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Wenn Mama nicht mehr kann: Mutter-Kind-Kliniken bieten Hilfe

Laubach | Die Mutter-Kind-Vorsorgeklinik „Anne Frank“ im mittelhessischen Laubach ist eine von drei Einrichtungen unter dem Dach des Müttergenesungswerks in Hessen. Die Klinik in Trägerschaft der AWO (Arbeiterwohlfahrt) bietet Müttern, gemeinsam mit ihren Kindern, gesundheitliche Vorsorge, medizini-sche Behandlung, therapeutische Begleitung und qualifizierte Nachsorge bei verschiedenen Erkrankungen und stressbedingten psychosomatischen Symptomen. Um das Engagement des Müttergenesungswerks für die fami-liäre Gesundheit hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere Anke Koch, Frau des ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten, als Schirmher-rin in Hessen verdient gemacht. Dafür wird ihr am 27. Oktober in Bad Nauheim der mit 25.000 Euro dotierte Erika Pitzer Preis 2010 verliehen.
„Seit nunmehr 60 Jahren kümmert sich das Müttergenesungswerk um die Gesundheit von Müttern und leistet so einen unschätzbaren Beitrag zur familiären Gesundheit“, erläutert Bärbel Höhl, Leiterin der Mutter-Kind-Vorsorgeklinik „Anne Frank“ die Mission, die während der vergangenen 20 Jahre auch zu ihrer gewor-den ist. Idyllisch am Rande des Naturparks
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„Hoher Vogelsberg“ im mittelhessi-schen Laubach gelegen, ist die Klinik eine von insgesamt drei Einrichtungen unter dem Dach des Müttergenesungswerks in Hessen. Das Einzugsgebiet ist aber nicht auf Hessen begrenzt: Frauen aus ganz Deutschland kommen gemeinsam mit ihren Kindern hierher, um während einer üblicherweise dreiwöchigen Mutter-Kind-Kur Ruhe, medizinische, therapeutische und oft genug auch emotionale Betreuung und Begleitung zu finden.

Belastung der Frauen ist gestiegen
„Viele der Frauen, die zu uns kommen, haben lange Phasen einer andauernden und dramatischen Überforderung durch Mehrfachbelastungen oder übergangene gesundheitliche Probleme hinter sich. Irgendwann geht dann nichts mehr und eine Auszeit wird im wahrsten Sinne überlebenswichtig“, beschreibt Katja Nicolai, leitende Diplom Psychologin der Klinik, ihre Erfahrungen. Seit mehr als zehn Jahren ist sie Therapeutin in der Laubacher Einrichtung und beobachtet Erschreckendes: „Wir stellen fest, dass die Frauen wesentlich stärker belastet sind und deutlich kränker zu uns kommen, als noch vor wenigen Jahren.“ Im Durchschnitt begäben sich die Frauen heute rund drei bis vier Jahre zu spät in therapeutische Betreuung. Damit steige die Dauer der chronischen
Belastung und die Schwere der Symptome: „Stressfolgeerkrankungen wie Burnout, Angst- und Panikerkran-kungen oder Depressionen haben in den vergangenen Jahren deutlich zuge-nommen“, resümiert die Psychologin. Nicht nur den wachsenden Leistungsdruck, sondern auch die zunehmende Zukunftsangst und die mangelnde Selbstfürsorge der Mütter sieht Katja Nicolai hierfür als Ursache: „Zwar sind Mutter-Vater-Kind-Maßnahmen seit 2007 eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung, dennoch werden immer mehr Anträge abgelehnt, bundesweit derzeit 31 Prozent. Zum Teil dauert es mehrere Monate von der Antragstellung bis zur Durchführung der Maßnahme.“ Einrichtungsleiterin Höhl ergänzt: „Diese Entwicklung bereitet den Trägern des Müttergenesungswerkes große Sorge, denn wissenschaftliche Studien belegen den großen Bedarf an spezifischen Maßnahmen für Mütter. Und nicht zuletzt hängt an der Gesundheit der Mutter immer auch eine ganze Familie.“

