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Nur eine alte Tasche...

Die alte "Strom-Tasche"
Die alte "Strom-Tasche"
Laubach | Aber eine Ledertasche, mit Geschichte. Eine Geschichte vom Dorf.

Unser Vater/Opa/Schwiegervater Leonhard war von 1965 bis weit in die 1990er Jahre, also über 30 Jahre, nebenberuflich in Gonterskirchen als "Zählerableser" eines hiesigen Energieversorgers unterwegs.

Die Tasche (und zugehörige Geldbörse) war also notwendiges Arbeitsgerät und er hatte beides bereits von seinem Vorgänger Rudolf Rohn, Dorfname "Arms Rudolf", übernommen.
Daher schätzen wir das Alter der Tasche und Geldbörse auf mindestens 50 bis 60 Jahre.

Zum Ablesegebiet gehörten neben dem eigentlichen Dorf (Berg und Tal) auch weiter entfernte Wohngegenden wie Teichhaus- und Wochenendgebiet. In diesen Bezirken wohnten und wohnen nicht nur täglich Anwesende, meist waren/sind es Städter, die dort ihr Wochenend-/Urlaubsdomizil haben und hatten und somit musste der Ableser meist mehrere Anläufe nehmen, denn nur wenige Hausbesitzer hatten einen Außenzähler, um Zählerstände zu erfassen und Beiträge zu kassieren ging nur bei Anwesenheit der Bewohner. Bankeinzug war nicht bekannt. Straßen und Fußgängerwege waren lange Jahre nicht in dem guten Zustand wie es heute als normal angesehen wird. Und man konnte nicht eben mal sein Mobiltelefon zur Hand nehmen und sich so die Arbeit erleichtern.

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So war Leonhard also die vielen Jahre unterwegs, egal wie das Wetter war. Und das lange Zeit auch neben der eigentlichen beruflichen Tätigkeit, was Schichtarbeit und 6 Tage-Woche bedeutete!

Anfangs wurde noch monatlich abgelesen, alles in ein Buch eingetragen. Daheim wurde dann aus dem Buch der jeweilige Zählerstand auf normierte maschinelle Lesekarten fein säuberlich übertragen. Aber nur mit schwarzem Bleistift!

Als Leonhard dann diese Nebenarbeit in hohem Alter aufgab blieb die Tasche und Geldbörse weiter in seinem Besitz, denn ab nun war alles anders mit der Ableserei und der Weitergabe der Daten.

Die Tasche und Geldbörse hatte ausgedient! Nein, nicht ganz, denn heute hängt die Tasche (Geldbörse liegt in der Tasche) an einem alten Schrank und fühlt sich bestimmt wohl, dass wir uns an ihr erfreuen und es für uns alle ein schönes Andenken ist...

Text und Fotos: Margrit Jacobsen

Die alte "Strom-Tasche"
Die alte "Strom-Tasche" 
wichtig dazu die viel benutzte Geldbörse
wichtig dazu die viel... 
Vom Leben gezeichnet
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Erinnerung
Erinnerung 

Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
20.395
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 08.03.2013 um 19:38 Uhr
Erinnerungen an einen harten Job. Noch härter wahrscheinlich, wenn manche Leute nicht zahlen wollte.
Martin Wagner
2.426
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 19:39 Uhr
Ich finde die beiden Exponate sollten mit einer ausführlichen Erklärung dem örtlichen Museum oder dem Museum des Energieversorgers übergeben werden. In ein paar Jahren wissen die "Jungen" nicht mehr, wie die ersten Jahrzehnte der Energieversorgung so organisiert waren.

