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Gießen bleibt bunt !

Linden | Redebeitrag des Internationalistischen Bündnisses Gießen bei der Kundgebung am Samstag in Gießen:

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, Liebe Gießener,

Rassistische Hetze und aggressiver plumper Antikommunismus aufbauend auf unglaublicher Demagogie sind nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Nährboden für faschistoide und faschistische Parteien. Mittlerweile haben wir in Deutschland die Gefahr einer faschistischen Tendenz, der wir unser aller Widerstand entgegensetzen müssen. Als Internationalistisches Bündnis begrüßen wir es deswegen besonders dass es hier in Gießen gelungen ist ein breites antifaschistisches Bündnis auf die Beine zu stellen. Über alle Partei- und ideologischen Grenzen hinweg sagen wir heute klar "Kein Fußbreit den Faschisten"! Wie notwendig das ist zeigt nicht zuletzt die aktuelle Rechtsentwicklung der bürgerlichen Regierungen und Parteien. Unter anderem der massive Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten und die verstärkte Militarisierung sind Ausdruck dieser Rechtsentwicklung.

Die ganze geheuchelte Empörung verschiedener bürgerlicher Politiker über die skandalösen Ereignisse
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in Thüringen stinkt zum Himmel. Wer ständig die AfD hofiert und puscht, sie in Talkshows usw. ständig ihre Demagogie verbreiten lässt, der braucht sich doch nicht zu wundern. Es war nichts anderes als antikommunistische Gleichsetzung von Rechts und Links, als FDP und CDU mit der AfD paktierten um die vorgeblich linke Regierung abzusägen. Aber auch unter der Regierung Ramelow gab es Repressionen gegen AntifaschistInnen, wurden antikommunistische Vorbehalte verbreitet.

Wenn wir den Faschismus verhindern wollen, müssen wir eng zusammenarbeiten und auch solidarisch inhaltliche Widersprüche diskutieren. Gern auch heute an unserem Infostand! Und liebe Freundinnen und Freunde, wir müssen aber auch klar sagen, was hat es denn auf sich mit dem Erstarken extrem rechter Parteien, wem nützt es, dass sie wieder aus ihren Löchern kriechen? Wer braucht die Faschisten? Hinter den Faschisten steht das Kapital! Das ist keine neue Erkenntnis; die Geschichte hat es zig-fach bewiesen. Und trotzdem muss es immer wieder gesagt werden, denn wer vom Faschismus redet, darf zum Kapitalismus nicht schweigen.
Vor 100 Jahren haben uns die revolutionären ArbeiterInnen in Deutschland den Weg aufgezeigt wie der Faschismus verhindert werden kann und muss = Generalstreik war die Losung der antifaschistischen Einheitsfront und sozialdemokratische, kommunistische und parteilose ArbeiterInnen organisierten sich in der Roten Ruhrarmee zur erfolgreichen Niederschlagung des faschistischen Kapp-Putsches. Auch heute ist eine - internationale - antifaschistische Einheitsfront das Gebot der Stunde.

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, als Internationalistisches Bündnis sehen wir die Rechtsentwicklung, aber wir verbreiten keinen Pessimismus. Diese Rechtsentwicklung ist Zeichen der Schwäche der herrschenden Klasse. Heute hat der Kapitalismus keine Zukunft; Armut, Umweltzerstörung, Kriegsgefahr und Wirtschaftskrisen, mehr kann er uns nicht bieten. Die Zukunft gehört uns den fortschrittlichen Menschen, die kämpfen für "Eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung", und auch erst dann wird die faschistische Gefahr endgültig besiegt sein.

