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Jagd auf Wale – wie lange noch?

Linden | Berichten zufolge haben japanische Walfänger unter dem Vorwand der Forschung Anfang 2018 im antarktischen Ozean 333 Zwergwale getötet, darunter eine große Zahl von schwangeren Weibchen und Jungtieren. Norwegen hat seine Walfangquoten für dieses Jahr erhöht und Island erlaubt sogar die Jagd auf Finnwale, die zu den Großwalen gehören. Bereits im Jahr 2014 wurde Japans Waljagd im Südpolarmeer vom internationalen Gerichtshof in Den Haag für illegal erklärt. Japan verfolgt allerdings das Ziel, auch die Jagd auf Großwale wieder aufnehmen zu können.

Aufgrund der Ausrottungsgefahr kam es im Jahr 1986 zu einem Walfangmoratorium der International Whaling Commission IWC (der 88 Staaten angehören), das den kommerziellen Walfang verbietet. Ausnahmen gibt es nur für indigene Völker. Die Regierungen von Japan, Island und Norwegen setzen sich jedoch immer wieder darüber hinweg, z.T. unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Untersuchungen. Da sich die Bestände teilweise etwas erholen, fordern diese Länder eine Aufhebung des Moratoriums.

Wale sind friedliche, soziale und intelligente Tiere, die meist gesellig in Gruppen von
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10 bis 50 Individuen leben. Mit Ausnahme von einigen Zahnwalen und großen Haien werden Wale nur durch den Menschen bedroht. Dabei geht die Gefahr für Wale nicht nur von der direkten Bejagung aus. So verenden kleinere Arten immer wieder durch Beifang (z.B. mit Thunfischen) und in Schleppnetzen. Durch den industriellen Fischfang (Fabrikschiffe) werden den Walen die Nahrungsgrundlagen entzogen und einige Arten sind durch den Rückgang von Plankton (aufgrund des Klimawandels) bedroht. Schiffsverkehr und starke Sonare (Militär und Geologie) verwirren die Orientierung und die Kommunikation der Wale. Plastikmüll und Gifte wie Schwermetalle, Pestizide sowie polychlorierte Biphenyle (z.B. als Flammschutzmittel) schwächen das Immunsystem der Wale.

Die nicht artgerechte Haltung in Delfinarien führt übrigens auch zu einem frühen Tod der dort gefangen gehaltenen Delfine und Orcas!

Die Jagd auf Wale gilt als unwirtschaftlich und muss subventioniert werden. Da selbst Norweger und Isländer kaum Walfleisch essen, wird es touristisch vermarktet, an Japan verkauft oder zu Tierfutter verarbeitet. Allerdings hat die große Mehrheit der Japaner ebenfalls kein Interesse an Walfleisch. Man fragt sich, weshalb Wale dann überhaupt bejagt werden müssen. Während früher der Waltran begehrt war und fast der ganze Körper der Tiere verwertet wurde, gibt es heute günstigere Ersatzstoffe. Und vom Verzehr des Walfleischs wird schon aufgrund der oben erwähnten Umweltgifte abgeraten. Die Gründe für den Walfang liegen heute eher im Nationalstolz und in der (bisher nicht bestätigten) Befürchtung, die Wale könnten als Konkurrenten die Fangquoten der industriellen Fischerei reduzieren.

Aufgrund der weltweiten Kritik wäre es an der Zeit, dass die Regierungen der genannten Nationen ihr Engagement für den Walfang überdenken. So verfügen die Japaner z.B. über eine lange Erfahrung mit der Verwertung von Meeresalgen als Lebensmittel. Da das Interesse an diesen Algen in den letzten Jahren zugenommen hat, würde es sich möglicherweise lohnen, hier zu investieren und den Walfängern alternative Arbeitsplätze anzubieten. Ansonsten kann man Touristen sicher mit „Whale-Watching“-Fahrten nachhaltiger beeindrucken als mit dem Verkauf von „Whale-Burgern“.

Nach anfänglichen spektakulären Aktionen von Greenpeace hat in neuerer Zeit v.a. die militante Meeresschutz-Organisation Sea Shepherd Conservation Society (SSCS) immer wieder Walfänger erfolgreich behindert und damit tausende von Walen gerettet. In letzter Zeit setzt die japanische Regierung jedoch militärische Überwachungstechnik ein, um Schiffe der SSCS zu beobachten und ihnen auszuweichen. Sie hat sogar neue „Anti-Terror-Gesetze“ verabschiedet, die es auch ermöglichen, gegen die SSCS schwere Strafen zu verhängen. Die SSCS sieht sich daher gezwungen, ihre Aktivitäten gegen die japanischen Walfänger aufzugeben.

Zur Erhaltung der Walbestände ist es deshalb wichtig,

1. das Moratorium und Handelsverbote aufrechtzuerhalten.
2. die Überfischung der Meere zu stoppen.
3. die Müll- und Schadstoffeinträge (auch durch Ölbohrinseln) zu reduzieren.

Was jeder tun kann: Beteiligen Sie sich an den Petitionen gegen den Walfang im Internet! Touristen sollten auf die Konsumierung des in den genannten Ländern angebotenen Walfleischs verzichten und generell keine Delfinarien besuchen.

(Grafik: Meret Schliephacke: www.facebook.com/merrijart)

Kommentare zum Beitrag

Otmar Busse
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Otmar Busse aus Lahnau schrieb am 08.06.2018 um 15:19 Uhr
Dieser Artikel ist erschreckend und entmutigend zugleich.
Es werden offenbar nicht zur wirklichen Verwertung und des Bedarfs wegen Wale getötet, sondern aus Tradition und unter dem Schutz des Deckmäntelchens "zu Forschungszwecken".
Wenn schon Greenpeace und SSCS sich gezwungen sehen ihre Aktivitäten einzuschränken bzw. aufzugeben, dann frage ich mich was meine Unterschrift unter einer Petition denn wert ist.
Ich habe, wie viele hundertausend andere Menschen, zig Petitionen gegen die weitere Verwendung von Glyphosat unterschrieben ... was ist daraus geworden? Eine Verlängerung der Zulassung für weitere 5 Jahre.
27
Martin Schliephacke aus Linden schrieb am 08.06.2018 um 19:42 Uhr
Ja, es braucht viel Geduld. Aber es ist wichtig, diese Themen im öffentlichen Bewusstsein zu halten und den jeweiligen Regierungen zu zeigen, dass wir mit unserer Meinung noch da sind. Immerhin sind es beim Glyphosat statt 10 Jahre Verlängerung nur 5 geworden!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Martin Schliephacke

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