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Die Not der kleinen Schweine – und das Versagen der Politik

Lich | Das wenige Tage alte Ferkel schreit vor Angst und Schmerz, denn ihm werden gerade bei vollem Bewusstsein und ohne jede Schmerzausschaltung die Hodensäcke aufgeschnitten, die Hoden herausgepuhlt und abgequetscht.
Die Szene spielt nicht in einem Horrorfilm – es ist der alltägliche Horror, der 20 Millionen mal im Jahr in deutschen Schweineställen abläuft!
Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ist zwar bereits vor 5 Jahren auf den Weg gebracht worden, allerdings wurde den Bauern eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2018 eingeräumt. Diese Frist soll jetzt auf Druck der Agrarlobby um weitere 2 Jahre verlängert werden, obwohl es drei tierschutzkonforme Alternativen gibt: Die Ebermast, die Kastration unter Narkose und die Immunokastration.
Die Immunokastration ist eine schmerzlose, unblutige, kostengünstige und seit 20 Jahren erfolgreich eingesetzte Methode, bei der dem männlichen Mastschwein zweimal ein Impfstoff injiziert wird. Die Impfung führt zur Bildung von Antikörpern, die die Produktion des männlichen Sexualhormons und damit den unerwünschten Ebergeruch verhindert.
Weil die Immunokastration nicht nur eine
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sichere, sondern die sanfteste Möglichkeit der „Entmannung“ ist, wird sie vom Friedrich-Löffler Institut, der Tierärzteschaft und allen Tierschutzverbänden favorisiert. Selbst die Verbraucherzentralen und Foodwatch üben keine Kritik, denn das Fleisch der behandelten Tiere ist kein „Hormonfleisch“: Der deutsche Mann kann das Schweinesteak oder die Bratwurst essen, ohne Angst haben zu müssen, impotent zu werden …
Und die Kosten? Liegen unter 3,- Euro pro männlichem Mastschwein, denn eine Impfdosis kostet den Mastbetrieb höchstens 1,48 €. Umgerechnet auf alle Schlachttiere (die Hälfte ist schließlich weiblich), kostet die Immunokastration also nur 1,48 € pro Schlachtier, oder knapp 1,5 Cent pro Kilo Fleisch – ist das etwa zu teuer?
Deutschland produziert das billigste Fleisch in ganz Europa. Nicht der böse Verbraucher giert nach Billigfleisch und fordert ein tierfeindliches „Weiter-so“ – es sind die Branchenriesen in der Fleischindustrie, die alles tun, damit ihre Gewinnmargen hoch bleiben und der Export (40 %) weiter floriert: Zulasten der Tiere, der Umwelt, der bäuerlichen Familienbetriebe und auf Kosten der Steuerzahler, die diesen Wahnsinn auch noch subventionieren müssen.
Während sich die Politik weiterhin am Nasenring der Lobbygruppen vorführen lässt und immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert, hat sich der Markt längst weiterentwickelt:
Der Discounter Lidl beispielsweise kooperiert mit Bioland und stellt sein Ökosortiment auf Bioland-Qualität um – hier werden die Ferkel nicht ohne Betäubung kastriert.
Die Bürger haben es in der Hand: Als Verbraucher durch ihr Konsumverhalten, als Wähler durch ihre Stimmabgabe! Politiker, die sich mehr den Interessen einer Lobbygruppe als den Ansprüchen der Gesellschaft verpflichtet fühlen, sind es nicht wert, gewählt zu werden.
Bundesministerin Klöckner macht gerade in Hessen Wahlkampf und zeigt sich Kuh-streichelnd in einem Vorzeige-Milchvieh-Betrieb. Bilder der Ministerin während einer (betäubungslosen) Kastrationsaktion bei einem Schweinezüchter in einem konventionellen „Ferkel-Erzeuger-Betrieb“ sucht man vergeblich, obwohl die Ministerin auch für Tierschutz zuständig ist – welche Absurdität!
Wer zur Hessenwahl am 28.10.2018 noch immer unentschlossen ist und nach Entscheidungshilfen sucht: „Das Hessische Tierschutzbündnis“ (Landestierschutzverband Hessen, TASSO e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Wildtierschutz Deutschland e.V., Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e. V.) hat die Parteien zu Tierschutzthemen befragt:
Die ausführlichen Antworten sind auf den Homepages der am Tierschutzbündnis Hessen beteiligten Organisationen und auf der Homepage von TierfreundLich e.V. (https://www.tierfreund-lich.de/2018/09/30/tierschutz-check-landtagswahl-2018-in-hessen/) abzurufen.
www.tierfreund-lich.de

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