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Niedersachsens jüngster Bürgermeister berichtet

Laubach | „Nach dem Tag meiner Wahl hat das Alter überhaupt keine Rolle mehr gespielt“, berichtete Christoph Meineke (29 Jahre), der vor zwei Jahren Niedersachsens jüngster Bürgermeister wurde und es bis heute ist, am Montag im Solmser Hof in Laubach. Bei seiner Wahl in der mit Laubach vergleichbaren
15.000-Einwohner-Gemeinde Wennigsen bei Hannover war der damalige Amtsinhaber von der CDU nach über 20 Dienstjahren überraschend schon im ersten Wahlgang ausgeschieden. Meineke, der erst sechs Wochen vorher in den Wahlkampf eingestiegen war, siegte in der Stichwahl dann mit über 68 Prozent gegen den SPD-Kandidaten. Seitdem ist er gefragter Gast in Talkshows („Maischberger“) und begehrter Referent bei Tagungen kommunaler Führungskräfte, denn seine ähnlich wie Laubach hoch verschuldete Gemeinde führt er seitdem „erfrischend anders“. Am Montag stellte er sich zusammen mit dem unabhängigen Kandidaten der Laubacher Bürgermeisterwahl, Peter Klug (29), in einer lockeren Talkrunde den Fragen der Moderatoren Günter Stephan
und Dirk Oßwald.
Auf Einladung von Klug und dem ihn unterstützenden Bürgerbündnis interviewten Stephan und Oßwald die beiden jungen Kommunalpolitiker unter dem Motto des Abends „Jung sein in der Politik – Bürde oder Chance?“.
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Meineke berichtete, dass der Versuch seiner Mitbewerber, ihn als unerfahren und damit ungeeignet darzustellen, fehlgeschlagen war. Seit Amtsantritt habe
das Alter keine Rolle mehr gespielt und auch die gestandenen Amtsleiter hätten ebenso wie alle anderen Mitarbeiter der Verwaltung schnell akzeptiert, dass ihr Chef jünger als die meisten von ihnen ist.
„Entscheidend war, dass ich vom ersten Tag an offen, kooperativ, aber auch konsequent mit ihnen umgegangen bin“, machte Meineke deutlich, der die Motivation seines Teams inklusive des Bauhofs aufgrund einer anderen Art der
Personalführung inzwischen erheblich steigern konnte.
Wie aber war bei Meineke bzw. wird bei Klug die Situation im Parlament sein, haben bzw. hätten beide als Unabhängige doch keine eigenen Mehrheiten hinter
sich? „Das Wichtigste ist, dass man auf alle Gruppierungen offen zugeht, viel kommuniziert, alle gleichbehandelt, keinen bevorzugt. Dann kann man ein Klima des Vertrauens aufbauen, in dem sich sachorientiert arbeiten lässt“,
erzählte Meineke. Als Beleg, dass ihm das Aufweichen der Blöcke gelungen ist, nannte er die Ratssitzung in der Vorwoche. „Zwei Drittel der fast 30 Anträge wurden einstimmig beschlossen.“ Klug schloss sich dem an, kündigte
an, mit allen Fraktionen zusammen zu arbeiten – und dauerhaft unabhängig zu bleiben.
Auf die Frage, wie sich das Privatleben bei Meineke im Amt bzw. bei Klug im
Wahlkampf verändert hat, waren die Antworten ähnlich. „Man muss viele Einschränkungen hinnehmen, kann sich aber nach der Einarbeitung auch Freiräume schaffen. Insgesamt ist der Bürgermeisterposten ein sehr erfüllender Job“, unterstrich Meineke. „Meine Familie sieht mich im Moment sehr wenig“, musste Klug bestätigen, doch versuche er sie heute und auch
künftig im Amt überall zu Veranstaltungen mitzunehmen, wo es passt. „Wie war der erste Tag im Amt?“, fragte Stephan erst Christoph Meineke: „Weil zwischen Wahl und Amtsantritt einige Monate lagen, konnte ich mich gut vorbereiten. Am ersten Tag kamen fünf Schornsteinfeger, um mir Glück zu
wünschen. Ab dem zweiten Tag ging’s richtig los und dann fordert der Alltag einen so, dass man kaum zum Nachdenken kommt“. Und wie stellt sich Klug seinen ersten Arbeitstag am Montag, 1. Juni 2009 im Chefzimmer des Rathauses
vor? „Ich hoffe, dass mir die Kolleginnen und Kollegen einen schönen Empfang bereiten. Und genug Zeit zur Vorbereitung bleibt mir ja auch bis dahin.“
Auch in der letzten Frage - „Bürgermeister – eine Lebensaufgabe? Wollen Sie mit 67 Jahren in Wennigsen bzw. Laubach in den Ruhestand gehen?“ – waren sich die Jahrgangskollegen einig: „Das kann man heute nicht beantworten. Gewählt ist man für eine Amtszeit. Die möchte ich mit bestmöglichem Arbeitsergebnis abschließen“, formulierte Meinecke sein Ziel. Und ähnlich Klug: „Da ist es schon Ansporn, als Lohn wiedergewählt werden.“ Bei seinen
2000 Hausbesuchen hätten ihm zwar viele Bürger gesagt, dass zwei Amtszeiten wie beim Bundespräsidenten reichten wegen der Gefahr der spätere Eingefahrenheit. „Aber ein bisschen länger als zwölf Jahre wollte ich in Laubach schon Bürgermeister bleiben", machte er zum Schluss der Talkrunde vor rund 45 Zuhörern mit einem Schmunzeln deutlich.

 
 
 

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