Deshalb:
"Schaffen wir die antifaschistische Einheitsfront"
„Dem Antikommunismus keine Chance“
"Kein Fußbreit den Faschisten"
"Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung"

Kommentare zum Beitrag

Ulrich Nass
70
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 16.02.2020 um 20:34 Uhr
Da stimme ich inhaltlich weitgehend zu ! 'Einheitsfront' ist für mich allerdings eine stigmatisierte Begrifflichkeit. Klassenkampf etc. das trifft es nicht mehr. 'Rechtsentwicklung' hab ich noch nie gehört. Merkwürdiges deutsches Wort.
Bernd Zeun
11.537
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 16.02.2020 um 22:38 Uhr
Stefan, ich habe leider nicht die Zeit, mich jetzt eingehend mit der Materie zu beschäftigen, deshalb, wie Herr Wagner immer sagt, ganz kurz: so wie Quelle und Neckermann früher einen Großteil ihrer Waren in der DDR produzieren ließen, kommt heute ein Großteil der von Amazon gelieferten Waren aus China, da kann ich nur sagen, viel Spaß mit der Organisation eines Generalstreiks. Da sind wahrscheinlich die Corona-Viren erfolgreicher.
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.02.2020 um 00:32 Uhr
Bernd, auch ganz kurz: stimmt - vielleicht hast du ja noch die Zeit? - man sollte sich evt. doch erst eingehend mit der Materie beschäftigen bevor man seine Schlüsse zieht!?

Herr Nass: wie kommen Sie darauf dass es heute keinen Klassenkampf mehr geben würde ( gibt es keine Ausbeuter und Ausgebeutete mehr? )? Was stört Sie an dem Begriff "Einheitsfront"? Sie machen es hier ähnlich wie schon unter einem anderen Beitrag, stellen Behauptungen auf ohne diese zu begründen, immer schwierig dann konkret darauf einzugehen...
Martin Wagner
2.652
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 17.02.2020 um 20:40 Uhr
Im Artikel wird der Begriff (...) "antifaschistische Einheitsfront" (...) verwendet.

"antifaschistisch" ... das ist auch heute noch ohne lange Erklärungen aussagekräftig

"Einheitsfront" .... das ist ein historisch gut eingeführter, aber heutzutage überhaupt nicht mehr oft verwendeter Begriff.

Dass Stefan Walter bzw. der Sprecher des örtlichen Ableger des Internationalistischen Bündnisses ihn verwendet wundert mich nicht, denn dieses Bündnis stellt sich ausdrücklich in die Tradition des antifaschistischen Kampfes in der 20 und 30er Jahren in Deutschland. Sicher wird in der kapitalistischen BRD seit Jahrzehnten in dem Geschichtsunterricht nicht mit einer Silbe von diesem Ruhmesblatt der Arbeiterklasse gesprochen. Wen wundert das, wenn mann / frau berücksichtigt, dass der herrschende Block fest an der Seite der Kapitalisten (den Hauptnutzniessern von Militärdiktaturen und Faschismus) steht.

Im gewissen Sinne gebe ich Herrn Nass recht: Einheitsfront ist zu sperrig: Vielleicht sollte für das breitestmögliche Bündnis aller fortschrittlichen und linken Kräften im Kampf gegen den erstarkenden Rechtstrend (bis hin zum offenen Faschismus) ein anderer Begriff gefunden werden. (Ohne damit die historischen Verdienste unserer Vorvätern zu schmälern.)
Kurt Wirth
2.833
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 08:11 Uhr
"...Ruhmesblatt der Arbeiterklasse":

Der Kapp-Putsch konnte zwar abgebrochen werden, vor allem durch den Generalstreik. Hierzu hat aber auch die (sozialdemokratische) Regierungsbürokratie aufgerufen (der Pressechef Rauscher). Aber der "antifaschistische Kampf in den 20 und 30er Jahren" war doch letztlich erfolglos.

Mein Vater landete als junger Kommunist mit der Häftlingsnummer 1195 am 3.April 1933 im KZ Dachau. Von mir später daraufhin befragt, warum das so kam, hatte er geantwortet: "da müssen wir Kommunisten uns zu allererst an die eigene Nase fassen".
Ulrich Nass
70
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 18.02.2020 um 09:15 Uhr
Da haben wohl einige bei der KO einen Sprung in der Schüssel.Hör ich das Wort 'Arbeiterklasse' wird mir merkwürdig, Herr Walther. Es gibt keine Arbeiterklasse und auch kein Lumpenproletaratiat mehr. Sie leben leider in der Vergangenheit. Die existierenden und bedrohlichen Konfliktlinien liegen heute etwas weniger übersichtlich vor. Was wurde und wird aus dem Bürgertum ? Was ist die 'Mitte'? Wer hat die Macht? Falsche Frage .Es gibt kein Durchregieren mehr. Unübersichtlichkeit ist das Merkmal unserer Epoche. Ich kann in Ansätzen die Sehnsucht nach der übersichtlinien Welt von gestern verstehen, abe sie exisriert nicht mehr und es gibt kein zurück.

