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Bilder und Geschichten vom Limes in Lich

Limes-Wanderung der Licher CDU
Limes-Wanderung der Licher CDU
Lich | Am Samstag, den 05. März 2011 fand auf Einladung des CDU-Stadtverbandes Lich auf dem Kastellgelände „Alteburg-Arnsburg“ eine Führung am Licher Limes mit neuen Bildern und Geschichten vom Limes statt.

Ernst Otto Finger aus Lich, Mitglied der Archäologischen Gesellschaft Hessen e.V. in Frankfurt, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden und Beirat der Limes-Stiftung Lich, beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte der Kelten und Römer in unserer Heimat und hat dazu umfassendes Bildmaterial zur Demonstration der römischen Vergangenheit hier in Germanien und dem Land der Chatten, das heisst der Hessen zur Verfügung.

Bei der Führung konnte zum ersten Mal die neue geophysikalische Prospektion (eine Graustufendarstellung der Geoelektrik und der Geomagnetik) der Archäologischen Gesellschaft Hessen gezeigt werden. Eine kleine Sensation stellt dabei die Tatsache dar, daß selbst der Siedlungsbereich – von Fachleuten „Vicusbereich“ genannt - in Arnsburg eine eigene „römische Stadtmauer“ hatte.

Wäre die Varus-Schlacht 9 nach Chr. in Norddeutschland bei Onabrück anders verlaufen,
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hätte das um 9 – 6 Jahre vor Christus von den Römern gegründete Lahnau-Waldgirmes eine so bedeutende römische Stadt wie Mainz, Köln oder Trier werden können. Die Funde von 2009 in Waldgirmes (Pferdekopf) deuten darauf hin, daß hier ein ziviles Verwaltungszentrum als Hauptort einer römischen Provinz „Germania“ geplant war. Nach der verlorenen Schlacht im Teutoburger Wald haben die Römer aber auch Waldgirmes geräumt und sich wieder hinter den Rhein zurückgezogen.

Erst als etwa 83-96 n. Chr. die Wetterau von den Römern wieder in Besitz genommen worden war, begann unter Kaiser Domitian das Schlagen von Schneisen durch die Germanischen Wälder als „Vorarbeiten“ zum späteren Bau des Limes durch die Kaiser Trajan und Hadrian. Jeder Römische Kaiser hinterließ bis 260 n. Chr. „seine Spuren“ am römischen Bauwerk.

Letztlich verlief der Limes über 550 km von Rheinbrohl bei Remagen am Rhein bis nach Kehlheim bei Regensburg an der Donau. Gesichert wurde er mit 900 Wachttürmen, 60 Kastellen und etwa 60 Kleinkastellen, die mit ca. 35.000 Soldaten besetzt waren.

Auf viele Fragen gab Herr Finger plausible Antworten. So wurde dargestellt, wie die verschiedenen Bauphasen der Türme und Kastelle abgewickelt wurden, warum der frühere Flechtwerkzaun vor der Palisade verlief und weshalb Wall und Graben hinter der Palisade gebaut wurden. Weiterhin wurde verständlich erklärt, welche Bedeutung die bis zu 5 Vorlimes-Lager oberhalb des Kastells Alteburg-Arnsburg in Richtung Holzheim und Dorf Güll hatten, weshalb es zwischen dem Licher Hardtwald und der Untermühle in Hungen einen zweifachen Palisadenzaun gab und ob diese Palisadenzäune gleichzeitig oder nacheinander gebaut wurden.


Im Detail wurden der Lebensstandard der Soldaten und ihre Badegewohnheiten erörtert. Auf die römischen Badeanlagen wurde in den Kastellen nicht verzichtet, was hier in der Region in Ausgrabungen in Ortsmitte Echzell dokumentiert ist. Auch für Unterhaltung mußte gesorgt werden, damit es den Soldaten beim eintönigen Wachdienst nicht langweilig wurde. So gibt es auch am Kastell Arnsburg ein Amphitheater.

