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Gummi arabicum: Stabilisator, Emulgator, Verdickungsmittel, Füll- und Klebstoff in einem!

Sie haben kaum Geruch und noch weniger Geschmack! Die Stücke sind eher matt mit glänzendem Bruch
Sie haben kaum Geruch und noch weniger Geschmack! Die Stücke sind eher matt mit glänzendem Bruch
Linden | Gummi arabicum ist ein Exsudat (Ausschwitzung) aus dem zähflüssigen Pflanzensaft (Harz) einiger Akazienbäumen wie vor allem Acacia Senegal und Acacia Seyal, aber auch Acacia karroo oder laeta. Es handelt sich um ein gelblich-braunes Makromolekül und ist ein natürliches Polysaccharid. Es ist neutral bis schwach sauer (enthält Arabinsäure), wasserlöslich aber unlöslich in Alkohol.

Die Akazienbäume, aus denen Gummi arabicum gewonnen wird, kommen von Indien und dem Oman bis nach Westafrika vor. Diese Region wird auch „gum belt“ genannt. Wichtige Exportländer sind vor allem der Sudan (deckt 75% des ca. 55.000 Tonnen schweren weltweiten Bedarfs ), Tschad und Niger.

Der Harz wird zwischen Oktober und Mai gewonnen, indem die Baumrinde in einem bestimmten Winkel angeschnitten wird. Meist wird jeden zweiten Tag einen weiteren Schnitt unter dem vorherigen gemacht. Sobald das austretende Harz einen 20 bis 70 mm großen Tropfen gebildet hat, wird es aufgefangen und getrocknet. Die Ernte pro Baum schwangt von 400 g bis 7 kg je nach Witterungsverhältnisse und anderer Faktoren. Dies erklärt die oft schwankenden Weltmarktpreise dieses natürlichen Rohstoffes.

Mehr über...
Gummi arabicum (1)Akazienbaum (1)
Schon seit Urzeiten fand Gummi arabicum höchst unterschiedliche Anwendungen.
Die alten Ägypter benutzten dieses Akazien-Harz als Klebstoff zur Mumifizierung, als Medikament oder aufgelöst mit Wasser und Ruß zur Herstellung von Tinte.
Erst im Mittelalter kam das Gummi arabicum über Handelswege aus dem Orient nach Europa.
Schon in dieser Zeit wurde es als Bindemittel und Farbstabilisator für Illustrationen von Büchern, sowie als Medizin eingesetzt.

Heute wird Gummi arabicum vielfach industriell verwendet:

In der Lebensmittelindustrie, vor allem als natürliches Verdickungsmittel, Emulgator oder Stabilisator bei der Herstellung von Limonade, Bier, Wein, Süßwaren, Knabbergebäck (Chips, Brezeln), Gummibonbons, Hals- und Hustenbonbons, Speiseeis, etc...

In der Pharmaindustrie für die Herstellung von Gummiartikeln, Überzug von Dragees und Tabletten.

In der Papierindustrie als Klebstoff für die Gummierung von Papier wie etwa bei der Herstellung von Etiketten, Briefmarken und Briefumschlägen.

In der Farbindustrie zur Stabilisierung der Farbpigmente zur Herstellung von Künstlerfarben (Aquarell-, Gouache- und Temperafarben) und Tinten. Auch in der klassischen Lithografie zur Vorbehandlung der Lithosteine vor dem Farbauftrag.

In der Glasmalerei wären die Glasschmelzfarben ohne Gummi arabikum nicht malfähig...
Sogar im Orgelbau findet Gummi arabikum zusammen mit Kreide zum Polieren von Metallpfeifen Verwendung.

Ferner auch in der Kunstfotographie im Rahmen des Edeldruckverfahrens von Poitevin und Pouncy im 19. Jh. entwickelt: der sog. „Gummidruck“, ein fotografisches Pigmentverfahren mit Gummi arabicum und Chromaten.

In der Europäischen Union wird Gummi arabicum als Lebensmittelzusatzstoff unter der Nummer E 414 zugelassen.

Sie haben kaum Geruch und noch weniger Geschmack! Die Stücke sind eher matt mit glänzendem Bruch
Sie haben kaum Geruch... 
Wenn sie anfangen im Mund zu schmelzen, fühlen sie sich allmählich unendlich weich an!
Wenn sie anfangen im... 
Harz der Seyal-Akazien (Acacia seyal)
Harz der Seyal-Akazien... 
Zwei Klumpen sind nach 6 Stunden (im Wasser, bei Zimmertemperatur) fast aufgelöst.
Zwei Klumpen sind nach 6... 
Nach 12 Stunden hat sich das Gummi arabicum vollständig aufgelöst. Nur Spuren von Verunreinigungen bleiben sichtbar. Aus den zwei dunkelgelben Harzklumpen in klarem Wasser ist eine glitschige, transluszide Gallertmasse entstanden
Nach 12 Stunden hat sich... 

Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
18.899
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 09.03.2010 um 22:19 Uhr
Interessant. Ich glaube, dass ich mal im Zusammenhang mit Buchillustration davon gehört habe. Das meiste war neu für mich. Danke, Annick.
Doris Kick
3.565
Doris Kick aus Hungen schrieb am 09.03.2010 um 23:04 Uhr
Annick ein sehr interessanter Beitrag.. :-))
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Annick Sommer

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Annick Sommer
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