Es ist nicht leicht, zumindest ein wenig zu verstehen.

Eigentlich habe ich große Sympathie mit 'linken' Modellen.Aber nicht mit überholtem Vokabular, antiken Kampfbegriffen, und einer geradezu einfachen Sicht der komplexen Gegenwart. Lesen Sie dazu endlich was von Soziologen der 'Neuzeit' . Da gibt es viel.Nassehi, Reckwitz etc.
Die Beschreibung der sozialen Wirklichkeit erinnert ein wenig auf die unterkomplexen Entstellungen auf der Rechten.
Haben sich alle mal intensiv mit der Definition von 'Faschismus' beschäftigt !
Martin Wagner
2.652
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 10:52 Uhr
kurz zu Herrn Wirth:

Wenn sie "Ruhmesblatt" mit "erfolgreich" übersetzen, dann haben sie sicher recht. Alleine an der Ruhr sind (genauere Schätzungen gibt es nicht) zwischen 1000 und 2000 klassenbewusste Arbeiter für die Abwehr einer Militärdiktatur / Vorform einer faschistischen Regierung im Kampf gefallen. Ich ehre diese Kämpfer; egal aus welcher Fraktion der Linken sie kamen. Übrigens,einzelne Forscher schätzen, dass der Anteil der in der KPD organisierten Arbeiter unter 50 Prozent lag. Nur so geht es: Weg mit den Fraktionsgrenzen innerhalb des vielfältigen linken Spektrums - zumindest im Kampf sollten wir (mit dem dazu bereiten) Fortschrittlichen "Seit an Seit kämpfen".

Über die durch und durch schändliche Rolle der damaligen M"S"PD brauchen wir, Herr Wirth, uns sicher nicht streiten.
Martin Wagner
2.652
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 11:15 Uhr
kurz zu Herrn Nass:

Ich kenne Herrn Walter persönlich. Wenn sie meinen, er wäre nicht in der Lage über die Sterotypen der alten Klassenkampfrethorik hinaus die aktuelle politische Situation zu analysieren und Antwort darauf zu finden; so liegen sie falsch.

Stefan ist ein schlauer Mensch; vielleicht verleitet ihn die Erinnerung an die alten Zeiten ab und an dazu, neue Worte für die alten Zustände zu suchen nd zu finden. Das braucht er in der Regel in den linken Kreisen auch nicht, aber in der Ansprache an das fortschrittliche Lager sind Übersetzungen (aus dem linken Vokabular in die Alltagssprache) notwendig. Aber Übersetzungen, welche nicht an Deutlichkeit verlieren dürfen.

Hier der Versuch einige praktische Vorschläge zu machen:

Klassenkampf - konsequenter Kampf der Arbeitenden

Arbeiterkampf - Kampf der am meisten Ausgebeuteten

Lumpenproletariat - Schicht der Deklassierten, welche mit den herrschenden Schichten zusammen arbeiten

......

Sie sehen, ohne die Begriffe "Kampf", "Schicht", "Deklasierte", "Herrschaft" ... komme ich nicht aus. Warum, da ich nicht bereit bin die zum Himmel stinkenten Verhältnisse mit Zuckerguss zu übergiessen, sondern ich es für notwendig erachte "Klartext" zu reden.

Übrigens sie erwähnen die Soziologie. Da gibt es auch eine linke Fraktion. Und die redet schon von "Klassen" anstatt von "Schicht" und so weiter. Die Intellektuellen mögen sich darüber streiten, welche der Soziologenfraktionen eher in der Lage ist mit ihrer Wortwahl sich in breiteren Kreisen der Bevölkerung (und nicht nur untereinander) sich verständlich zu machen. Ich selber tendiere für die sparsame Verwendung "alter" (nicht mehr gängigen) Begriffen um nicht an Verständlichkeit zu verlieren. Im Konfliktfall versuche ich genau abzuwären, ob ein "alter" Begriff nicht doch besser ist, weil er den Sachverhalt anstatt eines "Neuen" genauer (das heisst in der Regel schärfer) benennt.
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.02.2020 um 15:53 Uhr
Zitat Herr Nass: " Unübersichtlichkeit ist das Merkmal unserer Epoche." Tja, wenn man sich strikt weigert die Klassenwidersprüche genau zu analysieren, dann kommt man auf so merkwürdige Aussagen wie "es gibt keine Arbeiterklasse mehr und ähnliches". Ob Ihnen nun die hier genannten Begriffe merkwürdig vorkommen oder nicht Herr Nass, das spielt keinerlei Rolle...

