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Auf historischen Pfaden durch die West-Türkei

Das Bild zeigt die Reisegruppe vor der Hagia Sophia (Heilige Weisheit) in Istanbul Foto:Dietmar Reichel
Das Bild zeigt die Reisegruppe vor der Hagia Sophia (Heilige Weisheit) in Istanbul Foto:Dietmar Reichel
Linden | Wohlbehalten und bereichert mit nachhaltigen Eindrücken kehrten 29 Reiseteilnehmer - überwiegend aus Linden – dieser Tage von einer 12-tägigen Studien- und Pilgerreise zurück. Entsprechend dem Thema „Konstantinopel, die Christen in Kleinasien und Homer“ führte die ca. 1.800 km lange Rundreise an die Orte des frühen Christentums in Kleinasien, wo das Glaubens-bekenntnis formuliert wurde, das heute noch alle Christen gemeinsam verbindet. Auch wurden antike Orte besucht, die zur geistesgeschichtlichen Wiege des Abendlandes zählen.
Die Fahrt wurde nicht nur von einem hervorragend geschultem, türkischem Reiseleiter begleitet, sondern auch durch Prof. Dr. Rudolf Grulich geführt, der u.a. als Ansprechpartner für die Belange der Türkei bei „Kirche in Not“ arbeitet. So erhielt die Gruppe umfangreiche kirchengeschichtliche Zusammenhänge aufgezeigt, ebenso auch Fakten und Wertungen, die manche Vorurteile in Frage stellten.
Die Reise wurde geplant und initiiert von Anton Schmidt, Bildungsbeauftragter der katholischen Erwachsenen¬bildung Linden. Thematisch wurde die Reise auch durch Vorträge entsprechend dem Jahresprogramm vorbereitet.

Die Reise - vom 30. April bis 11. Mai 2009 – begann mit einer 3-tägigen Besichtigung von Istanbul/Konstantinopel/Byzanz – der Besuch der Hagia Sophia (Heilige Weisheit), Hippodrom, der Blauen Moschee, Topkapi Palast, Galatabrücke, Schifffahrt auf dem Bosporus – Verlauf kann nur ange¬deutet werden. Über eine Fährverbindung führte die Fahrt nach Moda/Chalzedon (hier Feier der Sonntagsmesse in französischer und türkischer Sprache mit ca. 50 einheimischen Christen) nach Iznik/Nicäa (1. Konzil im Jahr 325, Großes Glaubensbekenntnis) und Bursa, bis 1453 Hauptstadt des osmanischen Reiches.
Nach der Besichtigung der größten und bedeutendsten Moschee (mit 20 Kuppeln) aus dem 14. Jhdt. führte die Reise entlang der Marmara-Küste zu den Dardanellen/Canakkale und Troia/Troja. Spätere archäologische Forschungen nach Schliemann zeigen, dass die Ausgrabungsstätte 42 Schichten zerstörter Siedlungen nachweist, die 9 Zeitepochen zugeordnet werden können. Hiernach befindet sich das „klassische“ Troja (König Priamos) in der 6. Zeitepoche – nicht wie Schliemann annahm in der 2.
Herrlich die Fahrt entlang der ägäischen Küste nach Alexandreia in Troas, wo einst der hl. Paulus nach Neapolis (heute: Kavalla)/Griechenland übersetzte. Nahe Behramkale/Assos, „schönst gelegene griechische Stadt“ endete der 6. Tag in dem Badeort Ayvalik.
Nach einer umfassenden Besichtigung von Bergama/¬Pergamon führte die Reise zu den letzten 5 Übernachtungen in Izmir/Smyrna, der drittgrößten Stadt der Türkei. Vor der Stadtführung und Besichtigung der Festungsanlage und Hafenregion, wurde die kath. Bischofskirche besucht. Diese ist dem hl. Polykarp (einem Schüler des hl. Johannes/Evangelist) geweiht. Hier bot sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit einer Ordensfrau. Nachdenklichkeit und Rührung erfasste die Gruppe, als der türkische Pfarrer einer ev. Freikirche von seiner Bekehrung vom Islam zum Christentum in Deutschland erzählte und seinen jetzigen Problemen durch sein christliches Zeugnis. Trubel umfing uns dagegen beim anschließenden Gang durch den Basar.
Ein Erholungstag bot eine Fahrt zu den Thermalquellen der Halbinsel Cesme und anschließend der Besuch von Museen in Izmir. Weit in die Vergangenheit „und in das Hinterland“ führte die Fahrt nach Sart/Sardes und Akhisar/Thyatira – einst Zentren des Lydischen Reiches, unter dem legendären König Krösus. An die verschwundene Pracht erinnern der Artemis-Tempel (mit 60 Säulen – Kostenvergleich zu heute: 9 Millionen € je Säule) und weitere jüdische, christliche und islamische Baudenkmäler.
Der vorletzte Tag führte nach Selcuk/Efes/Ephesus. Mit ca. 250 Besuchern konnten wir hier die Sonntagsmesse beim „Marien-Haus“ auf dem Nachtigallenberg feiern und durch Liedbeiträge wiederum mitgestalten. Nach dem Besuch der Ruine der Johannes-Basilika (Grab des Apostels), den Erläuterungen anhand eines Reliefs über die vier verschiedenen Standorte von Ephesus ließen wir anschließend beim Picknick die Ruinen des Artemis-Tempels (eines der sieben Weltwunder) auf uns wirken. Die baulichen Überreste von Ephesus, fast alle aus der Zeit des Römischen Imperiums, lösten die gleiche Faszination aus, wie beim letzten Besuch im Mai 2006. Weiter führte der Weg zu der frühchristlichen Maria-Basilika, wo 431 das 3. Konzil stattfand. Hier dankten wir mit Gebet und Lied, für die überaus gelungene Reise.
In der Nähe gelegen - in Sirince - einem ehemals griechischen Dorf, wurde beim Abschiedsessen und bei den „Dankes-Worten“ spürbar, dass eine eindrucksvolle Reise zu Ende geht und die gemeinsamen Erlebnisse und religiöse Erfahrungen für alle Mitreisende nachhaltig wirken werden.
Anton Schmidt, Bildungsbeauftragter der Kath Kirche Linden

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