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Organspende: Transplantationsbeauftragter Dr. Stertmann an der DBS Lich

von Jens Zeileram 11.06.20121317 mal gelesenkein Kommentar
Begegnung: Dr. Stertmann und Auditorium
Begegnung: Dr. Stertmann und Auditorium
Lich | Weshalb sollen sich Schülerinnen und Schüler mit der Frage auseinandersetzen, ob sie bereit wären, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen?

Als Transplantationsbeauftragter und aktiver Transplantationschirurg der Universität Gießen hielt Dr. Stertmann am Montag, 11. Juni 2012 an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich einen Vortrag über Organspende. Begrüßt wurde er von dem amtierenden Schulleiter Herrn Blasini und dem organisierenden Lehrer Herrn Zeiler, die die Bedeutung des Themas für die Lernenden hervorhoben, denn jeder Mensch wird sich in Zukunft über die Krankenkassen mit der Frage konfrontiert sehen, ob er als Spender in Frage kommen möchte.

Während ca. 80% der Menschen in Deutschland im Notfall gern ein Organ annehmen würden, haben nur 18-20% einen Organspendeausweis, in dem sie ihre Spendebereitschaft festgelegt hätten, erläuterte Herr Stertmann. Entsprechend gäbe es deutlich zu wenig Spender. Die Kliniken sähen eine Lösung des Problems vor allem in der so genannten „Widerspruchslösung“ (Stertmann), bei der ein Einverständnis solange vorausgesetzt wird, solange der Betreffende nicht einen Widerspruch
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formuliert. Die (künftige) Rechtsprechung geht allerdings von einer Anregung über die Krankenkassen aus, sich in der Frage der Organspende in Form einer Erklärung dafür oder dagegen auszusprechen. Bei beiden Modellen spielt darüber hinaus der Wille der Angehörigen zusätzlich eine große Rolle.

Bevor ein Mensch für hirntot erklärt wird und als Spender in Frage kommt, müssen Herrn Stertmann zufolge diese Bedingungen gegeben sein: Erst wenn sowohl Großhirn, Kleinhirn als auch Stammhirn ausgefallen sind, kann der Hirntod festgestellt werden, gleichzeitig muss eine stabile Kreislaufsituation bestehen. Nach 8-10 Minuten vollständiger Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr zum Gehirn kommt es zum Erlöschen aller Hirnfunktionen. Erst jetzt können die Untersuchungen zur Feststellung des Hirntodes durchgeführt werden, die zweite Hirntoddiagnostik erfolgt nach weiteren 24 stunden. Diverse Tests überprüfen, wie etwa der Wattestäbchentest am Augenlid, ob noch reflexartige Reaktionen des Körpers vorhanden sind, die auch bei tiefer Bewusstlosigkeit noch funktionieren. Die Hirntoddiagnostik wird unabhängig voneinander von zwei Ärzten durchgeführt, um Fehler auszuschließen. Ein Spender kommt jedoch nur als solcher in Betracht, wenn neben dem Hirntod der Herzkreislauf noch arbeitet und die anderen Organe noch mit Blut / Sauerstoff versorgt.

nachdenkliche Gesichter während des Vortrags
nachdenkliche Gesichter während des Vortrags
Dr. Stertmann führte aus, wie schwer es für die Angehörigen eines Hirntoten ist, wenn sie zunächst erfahren, dass ihr Verwandter nun hirntot und in diesem Sinne verstorben ist, und dann in kürzester Zeit entscheiden müssen, ob Organe für Spendenzwecke entnommen werden dürfen. Er veranschaulichte dies, indem er die Temperatur des potenziellen Spenders ins Spiel brachte: Wenn die Angehörigen von der Situation erfahren, hat der Mensch noch in der Regel eine Temperatur von 36 Grad. Er fühlt sich entsprechend nicht tot an. Ob die Situation in vollem Ausmaß als real begriffen werden kann, bleibt offen. In diesem Moment schon, in tiefstem Schmerz, müssen die Angehörigen nun existenzielle Entscheidungen über eine Organentnahme treffen. Heute wird dabei angesprochen, ob sich der Verstorbene vor anderen zu Lebzeiten zu dieser Frage geäußert hat. In Zukunft soll der Anteil derjenigen, die ihre Position dazu schriftlich fixiert haben, erhöht werden. Letztendlich nimmt ein ausgefüllter Organspendeausweis den Angehörigen auch ein wenig Verantwortung darüber ab, den Verstorbenen im Nachhinein richtig einschätzen zu müssen. Ein Verweis auf die kurzen Fristen für Organentnahme, Transport und Verpflanzung machte deutlich, wie wenig Zeit im Ernstfall bleibt. Herr Stertmann betonte, dass täglich drei bis vier Patienten sterben, weil kein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht.

Die Nachbesprechung des Vortrags verlief sehr rege. In Rückfragen der Schülerinnen und Schüler wurden vor allem technische Vorgänge und Möglichkeiten angesprochen. Auch die Wege, die Spenderorgane nehmen, waren von Interesse, ebenso wie die genaue Feststellung des Todes. Es wurde nachgefragt, inwiefern man welche Organe als Lebendspende geben kann (z.B. Niere, Lunge). Insgesamt gingen die Jugendlichen mit vielen Anregungen nach Hause, die dort weiter diskutiert werden können.

Begegnung: Dr. Stertmann und Auditorium
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nachdenkliche Gesichter während des Vortrags
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