Na dann bringen Sie doch Ihre Definition von Faschismus Herr Nass, wenn Sie anderen schon Unkenntnis unterstellen. Faschismus ist die brutalste Herrschaftsform im Kapitalismus! Aber wahrscheinlich halten Sie auch den Begriff Kapitalismus für veraltet und überholt?
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.02.2020 um 15:59 Uhr
Kurt, bei allem Respekt vor deinem Vater, meiner Ansicht nach ist die Aussage nicht ganz richtig. Sicher, die KPD-Führung hatte mit ihrer so genannten "Sozialfaschismus-Theorie" großen Schaden angerichtet, aber wie ist es denn überhaupt dazu gekommen? War es nicht die SPD-Führung die den gemeinsamen antifaschistischen Kampf strikt ablehnte?
Richtig, auch die SPD Führung unterstützte den Generalstreik ( das hat doch niemand in Abrede gestellt ), aber von den Erfolgen und der Notwendigkeit der Roten Ruhrarmee will die SPD bis heute nichts wissen. Logisch, da herrscht Stillschweigen oder sogar blanker Hass und plumper Antikommunismus wenn es um revolutionäre Arbeiter geht... heute wie damals "wer hat uns verraten?"
Ulrich Nass
70
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 18.02.2020 um 16:18 Uhr
https://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/06/Essay_Allmendinger.xml
Michael Beltz
7.711
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 17:01 Uhr
Herr Nass, Arbeiterklasse ist die Klasse der Ausgebeuteten Arbeiter (und Angestellten), auch wenn Ihnen der Begriff nicht gefällt.
Was ist Fschismus? Lesen Sie doch mal einen Text von Dimitroff.
Mich interessiert die Frage, was wollen sie in dieser Diskussion erreichen? Ein wenig Chaos? Oder wollen Sie für die AfD werben?
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.02.2020 um 18:11 Uhr
Das ist aber jetzt mehr als dünn Herr Nass, soll dieser Link, dieser Text jetzt der "Beweis" dafür sein dass es keine Arbeiterklasse und keinen Klassenkampf mehr in Deutschland gibt???

Michael, ich denke nicht dass Herr Nass auch nur im Entferntesten Sympathie für die AfD hat, ich glaube auch nicht dass er bewusst Chaos verbreiten will. Mir kommt es eher so vor, dass hier wieder mal ein ( sozialdemokratischer? ) Versuch eines so genannten 3. Wegs gestartet werden soll. Ja, da gebe ich dir Recht Michael, diese Versuche führen - wie immer - ob bewusst oder unbewusst ins Nichts bzw. ins Chaos.
Martin Wagner
2.652
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 19:46 Uhr
Nein; Herr Beltz; Arbeiterklasse ist die Klasse der ausgebeuteten Arbeiter! Punkt!! Die Angestellten werden auch ausgebeutet, aber sie sind in der Regel in den Betrieben, Firmen, Baustellen, .... die verlängerten Kontroll- und Displizinierungshandlangern der Kapitalisten. Dafür - und nicht für ihre Arbeit an sich - bekommen sie in der Regel mehr Geld, als der Arbeiter. (Also sie erhalten im Prinzip zwei Löhne!)

