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Lich - Ein ganz anderer Gottesdienst! - 2."Gesprächsgottesdienst" mit Herrn Thorsten Schäfer-Gümbel über das Thema "Gerechtigkeit"

Lich | Am Sonntag, dem 19. Februar 2012 um 10:30 Uhr fand im Gemeindehaus der evangelischen Marienstiftsgemeinde in Lich der 2. "Gesprächsgottesdienst" mit Herrn Thorsten Schäfer-Gümbel mit dem Thema "Gerechtigkeit" statt.
Den Gottesdienst hielten Frau Pfarrerin Lang und Herr Pfarrer Neumeier. An der Orgel spielte Herr Christof Becker.
Bei vollbesetztem Gemeindehaus bedankte sich Herr Schäfer-Gümbel bei dem Kirchenvorstand dafür, die Gast-Predigt halten zu dürfen und beginnt seine Predigt mit der Lesung aus dem Matthäus-Evangelium Kapitel 20, Verse 1-16, "Von den Arbeitern im Weinberg!"
Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Er wurde einig mit den Arbeitern und versprach ihnen einen Silbergroschen als Lohn und später fand er auch weitere Arbeiter für den selben Lohn, am Abend sagte er zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Die aber den ganzen Tag gearbeitet hatten, fanden es unrecht, dass die zuletzt gekommenen den selben Lohn erhielten. Der Hausherr sagte aber: Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht, nimm, was dein ist, und geh! Habe ich nicht die Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist?
So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

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Herr Schäfer-Gümbel stellt einen Vergleich zur heutigen Zeit mit der Licher Brauerei her. Warum sollte ein Arbeiter, der nur 1 Stunde am Abend gearbeitet hat, genauso viel verdienen wie einer der den ganzen Tag hart seiner Arbeit nachgegangen ist? Das ist doch eigentlich ungerecht!
Im religiösen und übertragenen Sinne des Gleichnisses ist der Hausherr Gott, der jeden Menschen gleich behandelt. Gottes Liebe zu den Menschen wird in dieser Perspektive zur wirklichen Gerechtigkeit. Es gibt keine Ungleichheit bei der Gerechtigkeit im Sinne der Religion.
Du bist weil du bist, nicht weil du ein Vorstandsmitglied oder ein Hartz-IV Empfänger bist. Es wird hier kein Unterschied gemacht.

Herr Schäfer-Gümbel möchte eine Übersetzung des Gleichnisses von den Arbeitern aus dem Weinberg aus seiner Sicht in die heutige Zeit übertragen.
Ein gerechter Mindest-Lohn für jeden Arbeitstätigen ist keine Ungerechtigkeit.
1000 Familien im Landkreis Gießen gehen regelmäßig zur "Tafel",
mehr als die Hälfte aller unter 30-Jährigen arbeiten im Niedriglohnsektor und
jede dritte Frau in Hessen arbeitet für Niedriglohn und kann nicht das Existenzminimum der Familie sichern!

Nach dem Artikel 1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar. Die Aufgabe und Verpflichtung des Staates besteht darin, jeden Menschen zu berücksichtigen. Es geht nicht um die formale Gerechtigkeit, sondern darum, das derjenige der auch am Ende des Tages kommt um seinen Lohn abzuholen, gleich behandelt wird.
Die göttliche Macht macht keinen Unterschied zwischen den Menschen. Man soll den Menschen so nehmen wie er ist. Wir haben die Pflicht, dem göttlichen Auftrag der Gerechtigkeit näher zu kommen.
Abschließender Satz von Herrn Schäfer-Gümbel:
"Du brauchst nicht die Ellenbogen um dich durchzusetzen, du darfst anklopfen und die Tür wird geöffnet!"

Nach der Gastpredigt stellt die Gemeinde noch einige Fragen, die Herr Schäfer-Gümbel beantwortet. Eine Besucherin des Gottesdienstes gibt noch eine frohe Botschaft bekannt. Egal, ob ich als Kind zu Gott gefunden habe, oder erst als Erwachsener meinen Glauben zu Gott lebe. Unser Gott hat die Arme immer für mich geöffnet!

Mit dem Segen durch Herrn Pfarrer Neumeier endet der Gottesdienst und beim anschließenden Kaffee oder Tee mit Plätzchen wird noch anregend weiter über das Thema "Gerechtigkeit" mit dem Gast Herrn Schäfer-Gümbel diskutiert.

 
 

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