Bürgerreporter berichten aus: Lich | Überall | Ort wählen...

Organspende: Transplantationsbeauftragter Dr. Stertmann an der DBS Lich

Begegnung: Dr. Stertmann und Auditorium
Begegnung: Dr. Stertmann und Auditorium
Lich | Weshalb sollen sich Schülerinnen und Schüler mit der Frage auseinandersetzen, ob sie bereit wären, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen?

Als Transplantationsbeauftragter und aktiver Transplantationschirurg der Universität Gießen hielt Dr. Stertmann am Montag, 11. Juni 2012 an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich einen Vortrag über Organspende. Begrüßt wurde er von dem amtierenden Schulleiter Herrn Blasini und dem organisierenden Lehrer Herrn Zeiler, die die Bedeutung des Themas für die Lernenden hervorhoben, denn jeder Mensch wird sich in Zukunft über die Krankenkassen mit der Frage konfrontiert sehen, ob er als Spender in Frage kommen möchte.

Während ca. 80% der Menschen in Deutschland im Notfall gern ein Organ annehmen würden, haben nur 18-20% einen Organspendeausweis, in dem sie ihre Spendebereitschaft festgelegt hätten, erläuterte Herr Stertmann. Entsprechend gäbe es deutlich zu wenig Spender. Die Kliniken sähen eine Lösung des Problems vor allem in der so genannten „Widerspruchslösung“ (Stertmann), bei der ein Einverständnis solange vorausgesetzt wird, solange der Betreffende nicht einen Widerspruch
Mehr über...
formuliert. Die (künftige) Rechtsprechung geht allerdings von einer Anregung über die Krankenkassen aus, sich in der Frage der Organspende in Form einer Erklärung dafür oder dagegen auszusprechen. Bei beiden Modellen spielt darüber hinaus der Wille der Angehörigen zusätzlich eine große Rolle.

Bevor ein Mensch für hirntot erklärt wird und als Spender in Frage kommt, müssen Herrn Stertmann zufolge diese Bedingungen gegeben sein: Erst wenn sowohl Großhirn, Kleinhirn als auch Stammhirn ausgefallen sind, kann der Hirntod festgestellt werden, gleichzeitig muss eine stabile Kreislaufsituation bestehen. Nach 8-10 Minuten vollständiger Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr zum Gehirn kommt es zum Erlöschen aller Hirnfunktionen. Erst jetzt können die Untersuchungen zur Feststellung des Hirntodes durchgeführt werden, die zweite Hirntoddiagnostik erfolgt nach weiteren 24 stunden. Diverse Tests überprüfen, wie etwa der Wattestäbchentest am Augenlid, ob noch reflexartige Reaktionen des Körpers vorhanden sind, die auch bei tiefer Bewusstlosigkeit noch funktionieren. Die Hirntoddiagnostik wird unabhängig voneinander von zwei Ärzten durchgeführt, um Fehler auszuschließen. Ein Spender kommt jedoch nur als solcher in Betracht, wenn neben dem Hirntod der Herzkreislauf noch arbeitet und die anderen Organe noch mit Blut / Sauerstoff versorgt.

nachdenkliche Gesichter während des Vortrags
nachdenkliche Gesichter während des Vortrags
Dr. Stertmann führte aus, wie schwer es für die Angehörigen eines Hirntoten ist, wenn sie zunächst erfahren, dass ihr Verwandter nun hirntot und in diesem Sinne verstorben ist, und dann in kürzester Zeit entscheiden müssen, ob Organe für Spendenzwecke entnommen werden dürfen. Er veranschaulichte dies, indem er die Temperatur des potenziellen Spenders ins Spiel brachte: Wenn die Angehörigen von der Situation erfahren, hat der Mensch noch in der Regel eine Temperatur von 36 Grad. Er fühlt sich entsprechend nicht tot an. Ob die Situation in vollem Ausmaß als real begriffen werden kann, bleibt offen. In diesem Moment schon, in tiefstem Schmerz, müssen die Angehörigen nun existenzielle Entscheidungen über eine Organentnahme treffen. Heute wird dabei angesprochen, ob sich der Verstorbene vor anderen zu Lebzeiten zu dieser Frage geäußert hat. In Zukunft soll der Anteil derjenigen, die ihre Position dazu schriftlich fixiert haben, erhöht werden. Letztendlich nimmt ein ausgefüllter Organspendeausweis den Angehörigen auch ein wenig Verantwortung darüber ab, den Verstorbenen im Nachhinein richtig einschätzen zu müssen. Ein Verweis auf die kurzen Fristen für Organentnahme, Transport und Verpflanzung machte deutlich, wie wenig Zeit im Ernstfall bleibt. Herr Stertmann betonte, dass täglich drei bis vier Patienten sterben, weil kein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht.

