sie ihm Aufmerksamkeit schenken würde, doch sie fragte ihn: „Ach ja, was denn für eins?“ „Wir Jungs wollen uns öfter treffen, aber das klappt nie so richtig, weil manche von uns so lange mit den Hausaufgaben brauchen“. Plötzlich drehte sie sich um, schaute ihm in die Augen und fragte leise: „Aber warum hast du es mir denn nicht erzählt?“ „Ich wusste nicht... naja... ich dachte...“ „Dass ich dir nicht helfen würde? Aber im Gegenteil, ich habe eine gute Idee! Wieso macht ihr die Hausaufgaben nicht zusammen?“
Er starrte sie an. Dann fragte er zaghaft: „Darf ich denn?“ „Natürlich, sonst hätte ich es dir ja nicht vorgeschlagen.“

Am nächsten Tag trafen sich alle im Park mit ihren Schulranzen. Gemeinsam machten sie Hausaufgaben und hatten noch genug Zeit um zusammen zu spielen.

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.640
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 24.01.2012 um 21:43 Uhr
was für eine nette "Gute-Nacht-Geschichte" ( trotz pädagogischem Hintergrund ).
Ist die aus Ihrer Feder ? Dann kann ich nur raten, Zeit nehmen zum Schreiben und einen Verlag suchen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Barbara Westermann

von:  Barbara Westermann

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Interessensgebiet: Linden
Barbara Westermann
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