Sie mögen sich subjektiv auf der Seite der Arbeiter sehen, in Wirklichkeit sind sie auf der "anderen Seite der Barrikade".
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.02.2020 um 20:19 Uhr
Martin, so willst du, so soll die Arbeiterklasse notwendige Bündnispartner gewinnen? Also die Angestellten sind in Wirklichkeit "auf der anderen Seite der Barrikade"? Tut mir leid, das ist Quatsch, genauso Quatsch wie die Behauptung dass Angestellte in der Regel mehr Geld als die Arbeiter bekommen.
Was ist denn mit all den Verkäuferinnen, Erzieherinnen, kleinen Verwaltungsangestellten, Altenpflegerinnen usw. usf., die Aufzählung lässt sich beliebig fortführen. Sie alle bekommen wahrscheinlich ein geringeres Gehalt als ein Facharbeiterlohn in einem Industriebetrieb. Und die Angestellten sind auch nicht generell ( da muss man genau unterscheiden ) der verlängerte Arm der Unternehmer, das gibt es auch bei Arbeitern, z.B. Vorarbeitern, Schichtführern usw.
Nun, und da hast du Recht, warum trotzdem die notwendige Unterscheidung? Der Kern der Arbeiterklasse ist nach wie vor das Industrieproletariat, es sitzt an den entscheidenden Hebeln der Macht und der Produktion, darum ist es auch der fortschrittlichste Teil der Arbeiterklasse.
Und so nebenbei, wie viele Angestellte wurden denn zu Angestellten "gemacht" obwohl sie eigentlich auch Arbeiter sind? Ne ganze Menge!
Bernd Zeun
11.537
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 21:55 Uhr
Lieber Stefan, ich frage mich was du gegen den Zeit-Artikel hast, der beschreibt die gesellschaftliche Situation doch recht gut, leuchtet mir jedenfalls mehr ein, als die Welt heute noch hauptsächlich in Kapitalisten und Arbeiterklasse als agierende Kräfte einzuteilen. Vor 30 Jahren betrug der Anteil der Arbeiterklasse (wenn man darunter hauptsächlich den körperlich arbeitenden Industriearbeiter versteht) noch 40%, inzwischen sind es nur noch 20% und in weiteren 30 Jahren vermute ich, wird sich die Zahl wohl nochmal mindestens halbiert haben. Außerdem weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn sich Linke selbst bei diesem Beitrag gegenseitig vorwerfen, etwas nicht richtig zu sehen und sich ständig gegenseitig korrigieren, da wird es wohl bei der Hoffnung auf die Einheitsfront bleiben.
Kurt Wirth
2.833
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.02.2020 um 22:20 Uhr
Ja, ja - Gießen ist bunt :-)
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.02.2020 um 22:47 Uhr
Bernd, warum sollte es auf dem Weg zur Einheitsfront ein Hindernis sein wenn man inhaltliche Differenzen solidarisch austrägt? Im Gegenteil, dieses "Einheit um der Einheit willen, ohne jeglichen Inhalt", das hat noch nie zu etwas geführt.
Diese Diskussion "welche Bedeutung hat heute noch die Arbeiterklasse", die haben wir doch schon sooo oft geführt.
Aber gern nochmal:
- weltweit wächst(!) das Industrieproletariat
- nach wie vor ist die Industriearbeiterschaft auch in Deutschland der entscheidende Faktor, der fortschrittlichste Teil der Arbeiterklasse ( ob nun der hoch qualifizierte Facharbeiter der Maschinen überwacht, oder der ausschließlich körperlich arbeitende Malocher, das macht doch nicht den Unterschied, Arbeiterklasse bleibt Arbeiterklasse )
- was soll sich daran geändert haben, dass die Eigentümer der Produktionsmittel aus dem Verkauf der Arbeitskraft der Arbeiter ihren Profit ziehen = nichts! Es hat sich sogar dramatisch verschärft wenn man sich die gesteigerte Produktivität je Arbeiter von heute anschaut...
- und wer agiert? Sind es nicht die Kapitalisten - mit Hilfe ihrer Regierungen - die über die Art und Weise der Produktion und Verteilung bestimmen? Alles was kurzfristigen Maximalprofit verspricht wird gemacht, unterstützt und subventioniert, alles andere wird dem untergeordnet, auch daran hat sich bis heute nichts geändert. Und was die Kämpfe der Arbeiterklasse betrifft, auch als Wiederholung, da solltest du evt. ein wenig recherchieren, ganz aktuell u.a. in der Stahlindustrie..