Die Nachbesprechung des Vortrags verlief sehr rege. In Rückfragen der Schülerinnen und Schüler wurden vor allem technische Vorgänge und Möglichkeiten angesprochen. Auch die Wege, die Spenderorgane nehmen, waren von Interesse, ebenso wie die genaue Feststellung des Todes. Es wurde nachgefragt, inwiefern man welche Organe als Lebendspende geben kann (z.B. Niere, Lunge). Insgesamt gingen die Jugendlichen mit vielen Anregungen nach Hause, die dort weiter diskutiert werden können.

Begegnung: Dr. Stertmann und Auditorium
Begegnung: Dr. Stertmann... 
nachdenkliche Gesichter während des Vortrags
nachdenkliche Gesichter... 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Die ausgezeichneten Schülerinnen und Schüler mit ihren Urkunden und Sonnenblumen 2. von links in der 3. Reihe ist Schulleiter Norbert Kissel, der nimmer müde wird, auch solch wichtige Kompetenzen zu fördern, auszuzeichnen und der Öffentlichkeit kundzutun
Auszeichnung für soziales Engagement im Schulaltag
Bevor am letzten Schultag die Jahreszeugnisse verteilt und die über...
Die Schülerinnen mit den besten Abschlussnoten (von links): J. Görres, N. Verworrn, J. Gerhardt, E. Quiring, L. Fuss
Bereit zum Absprung – Realschüler von Francke-Schule verabschiedet
Einen besonderen Jahrgang verabschiedete die...
Ein Foto von Gastleserin Conni Hörnig beim vorlesen der Geschichte Michel aus Lönneberga in der Suppenschüssel
Kunterbunte Astrid Lindgren Lesenacht
Knapp 40 Kinder der Grundschule Langsdorf lauschten bei der...
the Keller Theatre startet mit "Thriller of the Year" in die neue Spielzeit, Premiere am Freitag, 07.10.2016
Gillian Howard, eine erfolgreiche Krimiautorin, kehrt eines Abends...
Erweiterungsbau für Mensa und 6 weitere Räume
Limesschule bekommt Erweiterungsbau
Wer dieser Tage den Fortweg zwischen Limes- und Adolf-Reichwein-...
Giulia und Julia (vorne) im Kletterschacht
Klettern, Kerzen, Kuchen, Kanu – vielfältige Projekte an Francke-Schule
„Ich hab eigentlich Höhenangst, aber heute habe ich sie überwunden!“,...
Der Neubau der Erich-Kästner-Schule. „Rund zehn Millionen Euro hat der Landkreis als Schulträger investiert“, erläutert Dr. Christiane Schmahl als Schuldezernentin im Landkreis Gießen. Foto: Ralf Heidenreich, Darmstadt
Architekt und Bauherrin erläutern Besonderheiten am Neubau der Erich-Kästner-Schule: Geöffnete Pforten am Tag der Architektur, 25. und 26. Juni
Unter dem Motto „Architektur für Alle“ öffnen am 25. und 26. Juni...

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Jens Zeiler

von:  Jens Zeiler

offline
Interessensgebiet: Lich
Jens Zeiler
61
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Dietrich-Bonhoeffer-Schule Lich setzt positiven Weg fort
Erneut gestiegene Anmeldezahlen - Gute Arbeit wird anerkannt Waren...
The Young Americans an der DBS in Lich – drei Tage Workshop und große Abschlussshow
Vierter Besuch der Young Americans an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule...

Weitere Beiträge aus der Region

Die Geschichte der sozialen Medien
Soziale Netzwerke sind allgegenwärtig. Ob beruflich oder in der...
Keiko Sasaki vom Verein Kendo Lich hat sich den ersten Platz im Frauen-Turnier gesichert.
Licherin holt Sieg beim 20. Kendo Adventsturnier
Wilde Gefechte in der Licher Dietrich-Bonhoeffer-Halle: Das nunmehr...
TV Langsdorf ehrt Mitglieder für 50, 60 u. 70 Jahre Treue zum TVL
TV Langsdorf ehrt langjährige Mitglieder
Am Sonntag, 2. Advent, hatte der TV Langsdorf zu einem festlichen...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.