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Briefmarken zu Weihnachten

Lich | Es begann mit dem „pausbäckigen Christuskind“
Seit 50 Jahren: Gutes tun mit Weihnachtsmarken

Seit 50 Jahren kann man in Deutschland Postkarten und Briefe mit Weihnachtsmarken frankieren. Am 13. November 1969 erschienen die ersten beiden Ausgaben, je eine für die Bundesrepublik und Berlin (West), das bis 1990 eigene Postwertzeichen hatte. Die Besonderheit der Weihnachtsmarken: Zusätzlich zum Frankaturwert (derzeit 80 Cent) bezahlt der Käufer einen Zuschlag. Er beträgt jeweils 40 Cent. Wer seine Weihnachtspost mit diesen Marken versieht, tut also doppelt Gutes: Man erfreut den Empfänger mit einem weihnachtlich frankierten Brief und unterstützt durch das „Porto mit Herz“ die Arbeit der Wohlfahrtsverbände, darunter Diakonie und Caritas. Ein Bericht von Christian Starke (Briefmarkenfreunde Lich). Er ist Redakteur bei der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Der Start der Weihnachtsmarken begann mit einem Missgeschick. Die zunächst für Oktober 1969 vorgesehene Ausgabe der Deutschen Bundespost musste zurückgezogen werden. Sie zeigt das Christuskind in der Krippe – allerdings mit überdimensionierten Pausbäckchen.
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Schon gedruckte Marken wurden vernichtet. Allerdings hatten bereits einige Journalisten Exemplare der Marke mit dem Stempel „Muster“ erhalten. Diese Stücke gehören heute zu Raritäten des Sammelgebiets Bundesrepublik mit Handelspreisen um die 2.000 Euro. Die reguläre Weihnachtsmarke ohne Pausbacken (Auflage 13,1 Millionen) kam dann ab 13. November in den Verkauf. Sie kostete zehn Pfennig plus den Zuschlag von fünf Pfennig für wohltätige Zwecke. Man brauchte drei Exemplare für den Standardbrief im Inland. Die Erstausgabe der Deutschen Bundespost Berlin – dort erschienen Weihnachtsmarken bis 1989 – zeigt die Zinnfigur „Die drei Heiligen aus dem Morgenland“. Insgesamt wurden bisher 100 verschiedene Weihnachtsmarken mit Zuschlag (einschließlich West-Berlin) verausgabt. Nicht mitgerechnet sind motivgleiche selbstklebende Marken, die seit 2012 angeboten werden. Sie müssen nicht angefeuchtet werden wie die klassischen Postwertzeichen.

Motive: Vom Jesuskind bis zum Räuchermännchen

Auf den Weihnachtsmarken sind häufig biblische Szenen abgebildet, etwa die Geburt Jesu, die Anbetung der Hirten, die Verkündigung des Engels und die Flucht nach Ägypten. Als Vorlagen dienen unter anderem Kirchenfenster und Gemälde. Teilweise ist aber auch weihnachtliches Kunsthandwerk dargestellt, etwa Nussknacker, Räuchermännchen und Rauschgoldengel. Bis zum Jahr 1988 gab es je eine Weihnachtsmarke mit dem Aufdruck „Deutsche Bundespost“ und „Deutsche Bundespost Berlin“, 1989 jeweils zwei. Im Zuge der Wiedervereinigung entfielen ab 1990 die Berlin-Ausgaben. Um den Wohlfahrtsverbänden finanzielle Einbußen zu ersparen, gab es 1990 und 1991 jeweils vier Weihnachtsmarken mit Zuschlägen in unterschiedlicher Höhe. 1992 erfolgte die Reduzierung auf zwei Motive – jeweils eines für den Standardbrief und die Postkarte. Seit 2012 gibt es nur noch ein Motiv in zwei Versionen (nass- und selbstklebend).

Fast 700 Millionen Weihnachtsmarken verkauft

Ein großer Verkaufserfolg war zuletzt die Weihnachtsmarke von 2018. Sie zeigt einen Ausschnitt aus einem von dem Maler Marc Chagall (1887–1985) gestalteten Fenster in der Kirche St. Stephan in Mainz: Maria mit Kind. Von dieser Marke konnten 3,6 Millionen Exemplare abgesetzt werden, davon gut 2,3 Millionen über die Vertriebskanäle der Deutschen Post und knapp 1,3 Millionen über die Wohlfahrtsverbände. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums – es ist für die Herausgabe der Briefmarken zuständig – wurden seit 1969 fast 700 Millionen Weihnachtsmarken verkauft. Der Zuschlagserlös betrug 119 Millionen Euro. Empfänger sind die in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zusammengeschlossenen Verbände: neben Diakonie und Caritas die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Deren Einrichtungen verkaufen die Marken mit dem Plus und verwenden die Erlöse für eigene Projekte. Dabei engagieren sich auch ehrenamtliche Mitarbeiter. Wem kommen die Gelder aus den Zuschlägen zugute? In Häusern der Diakonie profitieren davon beispielsweise Alte, Kranke und Menschen mit Behinderungen. In Frankfurt/Oder wurde beispielsweise ein barrierefreier Garten für Demenzkranke in einer Tagespflegeeinrichtung finanziert. Das Johanniter-Stift in Wuppertal erhielt einen zusätzlichen Bus. So können die Bewohner mehr Ausflüge unternehmen.

„Eine kleine gute Tat, die Großes bewirken kann“

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege geht von den Weihnachtsmarken, die über die Wohlfahrtsverbände vertrieben werden, der Großteil an Caritas und Diakonie (jeweils etwa 40 Prozent). Die Verteilung der Zuschlagserlöse aus dem Verkauf über die Post erfolge nach einem internen Schlüssel. Dabei komme auch der Solidaritätsgedanke zum Zuge. „Starke“ Verbände unterstützten die „schwachen“ und gäben einen Teil der ihnen eigentlich zustehenden Erlöse ab. Bereits seit 70 Jahren gibt es in der Bundesrepublik Wohlfahrtsmarken, deren Zuschlagserlös ebenfalls karitativen Zwecken zugutekommt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz würdigte die „Plusmarken“ bei der Vorstellung der Weihnachtsmarke 2019 als ein schönes Zeichen der Solidarität: „Jede Marke ist eine kleine gute Tat, die Großes bewirken kann. Es ist ein Angebot für alle, die etwas für andere erübrigen können und möchten.“ Die diesjährige Weihnachtsmarke zeigt ein farbenfrohes Kirchenfenster: die Menschwerdung des Gottessohnes, ein Ausschnitt eines Fensters der Kathedrale Notre-Dame von Chartres in Frankreich. Die Zeitschrift „Briefmarken Spiegel“ kürte sie zur „Marke des Monats November“ – eine gute Wahl.

Dieser Beitrag ist von (c) Christian Starke (Evangelische Nachrichtenagentur idea) und darf mit seiner Genehmigung veröffentlicht werden

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