Der Zeit-Artikel? = was soll man mehr von der bürgerlichen Presse erwarten als Perspektivlosigkeit für die Arbeiterschaft zu verbreiten?
Bernd, welches Ziel, welche Hoffnung treibt dich noch an, oder reihst du dich ein in die Reihe der "Nur-Kritiker"? Ich hoffe nicht!
Bernd Zeun
11.537
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 19.02.2020 um 03:06 Uhr
Musste lachen, Herr Wirth, trifft es :-)

Stefan, ich beneide dich um deinen Optimismus. Ich lese nur seit zehn Jahren hier in der GZ immer wieder die selben Parolen und Aufrufe zu Aktionstagen etc. und was hat sich geändert - es gibt inzwischen eine Alternative für Dumme.
Jetzt im Ernst: linke Positionen im gesellschaftlichen Diskurs sind wichtig, aber sie werden den Kapitalismus nur beeinflussen, nicht abschaffen. Die Länder, die das bisher versucht haben, sind ja auch nicht gerade als leuchtende Beispiele in der Erinnerung.
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.02.2020 um 10:17 Uhr
Ja klar, man kann sicher auch mal einen lockeren Spruch anbringen, nicht alles muss bierernst genommen werden... man sollte nur nicht dabei stehen bleiben und gestellten Fragen aus dem Weg gehen?!?

Bernd, was sind schon 10 Jahre? Und sicher, den Optimismus darf man nicht verlieren, es gibt auch keinen Grund dafür: es gibt doch nicht nur die AfD auf der einen Seite, es gibt doch auch den stetig wachsenden Teil der Bevölkerung der einen Ausweg sucht, oder etwa nicht?
Wer und Was wird den Kapitalismus abschaffen? Sicherlich nicht ein paar Diskussionen auf Internet-Plattformen, das anzunehmen wäre lächerlich...
Auch wenn das Zitat "uralt" ist, es ist immer gut sich daran zu erinnern, von :-))
"Geduld ist die wichtigste Eigenschaft des Revolutionärs"

