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„Auch das Gute in der Welt ist real“- Ausstellung „Rettungswiderstand in Dieulefit“ zeigt Licht in dunklen Zeiten

Anna Tüne von „Courage gegen Fremdenhass“, Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto (von links nach rechts)
Anna Tüne von „Courage gegen Fremdenhass“, Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto (von links nach rechts)
Lich | Am 22. Januar 2013 jährte sich der Tag des Elysee-Vertrages, mit dem offiziell die deutsch-französische Freundschaft besiegelt wurde, zum 50. Mal. Nicht ganz zufällig hatte man den 23. Januar 2013 für die Eröffnung der Ausstellung „Rettungswiderstand in Dieulefit“ im Haus der VHS in Lich gewählt. Die Ausstellung zeigt an Hand von Fotos, Dokumenten und Zeitzeugenberichten wie eine ganze Stadt der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten die Stirn bot. Auch die Wahl, die durch ganz Deutschland tourende Ausstellung gerade in Lich zu eröffnen ist kein Zufall. Bereits seit 1974 sind Lich und Dieulefit städtepartnerschaftlich verschwistert. Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto war extra mit einer Delegation angereist, um gemeinsam mit ihrem licher Amtskollegen Bernd Klein und dem Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier die Vernissage zu eröffnen.

„Realismus ist nicht bloß etwas Düsteres- auch das Gute in der Welt ist real!“ betonte Anna Tüne vom Berliner Verein „Courage gegen Fremdenhass“. In besonders düsteren Zeiten, während der Zeit des Vichy-Regimes und der deutschen Okkupation in Frankreich, fand das Gute eine Heimat in der französischen Kleinstadt Dieulefit. Zwischen 1940 und 1944 wurden dort über eintausend Verfolgte des nationalsozialistischen Terrorregimes, hauptsächlich jüdische Kinder, aber auch Künstler und Freiheitskämpfer aus den von den Nazis besetzten Ländern, von den Bewohnern der Stadt versteckt und so vor dem sicheren Tod gerettet. Besonders erstaunlich ist dabei, dass niemand denunziert wurde und niemand ums Leben kam- weder von den Rettern, noch von den Versteckten.

Ministerpräsident Volker Bouffier meinte, in Dieulefit müsse etwas ganz Besonderes sein. Die Stadt habe Geschichte geschrieben mit ihrem Kampf für die Freiheit als ihre tapferen Bürger sowohl passiv wie aktiv Widerstand geleistet hätten.

Dieser Freiheitskampf hatte auch finanzielle Folgen für Dieulefit. Die Stadt war nach Ende des Zweiten Weltkriegs praktisch bankrott, da so viele Menschen über Jahre hinweg mit ernährt werden mussten. „Was kostet Humanität“, fragte daher Tüne. Die Stadt habe massive ökonomische Verluste in Kauf genommen zum Erhalt der eigenen Humanität. Gerade in Zeiten in denen Europa nur noch über Bankenkrisen und Rettungsschirme definiert wird, ist es an der Zeit wieder daran zu denken. „Es darf auch mal was kosten“, so Tüne, „ und man muss auch mal abgeben können!“

Anna Tüne von "Courage gegen Fremdenhass", Bürgermeister Bernd Klein, Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto (von links nach rechts)
Anna Tüne von "Courage gegen Fremdenhass", Bürgermeister Bernd Klein, Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto (von links nach rechts)
Die Ausstellung ist die erste einer geplanten Veranstaltungsreihe unter der Überschrift „Topografien der Menschlichkeit“, in der der Berliner Verein „Courage gegen Fremdenhass“ unterschiedliche Beispiele von Rettungswiderstand dokumentieren will. Sie wurde von Anna Tüne gemeinsam mit Prof. Bernard Delpal und dem Verein Patrimoine, Memoire et Histoire du Pays de Dieulefit (PHM) erarbeitet, und wird von der Kreisvolkshochschule des Landkreises Gießen, vom Licher Verein für Städtepartnerschaften und dem Förderverein der Stadtbibliothek Lich mitgetragen, und ist somit ein echtes deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt.

Die Ausstellung „Rettungswiderstand in Dieulefit“ ist noch bis zum 17. März 2013 im Haus der VHS in Lich zu sehen.
Der Katalog zur Ausstellung, herausgegeben von Bernard Delpal und Anna Tüne ist im AJZ-Verlag erschienen: ISBN 978-3-86039-030-6

Das Buch „Von der Widerherstellung des Glücks- Eine deutsche Kindheit in Frankreich“ von Anna Tüne, in dem sie ihre Kindheit in der Provence wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt, ist bei Galiani erschienen: ISBN 978-3-86971-013-6

www.topografiendermenschlichkeit.de

Anna Tüne von „Courage gegen Fremdenhass“, Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto (von links nach rechts)
Anna Tüne von "Courage gegen Fremdenhass", Bürgermeister Bernd Klein, Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto (von links nach rechts)
Lichs Bürgermeister Bernd Klein, Dieulefits Bürgermeisterin Christine Priotto und Ministerpräsident Volker Bouffier (von links nach rechts) mit Besuchern der Vernissage
Anna Tüne von „Courage gegen Fremdenhass“ (Mitte)
Die Ausstellung stieß auf reges Interesse

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