(Habe gehört da wird eine speckige Bundeswehr - Fallschirmjäger-Mütze imuseumswürdig, nurweil die ein Minister mal getragen hat. Die Aussagekraft der beiden zukünftigen Exponate ist da viel stärker.)
Klaus Lowitz
6.571
Klaus Lowitz aus Reiskirchen schrieb am 08.03.2013 um 19:48 Uhr
Ich finde auch, diese beiden Sachen gehören in ein (Heimat)Museum. Gerade in den heutigen Zeiten einer Überfluß- und Wegwerfgesellschaft haben sie Seltenheitswert.
Martina Lennartz
5.432
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 19:48 Uhr
Nur eine Tasche...die Geschichte trägt und ein liebes Andenken an einen lieben Menschen ist.
Deswegen ist sie doch viel mehr als "nur eine Tasche".
Ich habe selbst auch Andenken von Menschen, die nicht mehr leben, also körperlich bei uns sind, aber durch den Gegenstand- natürlich letzten Endes auch ohne- regelmäßig geistig bei mir sind. Und wenn ich dann diese Dinge sehe, wird mir eben auch wegen der Geschichten warm ums Herz. ;) und sie sind mir ganz nah.
Margrit Jacobsen
8.822
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 08.03.2013 um 20:07 Uhr
Wir haben bei dem Energieversorger angefragt, auch weil wir genauere Daten gerne gehabt hätten, die Antwort war eher "lau" und ohne Interesse. Leider, wir hatten auch auf andere Resonanz gehofft.
Birgit Hofmann-Scharf
10.163
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 21:16 Uhr
Aber liebe Margrit, was brauchst Du Daten vom Energieversorger.
Du hast die Geschichte zur Tasche so lebendig geschrieben, besser hätte sie, selbst mit Zahlen, nicht werden können.
Wunderbare Idee, Eure Tasche erzählen zu lassen.
LG
H. Peter Herold
26.918
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 21:37 Uhr
Schön, dass es noch Menschen gibt die alte Dinge mit Geschichte, meist aus der Familie, bewahren. Eine Seltenheit in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft.
Bernhard Kröger
377
Bernhard Kröger aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 21:49 Uhr
Das Pflegen von Arbeitstraditionen ist ein wichtiges Anliegen. Vielleicht finden sich beim Geschichtsverein Verbündete. Auch Dr. Brake vom Stadtarchiv sollte unbedingt angesprochen werden. Viel Erfolg!
H. Peter Herold
26.918
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 23:12 Uhr
Dr. Brake gute Idee
Christine Weber
7.438
Christine Weber aus Mücke schrieb am 09.03.2013 um 09:55 Uhr
Wenn sie der Stromerzeuger nicht haben will, erfreut Ihr Euch an der alten Tasche. In Deinen Händen wird sie bestimmt noch viele Jahre überleben-
Heike Bitzer
570
Heike Bitzer aus Gießen schrieb am 09.03.2013 um 10:05 Uhr
Ich würde das "Gute alte Stück", an dem so viele Erinnerungen hängen, nicht aus der Hand geben. Es reichen, so wie Du es ja auch getan hast, ein paar Fotos für die Öffentlichkeit und ein schöner Bericht aus dieser Zeit.
Margrit Jacobsen
8.822
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 09.03.2013 um 10:28 Uhr
ja, liebe Christine und Heike, wir halten die guten alten Stücke in Ehren und bei uns. Wenn wir mal nicht mehr sind, dafür werden wir Vorsorge treffen für solche Unikate.
Helmar Hoch
3.260
Helmar Hoch aus Grünberg schrieb am 09.03.2013 um 15:33 Uhr
Sehr schön geschrieben.
ja, früher war vieles beschwerlicher-und trotzdem wurde nicht soviel gejammert wie es die Leute heute tun
Christine Weber
7.438
Christine Weber aus Mücke schrieb am 09.03.2013 um 16:28 Uhr
Die Menschen haben ganz anders gelebt. Die Zeit hat sich doch sehr gewandelt. Es hat aber auch viele Erleichterungen in den Jahren nach dem Krieg gegeben.
Ilse Toth
35.867
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 09.03.2013 um 19:36 Uhr
An dieser Geschichte, die mir sehr gut gefällt, sollten wir erkennen, wie viel besser es uns heute geht. Und trotzdem beschweren sich so viele Menschen.
Ingrid Wittich
20.395
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 09.03.2013 um 19:57 Uhr
Ich höre ab uns zu die Geschichten eines alten Herrn, der früher als "Wassermann" und Kassierer unterwegs war. Daher mein Kommentar vom "Nicht-Zahlen-Wollen." Da musste der Kassierer mitunter mehrmals hin.
Christine Weber
7.438
Christine Weber aus Mücke schrieb am 09.03.2013 um 20:40 Uhr
Ja, Ingrid, so war das früher. Da kam der Kassierer ins Haus. Das kenne ich auch noch.
Birgit Hofmann-Scharf
10.163
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 10.03.2013 um 11:48 Uhr
Wir haben als Jugendliche die ausgetragen Zeitungen ( ich möchte nun keine Werbung machen ) ebenfalls an der Haustür kassiert und uns über 10 -20 Pfennig Trinkgeld gefreut.
Christine Weber
7.438
Christine Weber aus Mücke schrieb am 10.03.2013 um 13:16 Uhr
Ja, Frau Hofmann-Scharf, so ändern sich die Zeiten. Geben Sie heute mal einem Jugendlichen 10 oder 20 Cent Trinkgeld. Der hält Sie für verrückt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Margrit Jacobsen

von:  Margrit Jacobsen

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Interessensgebiet: Laubach
Margrit Jacobsen
8.822
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