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Lokführestreik - Worum geht es da eigentlich?

Linden | „Die Lokführer wollen wieder mehr Geld!“ So etwas ließt man zur Zeit täglich in sämtlichen Zeitungen. Natürlich. Jeder würde gern mehr Geld verdienen, auch die Lokführer. Aber machen es sich die Zeitungen und Radiosender da nicht ein bisschen zu einfach? Was wollen die Lokführer eigentlich genau? Von einem Flächentarifvertrag ist die Rede, aber was ist das?
Seit ca. 10 Jahren muss in Europa der Regionalverkehr auf der Schiene in regelmäßigen Abständen, meist alle 10 bis 15 Jahre, neu ausgeschrieben werden. Das soll den Wettbewerb fördern, die Qualität der Leistungen verbessern und gleichzeitig die Kosten für die Besteller senken. Leider wird diese Kostensenkung auf dem Rücken der Lokführer ausgetragen, denn seit Beginn der Ausschreibungen ist das Lohnniveau in eine Abwärtsspirale gerutscht. Immer neue Tochterunternehmen werden gegründet, allein aus dem Grund, das Fahrpersonal zu billigeren Löhnen ohne Tarifbindung einstellen zu können und dadurch billig Leistungen anzubieten. Das Lohnniveau in diesen Unternehmen liegt nicht selten bis zu 30 Prozent unter dem Durchschnitt!!
Zusätzlich wird die soziale Absicherung
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Streik (30)Lokführer (2)Bahn (101)
der Lokführer immer schlechter. Nur ein Flächentarifvertrag kann diesen Prozess aufhalten. Er soll bindend sein für alle Bahnunternehmen und einheitliche Standards festlegen. Aber es geht nicht nur um den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Ein Lokführer der durch einen Arbeitsunfall, z.B. ein Trauma durch einen Suizid, unverschuldet arbeitsunfähig wird hat keinen Kündigungsschutz mehr. Im schlimmsten Fall wird er arbeitslos. Hier soll dem Mitarbeiter im Betrieb eine andere, auch minderwertigere Arbeit angeboten werden damit er nicht zum Sozialfall wird. Des weiteren sollen einheitliche Qualifizierungsstandards festgelegt werden die sicherstellen, dass die Aus- und Weiterbildungen zum Lokführer in allen Unternehmen gleich gut ist. Bisher ist das nur unzureichend geregelt und von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich.
Wird eine Strecke nach einer Ausschreibung von einem anderen Bahnunternehmen betrieben sollen Lokführer zu gleichen Bedingungen auch dort eingestellt werden können. Zur Zeit werden die Dienstjahre bei einem Wechsel zu einem anderen Betrieb aus kostengründen nicht anerkannt. Der Lokführer wird dann wie ein Berufsanfänger behandelt. Auch wenn er schon 30 Jahre Berufserfahrung hat wird er auf die unterste Lohnstufe gestellt.

All diese, und noch mehr Punkte können nur in einem Flächentarifvertrag geregelt werden wie ihn die GDL fordert, und den jedes Unternehmen unterschreibt dass ich an öffentlichen Streckenausschreibungen beteiligt. Bisher spielt sich der Wettbewerb fast ausschließlich über die Löhne und Sozialleistungen des Fahrpersonals ab. Dann jedoch würde das bessere Konzept und der bessere Service über Ausschreibungen entscheiden. Und das käme schließlich allen zu Gute!!

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Kommentare zum Beitrag

Gebhard Linde
30
Gebhard Linde aus Linden schrieb am 28.02.2011 um 23:23 Uhr
Wie du meinem Text entnehmen kannst geht es eben nicht nur um "gleiches Geld für gleiche Arbeit", sondern hauptsächlich um das ganze soziale Gefüge drumherum. Wenn ein Streckennetz einen neuen Betreiber bekommt wird der Lokführer UNVERSCHULDET arbeitslos, sofern das Unternehemen nicht noch andere Strecken in der Region betreibt auf denen er eingesetzt werden kann. Da es regional nicht so viele Bahnunternehmen gibt wie z.B. Schreinereien bewirbt er sich dann beim neuen Betreiber auf eine Stelle. Und das ist eben das Problem. Dort wird er zu Niedriglöhnen eingestellt ohne Rücksicht auf seine Berufserfahrung, Familienstand und, und.....
Mathias Engelhart
5.319
Mathias Engelhart aus Gießen schrieb am 01.03.2011 um 22:42 Uhr
Grundsätzlich unterstütze ich die Belange der Lokführer, immerhin übernehmen Sie eine große Verantwortung. Das bei einem Arbeitskampf beinahe zwangsläufig die Kunden der Bahn und den anderen EVU mitbetroffen sind, scheint unumgänglich. Wie sehr Lokführer unter Druck stehen, zeigt der investigative Journalismus.
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 03.03.2011 um 23:05 Uhr
Danke für den guten Bericht! In der Tat haben sie völlig recht und ich habe wie mein Vorredner daher Verständnis für die Streiks.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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