Bürgerreporter berichten aus: Lich | Überall | Ort wählen...

Gemeindesee von Langsdorf wird wegen Verschlammung zurzeit saniert

Absammeln der Teichmuscheln aus dem Schlamm. Foto (T. Hillbrich)
Absammeln der Teichmuscheln aus dem Schlamm. Foto (T. Hillbrich)
Lich | .Regierungspräsidium: Defektes Ablaufbauwerk verzögert zum Frühjahr geplantes Volllaufen: Unter Naturschutz steht der Gemeindesee von Langsdorf aufgrund seiner sehr artenreichen Tier- und Pflanzenwelt seit 1984. Da sich über viele Jahrzehnte dort eine dicke Schlammschicht aus abgestorbenem organischem Material gebildet hatte, die dringend entfernt werden musste, wurde im Herbst letzten Jahres das Wasser aus dem Teich abgelassen. „Von Zeit zu Zeit ist dies notwendig“, erläutert die Biologin Ulrike Brockerhoff vom Gießener Regierungspräsidium, „sonst würde die Wasserqualität zunehmend schlechter, der See stetig verlanden und zuwachsen sowie schließlich ganz verschwinden.“ Derartige Stillgewässer seien in Mittelhessen oft durch Menschenhand entstanden, der Gemeindesee von Langsdorf vermutlich schon im ausgehenden Mittelalter als Fischteich angelegt worden, erläutert sie weiter. Solche Kulturbiotope bedürften für ihren Erhalt in Abständen der Pflege durch den Menschen.

Normalerweise erfolgt dies in den Herbst – und Wintermonaten, damit die Gewässer zur Amphibien-Laichzeit wieder gefüllt sind. Problem in Langsdorf: Das
Mehr über...
Natur (709)
vermutlich aus den 30iger Jahren stammende Ablassbauwerk war nicht mehr funktionstüchtig und ließ sich erst nach dem Bau einer provisorischen „Vorstaumauer“ und Freipumpen der Ablassvorrichtung öffnen. Diese Arbeiten erledigten sehr kompetent Thomas Hilbrich, Fischereisachverständiger, und Michael Korb, Fischwirtschaftsmeister, im Auftrag des Forstamts Wettenberg und der Oberen Naturschutzbehörde des RP. Die Fische wurden abgefischt, und zeitweise brusttief im Schlamm stehend, sammelten sie mehrere Zentner Teichmuscheln aus dem Schlamm. Sie wurden in den nahe gelegenen Pfingstweidsee (Naturschutzgebiet „Wallenberg bei Villingen“) umgesiedelt, um sie später wieder zurückzubringen.

„Vor dem Wiedereinstau muss nun zunächst ein komplett neues Ablassbauwerk - ein sogenannter Mönch - in den Damm eingebaut werden,“ erläutert Erhard Knobloch vom Forstamt Wettenberg. „Damit bei diesen Arbeiten und dem Entschlammen keine Schäden am Seeboden und dem umgebenden wertvollen Grünland entstehen, sollen diese Arbeiten im Spätsommer bei starker Trockenheit durchgeführt und nach dieser Grundsanierung der neue Mönch gebaut werden.“

„Bereits nach relativ kurzer Zeit wird sich dies auf die Lebensgemeinschaften des Sees und die Artenvielfalt des Lebensraumes sehr positiv auswirken,“ erwartet Ulrike Brockerhoff. „Die Wasserqualität wird verbessert, der freie Wasserkörper vergrößert und geschützte Brutplätze für Vögel geschaffen.“ Für viele an das feuchte Element gebundene Kleinlebewesen und Pflanzen werde die Trockenperiode des Gewässers aber zunächst eine große Beeinträchtigung sein. Für die sogenannte Zwergbinsenflora der Schlammböden, im Gemeindesee im Gemeindesee laut einer Untersuchung aus 1984 besonders artenreich, biete die Trockenperiode jedoch die Chance, nach vielen Jahren wieder einmal in großem Umfang zur Blüte und Samenbildung zu gelangen. Auch seien etliche der im Wasser lebenden Tiere an eine solche Situation angepasst, da Trockenphasen auch an natürlichen Stillgewässern vorkommen können. So bilden manche Wasserpflanzen, wie der im Gemeindesee vorkommende Schild-Wasserhahnenfuß, Landwuchsformen, und von nahe gelegenen Gewässern (hier etwa vom Saansee) können zahlreiche Kleintiere einwandern. Ausgewachsene Amphibien können ausnahmsweise auch längere „Trockenzeiten“ überstehen und weichen zum Laichen auf benachbarte Gewässer aus.

Diese Entwicklung im Gemeindesee soll durch wissenschaftliche Begleituntersuchungen zur Flora und Fauna im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde dokumentiert werden, heißt es abschließend aus dem Regierungspräsidium.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Der Morgen danach :-(
Der Fußgängerweg zwischen Ursulum und Eichgärtenallee ein Hürdenlauf....
Gewitter mit Hagel, kurz aber heftig!!!
Es wird wieder einige getroffen haben, bei denen die Feuerwehr zum...
wer wächst denn da in wen?
Ein Wunder der Natur?
Es gibt Sachen, da sagt man besser nix. Sondern man bestaunt es...
erschreckend, nur an einem einzigen Tag auf einem Wegstück von ca. 50m am Bahndamm der ehem. Kanonenbahn bei Dorlar 7 Tote und dieser im Bild gezeigte Überlebende mit verkürztem Schwanz.
7 Tote und ein Überlebender
Die besonders geehrten und ausgezeichneten Mitglieder von links:  Reiner Holler, Martin Becker, Hartmut Mai, Dieter Reitschmidt, Ewald Seidler, Dieter Veith, Werner Seidler, Helmut Tappe und Edith Görl.
50 Jahre NABU Holzheim/Dorf-Güll/Grüningen
In das Vereinsheim des Musikzuges Holzheim hatte der NABU seine...
Naturrastplatz
Als wir Rast bei Steinheim am Wingertberg am Limesradweg machten waren wir nicht begeistert vom Zustand des Platzes. Der Mülleimer war geleert, also muß man es gesehen haben.
"Nicht alles ist Gold, was glänzt"
Am Samstag, dem 28.10.2017, fand unter fachkundiger Führung des...

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) von Amtswegen

von:  von Amtswegen

offline
Interessensgebiet: Gießen
13.927
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Rentenversicherer muss Hinterbliebenenrente nachzahlen Bei eingetragenen Lebenspartnerschaften konkrete Hinweispflicht auf neue Rechtslage
Das Sozialgericht Gießen hat jetzt der Klage einer 58jährigen Frau...
Kriminalpolizei bittet um Hinweise: Wer erkennt die Männer im Mercedes?
Mit dem Bild aus einer Geschwindigkeitsüberwachungsanlage bittet die...

Weitere Beiträge aus der Region

Mal was Lustiges - Gießen und seine Spitzbunker
Neu war für mich, dass diese Gebilde überhaupt Spitzbunker heißen....
Distelfalter auf Wasserdost (Quelle: NABU / Christine Kuchem)
Schmetterlingen im Winter helfen
NABU: Im Haus überwinternde Tagfalter brauchen kühle Räume. Die...
Vom E-Pastor zum E-Biker: Christusgemeinde Lich nahm Abschied von Pastor Jörg Godejohann
Am Sonntag, den 10. Dezember 2017, verabschiedete die...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.