Zuerst zur Kurberatungsstelle
Um formale Fehler bei der Beantragung einer Mutter-Kind-Kur zu vermeiden, empfiehlt Bärbel Höhl immer zuerst den Gang zu einer der Kurberatungsstellen, die von den Wohlfahrtsverbänden und Trägern des Müttergenesungswerks wie z.B. der Arbeiterwohlfahrt (AWO) angeboten werden. „Hier erhalten die Mütter Hilfe bei der Antragstellung.“ Gemeinsam mit einem Attest des Hausarztes wird der Antrag dann bei der jeweiligen Krankenkasse eingereicht. Für den Fall einer Ablehnung empfiehlt Höhl, Widerspruch einzulegen, denn: „Etwa die Hälfte aller Widerspruchsverfahren sind erfolgreich“, so Höhl. Auch hier bieten die Kurberatungsstellen Unterstützung an. Seit 2004 kooperiert zudem die Willy Robert Pitzer Stiftung in Bad Nauheim mit den hessischen Mutter-Kind-Kliniken. Nach entsprechender Beratung und Überprüfung können durch die Stiftung 75% der Klinikkos-ten übernommen werden, wenn die Krankenkasse den Antrag ablehnte und auch der Widerspruch nicht zur Bewilligung führte. Damit gibt es jährlich für rund 30 Mütter eine zweite Chance für eine heilsame Auszeit.
Die hatte auch Sabine G. dringend nötig, deren Kurantrag von ihrer Krankenkasse abgelehnt wurde, obwohl die 45-jährige Mutter dreier Söhne nach drei Opera-tionen eine reaktive Depression, Panikstörungen und ein schweres Erschöp-fungssyndrom entwickelte. Die Begründung der Gutachter: Es läge keine außergewöhnliche Belastungssituation vor. Auch der ausführlich begründete Widerspruch blieb erfolglos. Schließlich stellte eine Mitarbeiterin der Kurberatungsstelle den Kontakt zur Willy Robert Pitzer-Stiftung her, die angesichts der Vorgeschichte nicht zögerte, einer Kostenübernahme für eine Mutter-Kind-Maßnahme zusam-men mit dem jüngsten 7-jährigen Sohn zuzustimmen. Lediglich eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag für Sabine G. war nun noch erforderlich. „Durch den Aufenthalt in Laubach habe ich neue Kraft getankt. Die brauche ich dringend für einen Neuanfang. Dafür bin ich der Stiftung sehr dankbar“, kommentiert sie.

Hohe Therapiedichte am "Grünen Meer“
Mit 30 Teil- und Vollzeitkräften bietet die Laubacher Klinik Platz für 14 Mütter und 18 Kinder. Drei Therapeutinnen und eine Ärztin gewährleisten eine optimale ge-sundheitliche und psychologische Betreuung. Das Angebot reicht dabei von der Einzel-, Gruppen- oder Familientherapie über die Krisenintervention bis hin zu Anwendungen wie Massagen, autogenem Training, ayurvedischen Massagen oder Entspannungstherapien. „Durch unseren guten Betreuungsschlüssel können wir eine sehr individuelle und persönliche Begleitung der Patientinnen gewährleisten“, erläutert Leiterin Höhl. Im eigenen Kinderhaus können sich auch die kleinen Begleiter der Mütter gut aufgehoben fühlen. Selbst der Schulbesuch in der Laubacher Grundschule – einen Steinwurf von der Klinik entfernt – ist dank der Hausaufgabenbetreuung im Kinderhaus auch für schulpflichtige Kinder kein Prob-lem. Therapieunterstützend wirkt auch die Lage der Klinik im Luftkurort Laubach am Naturpark Vogelsberg: „Im Gegensatz zum Reizklima vieler Kurorte, die am Meer gelegen sind, haben wir hier das milde Mittelgebirgsklima. Das ist vor allem für Kinder schonender“, erläutert Bärbel Höhl. Ein ganz anderes Meer gibt es aber auch in Laubach, wie die Leiterin stolz berichtet: „Seit dem 1. August 2009 hat der Erlebniswald und natürliche Freizeitpark „Grünes Meer“ seine Pforten geöffnet. Das bietet unseren Patientinnen und ihren Kindern ein unvergleichliches Naturer-lebnis.“

 
 

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