Weiterhin wurde bei der Wanderung auch eine Nachbildung des „Arnsburger Hahns“ gezeigt, welcher im Original im Siedlungsbereich von Arnsburg gefunden wurde, und der jetzt von der Limes-Stiftung Lich rekonstruiert und wieder hergestellt wird. Er ist jetzt käuflich von jedermann mit einem erklärenden Büchlein zu erwerben.

Mittlerweile wurde das Gelände des Kastells Alteburg-Arnsburg sowie das des Römischen Bades und des Amphitheaters durch die Archäologische Gesellschaft Hessen e.V. in Frankfurt angekauft. Damit ist sichergestellt, daß auf dem Gelände keine Landwirtschaft mehr betrieben wird. Eine Bebauung ist damit zukünftig auch nicht mehr möglich.

Die weitere Wanderung führte die Gruppe dann zum Megalithengrab der „Heiligen Steine“ bei Lich-Muschenheim. Hier mußten sich die Wanderer in die Zeit vor 5.000 Jahren zurückversetzten. Während der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit hatten die Menschen nur Tierknochen und Steine zur Verfügung. Metall gab es noch nicht ! Die Menschen waren von Jägern und Sammlern zu Ackerbauern und Viehzüchtern geworden. Sie wurden sesshaft, entwickelten Keramikgefäße, bauten Häuser und bestatteten ihre Toten. Die „Heiligen Steine“ sind ein Steinkistengrab. Die Grabanlage auf dem Wetterbergskopf deutet auf eine hochgestellte Person, einen Häuptling hin.

Diese Anlage gehört eigentlich nicht in unsere Gegend. Deshalb nimmt man an, daß diese Sippe aus Burgund eingewandert ist und „wie zuhause“ hier ihre Grabanlage gebaut hat.

Die gesamte Anlage war ursprünglich mit Erde bedeckt. Rundherum war ein Kreis aus Steine aufgestellt. Er diente als „Schutzwall“ für die Lebenden vor dem Toten. Zum zweiten sollte die aufgefüllte Erde nicht abrutschen. Im inneren bestand die Anlage aus aufgestellten Steinen. Drei Deckensteine überdachten die eigentliche Grabkammer. Von den drei Deckensteinen sind zwei aus Quarzit und der mittlere mit fast 7 Tonnen Gewicht aus Konglomeratgestein ( in der Geologie: klastisches Sedimentgestein aus mindestens 50 % gerundeten Komponenten ).
Auf der nördlichen Seite befindet der mit Steinsetzung eingefasster Zugang zur eigentlichen Grabkammer. An der Grabanlage steht der einst zerbrochene Menhir, der vermutlich oben auf dem Grabhügel gestanden hat.

Bereits 1873 und 1913 hatte man hier Grabungen vorgenommen und die Anlage fälschlicherweise der Römern zugeordnet. Die Steine wurden - je nachdem wie man es für seine Theorie benötigte - im Gelände verteilt. Die Anlage wurde weitgehend zerstört. Lange Zeit lagen die Steine auf einem Holzgestell und die Anlage war fürchterlich anzusehen.


Erst in der letzten Grabung von Prof. Menke 1989 stellte man den ursprünglichen Zustand wieder her. Die Steine wurden mit Eisenbolzen wieder zusammengesetzt. Die Deckensteine wurden wieder auf die dafür vorgesehenen senkrechten Steine aufgelegt. Auch der ursprünglich senkrecht stehende Menhir wurde „repariert“ und 2003 wieder senkrecht aufgestellt.


Mit einer gezielten Auswahl von eigenen Kartenausschnitten, eigenen Bildern und kleinen Anekdoten ist es dem Referenten Ernst Otto Finger gelungen, anschauliche Beispiele für die Bedeutung des Limes und seine Schauplätze in unserer Heimat und die „Heiligen Steine“ aus der Vorzeit zu vermitteln.

Herrn Finger und der Familie Lischka, auf deren Hofgut anschliessend die Wanderung ausklang, wurde von der Stadträtin Barbara Kröger im Namen der CDU-Ortsgruppe Lich und der Mitwanderer herzlich gedankt.

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