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Lich bleibt den "Fantastischen Vier" "troy"

Lich | Aus den einstigen milchgesichtigen Jungs mit schräg aufgesetzter Baseballkappe und bunten Trainingsanzügen sind erwachsene und reife Männer geworden. Wer mit den "Fantastischen Vier" immer noch deren 1992er-Hit "Die da?!" verbindet, hat ein ganzes Kapitel deutscher Musikgeschichte verpasst. 20 Jahre hatten die "Fantas" Zeit, zu reifen und ihre Musik weiterzuentwickeln. Und so sind die Vier heute mehr als nur eine von vielen deutschsprachigen Hip-Hop-Gruppen: Sie sind wahre Musikpioniere und Wegbereiter für eine ganze Szene. Ein Potpourri ihres musikalischen Schaffens präsentierten die Stuttgarter Thomas D, Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon am Samstagabend auf dem großen Open-Air-Konzert im Licher Schlosspark, bei dem laut Veranstalter knapp 8000 Fans zur Musik ihrer Idole feierten. Ein Blick auf den Platz ließ an dieser Zahl ein wenig zweifeln, gab es schließlich auch noch Tickets an der Abendkasse. Eine genaue Zahl mag aber ob der großen Breite des Konzertgeländes mit bloßem Auge nur schwer zu schätzen sein.
Dass die "Fanta 4" Wegbereiter einer ganzen Kultur sind, und mittlerweile zu den Urgesteinen gehören, zeigte
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sich am Samstagabend nur allzu deutlich. Pünktlich um 20 Uhr legte Keyboarder und Produzent And.Ypsilon mit dem instrumentalen Intro "Mission Ypsilon" los. Überzeugend war vor allem die Bühnenshow des Quartetts: Neben einer gigantischen Lichtshow setzten die "Fantas" vor allem auf einen glasklaren Sound - selbst bei den schnellsten Rap-Passagen waren alle Texte lupenrein zu verstehen. Knapp zwei Stunden sorgten die Urgesteine des deutschen Raps unter sternenklarem Himmel für Stimmung im Schlosspark und bewiesen, dass Hip Hop weder gewaltverherrlichend noch voller Fäkalsprache sein muss, wie das bei der jüngsten Generation deutsche Rapper wie Bushido, Sido oder Fler der Fall ist. Stattdessen zeigten die "Fantastischen Vier" ihre gesamte musikalische Bandbreite, denn in den 20 Jahren ihres Schaffens haben sie Vieles ausprobiert - vom Unplugged-Konzert in der Höhle bis zum Auftritt in diesem Juli mit einem großen Orchester auf der Cannstatter Wasen in ihrer Heimatstadt. Und auch die verschiedensten Einflüsse spiegeln sich in der Musik der "Fantas" wider: Mal Rock, mal Crossover, mal Elektro und mal Funk. Außerdem liehen namhafte Künstler wie Herbert Grönemeyer der Gruppe ihre Stimme. So vielseitig wie ihre Platten sind, zeigte sich
die Hip-Hop-Formation auch in Lich: Von alten Rap-Hits wie "Populär", "Sie ist weg" oder "Der Picknicker" bis hin zum orchestrierten "Spießer": Hier wurden alle Facetten dargeboten, die die Gruppe zu bieten hat. Auch mit Zitaten geizen die Stuttgarter Rapper nicht, und binden neben "Rage against the Machines" "Killing in the name" gerne auch einmal eigene Solohits wie Thomas Ds "Rückenwind" in die Songs ein.
Etwas dröge kam "Krieger" daher, das Thomas D in Nebel- und Lichtschwaden gehüllt mit freiem Oberkörper ganz in Manier seines Titelhelden darbot. Dennoch fehlte es dem Stück trotz kriegerischem Trommelintro auf der Bühne an Atmosphäre. Richtig Partystimmung kam erstmals beim alten Klassiker "Was geht" auf, bei dem die Massen auf- und abhüpften. Dennoch: Auch die Fans der "Fanta 4" sind älter geworden, mit der Band gewachsen. Und so war der Schlosspark weniger von jüngeren Kids bevölkert, wie das bei Hip-Hop-Konzerten der neuen Generation der Fall ist, sondern primär mit einem eher gestandenen Publikum. So ging es sowohl während der Einlassphase, als auch während des Konzertes zwar gutgelaunt und begeistert, aber doch eher gesittet zu. "Es war alles total ruhig", freute sich auch Daniel Gerngroß vom Veranstalter LiveActMusic. Allein die gute Organisation seitens der Stadt Lich habe zu einem ruhigen Ablauf schon beim Einlass gesorgt. Zu Zwischenfällen sei es demnach nicht gekommen.
Einziges Manko: Nach noch nicht einmal zwei Stunden war das Konzert vorbei, obwohl die Fans nach einem Zugabenblock mit den tanzbaren Hits "Troy", "Einfach sein" und dem Mitspring-Titel "Populär" vehement weiter Zugaben einforderten. Die Stuttgarter ließen sich jedoch nicht erweichen, noch einmal die Bühne aufzusuchen. So richtete sich die Aufmerksam gen Ende auf den leuchtenden Ballon der Licher Brauerei - eine gute und optisch wirksame Möglichkeit für den Ausrichter des Open Airs, sich auch noch einmal gebührend zu präsentieren. Viel zu lange war es ruhig im Schlosspark, seit 2003 "Reamonn" diese wundervolle Konzert-Location gerockt hatte. Danke an die heimische Brauerei, dass sie diesen wunderbaren und viel zu selten genutzt Spielort wieder reaktiviert hat - scho jetzt darf man sich auf das nächste Schlosspark-Open-Air freuen.

Thomas D. gibt Vollgas.
Schattengestalt: Nur an der Brille ist Thomas D. zu erkennen.
Rapper und Rennfahrer: Smudo.
"Le Smou"
Die Fans gehen ordentlich mit.
Zeig' mir dein Bauch-Tattoo.
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And.Ypsilon: Meister der Tasten und Produzent.
Michi Beck zupft auch schon mal den Bass.

Kommentare zum Beitrag

Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 13.09.2009 um 00:21 Uhr
Weitere Bilder folgen mit dem Bericht. Mir hat es gerade den Chip durchgehauen, jetzt muss erst mal das langsame Recovery-Programm drüberlaufen...
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 14.09.2009 um 13:13 Uhr
Habe die Galerie nochmal um ein paar Bilder ergänzt. Dem Recovery-Programm sei Dank, dass da noch was zu retten war.
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von:  Sabine Glinke

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Sabine Glinke
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