Also jetzt wieder darauf einzugehen wie und warum sich die ehemals sozialistischen Länder wieder zu kapitalistischen Länder entwickelt haben, sorry, das ist mir dann der Wiederholung doch zu viel. Nur soweit: hier kommt man mit einem lockeren, oberflächlichen Spruch "sind ja auch nicht gerade als leuchtendes Beispiel in der Erinnerung" nicht viel weiter...
Michael Beltz
7.711
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 19.02.2020 um 16:58 Uhr
Martin natrlich gehören Angestellte zur Arbeiterklasse. Stefan hat ausreichend dazu geantwortet. Warum glaubst du wohl, haben die Kapitalisten in einer "großen Reformbewegung" vor einigen Jahrzehnten einen großen Teil der Arbeiter zu Angestellten umformiert.
Im übrigen stimme ich Stefan im Wesentlich zu und halte kurzfristig die Klappe.
Bernd Zeun
11.537
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 19.02.2020 um 18:18 Uhr
Also Stefan, leider fehlt mir die wichtigste Eigenschaft des Revolutionärs. Wäre schön, wenn man mal einen ungefähren Zeitplan bekommen könnte, wann denn der Sozialismus/Kommunismus erreicht werden soll oder ich muss wieder religiös werden und auf das tolle Leben im Jenseits hoffen. Wenn alles sehr gut läuft habe ich vielleicht noch 30 Jahre vor mir, da es aber in den 170 Jahren seit dem kommunistischen Manifest nicht hingehauen hat werde ich mich vermutlich auch weiterhin mit den bestehenden Verhältnissen arrangieren müssen. Evolution ist mir sowieso sympathischer als Revolution. Und jetzt halte ich auch erst mal die Klappe.
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.02.2020 um 19:11 Uhr
Natürlich kann ich mir jetzt auch aufgrund des letzten Kommentars von Bernd ein kleines Schlusswort nicht verkneifen bevor ich die Klappe dann auch halte.
Ob du und ich den Sozialismus noch erleben Bernd ( den Kommunismus sicherlich nicht ), ist das so entscheidend? Klar muss man auch im derzeitigen System leben / überleben, aber arrangieren muss man sich deshalb damit noch lange nicht.
Es ist nunmal der Lauf der Geschichte dass die Evolution nur bis zu einem bestimmten Grad auch bisher ausreichend war, die Veränderung ( ein qualitativer Sprung ) wurde immer durch Revolutionen vollzogen. Weder die Sklavenhalter noch die Feudalherren sind freiwillig zurückgetreten. Und auch die Kapitalisten werden dies aller bisherigen Erfahrung nach, auch wenn dies wünschenswert wäre, nicht tun.
Ich denke niemand kann in die Glaskugel schauen und einen Zeitplan aufstellen, heute hängt dies meiner Ansicht nach vor allem von der Entwicklung des subjektiven Faktors ( der Bewusstseinsentwicklung ) ab, die objektiven Bedingungen für die Überwindung des Kapitalismus sind längst vollkommen ausgeprägt...
Auch wenn jetzt Klappe halten angesagt ist, trotzdem finde ich war auch dieser Meinungsaustausch nicht völlig für die Katz.
Michael Beltz
7.711
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 21.02.2020 um 13:49 Uhr
Bernd Zeun, warum so ungeduldig. Die Christen warten schon mehr als 2000 Jahre auf die Erreichung ihres Zieles.
Bernd Zeun
11.537
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 21.02.2020 um 19:14 Uhr
Von denen warten aber auch immer weniger, die schönen großen Wartehäuschen sind ja nur noch aus folkloristischen Gründen an Ostern oder Weihnachten mal voll.
Hermann Menger
2.365
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 02.03.2020 um 20:48 Uhr
Lieber im Wartehäuschen im Trockenen sitzen als ohne Dach im Regen stehen müssen!
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.03.2020 um 21:50 Uhr
Nicht schlecht Herr Menger, gut gekontert.
Schade nur dass Sie sich ansonsten - so als engagierter Christ - nicht weiter zum Bündnis "Gießen bleibt bunt", zum Beitrag oder dem Anlass der Kundgebung und Demo äußern.
Hermann Menger
2.365
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 02.03.2020 um 22:47 Uhr
Jeder hat seine Schwerpunkte und muss für sich selbst entscheiden, wie er mit seiner Zeit umgeht. Wenn Sie sich erinnern, habe ich früher hier öfters mitdiskutiert, aber ich bin oft als Christ zum Teil unflätig beschimpft worden, besonders von einer Person, das muss man sich nicht antun. Manche meiner Beiträge hier wurden über 1000 mal gelesen und zigmal kommentiert, mein letzter Beitrag am 14.2. überhaupt nicht. SO WHAT!
Bernd Zeun
11.537
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 03.03.2020 um 00:10 Uhr
Eigentlich wollte ich ja die Klappe halten, aber wenn Sie, Herr Menger, sich schon die Mühe machen, auf meinen Kommentar einzugehen, will ich schon der Höflichkeit wegen antworten.

Um im Bilde zu bleiben, ich stelle mich dann doch lieber unter den Baum der Erkenntnis, selbst wenn ich dann noch ein paar Tropfen abbekomme.

Den Beitrag vom 14.2. konnte ich zwar auch nicht kommentieren, aber wenigstens Ihren eigenen Kommentar dazu ;-)
Jakob Handrack
1.067
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 04.03.2020 um 13:37 Uhr
Der Artikel ist doch reinste Demagogie. Wir brauchen keine Klassenkampf Propaganda wie in den 20er und 30er Jahren.
Michael Beltz
7.711
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 04.03.2020 um 17:02 Uhr
Sie haben Recht, Herr Handrack, wir brauchen aktulle Klassenkampf Propaganda für heute.
Michael Beltz
7.711
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 04.03.2020 um 17:04 Uhr
Herr Menger, auch ich habe Ihren Beitrag nicht kommentiert. Für die Zukunft gehe ich davon aus, dass wir uns mal wieder sehen und uns unterhalten.
Hermann Menger
2.365
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 04.03.2020 um 17:10 Uhr
Immer wieder gerne, Herr Beltz!
Stefan Walther
4.746
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.03.2020 um 20:52 Uhr
Gut dass wir Herrn Handrack haben, er "erklärt" in einem Satz was wir heute nicht brauchen. Und was brauchen wir laut Herrn Handrack? - na ja, vielleicht kommt ja noch was konkretes worauf man eingehen könnte...
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Herzlichst, Ihr(e) Stefan Walther

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