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Als Entwicklungshelfer im Sudan Teil 13

Der Aufstieg beginnt
Der Aufstieg beginnt
Laubach | Ausflug

Am nächsten morgen schauten wir nicht schlecht, es regnete schon mehrere Stunden, so waren wir uns nicht sicher, ob wir den Ausflug antreten sollten. Wir frühstückten und warteten ob das Wetter in der Zeit umschlug, da wenn es aufhörte zu regnen es auch relativ schnell wieder trocken wurde und die Verhältnisse auf den Wegen bis auf wenige Stellen besser wurden, zumindest redeten wir uns das ein.
Die nächste Frage war dann die Frage nach dem Weg. Laut Doc gab es nur eine Straße in diese Richtung, auf halber Strecke wäre er schon mal gewesen, da es dort eine Health-Post unter unserer Leitung gab. Diese von der UNICEF gebaut, wurde von uns ausgebildeten Einheimischen geführt. Gaben bei eindeutigen Anzeichen der Malaria oder Durchfallerkrankung wie Typhus die nötigen Medikamente aus und ersparten so den Patienten tagelange Fußmärsche in unser Krankenhaus. Nach 3 Monaten kamen die Verantwortlichen um neue Medikamente und sonstige Materialien die benötigt wurden zu holen.
So beschlossen wir wenigstens bis zur Health-Post zu fahren um bei der Station zu sehen ob alles in Ordnung ist und vor Ort zu entscheiden wie die Reise ihren Lauf nehmen würde.

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Da der Doc noch niemals zuvor Auto gefahren war, war es mir zu unsicher ihn an diesem Tag fahren zu lassen. Versprach ihm aber das ich ihm es beibringen würde sobald wir zurück waren und das Wetter es zulassen würde. Wir machten uns zu zweit und ohne Dolmetscher auf den Weg, die Fahrt entwickelte sich zu einem anstrengendem und abenteuerlichen Unterfangen. Ehe wir an der Health-Post ankamen sollte uns das erste Schlammloch fast zum Verhängnis werden. Wir blieben unsicher davor stehen und fragte uns wie tief das Loch denn sein könnte. Mit der Warnung der UN im Hinterkopf die Straßen nicht zu verlassen da die Gefahr mit den Mienen bestehen würde nahmen wir das Loch mittig und hatten Glück. Die Räder drehten trotz Allrad durch und wir kämpften uns durch das Loch bis auf die andere Seite.

An der Health-Post angekommen fanden wir zuerst keinen vor, nachdem wir einen Einheimischen auf die Suche nach den Verantwortlichen schickten, kam dieser kurz darauf von einem nahegelegenen Wasserloch. Wir sprachen kurz über die Situation der Station und versprachen am nächsten Tag zurück zu kommen um ihn mit zum Krankenhaus mit zu nehmen und benötigte Medikamente auszugeben.

Da die Straßenverhältnisse
...und wird mit einem wunderbaren Ausblick belohnt...
...und wird mit einem wunderbaren Ausblick belohnt...
und das Wetter gut ausschauten beschlossen wir uns auf den Weg zu machen und weiter Richtung Kurchi zu fahren. Die Straßenlage war auch wie erwartet besser und kamen gut voran. Bis auf einmal nach einer Biegung, Bremsen reichte nicht mehr ganz…Standen wir in einem riesigen Schlammloch. Gas geben reichte nicht, Bremsen reichte nicht, jetzt standen wir mitten drin. Der Doc und ich sahen uns an und mussten wegen der Misere erst mal lachen. Ich sagte ihm wir hätten ein Problem wenn wir nicht aus dem Loch kommen würden, da wir keine Seilwinde am Auto hatten womit wir uns hätten rausziehen können.

Wir stiegen erst mal aus dem Pickup, der Doc hatte Gummistiefel und versank bis über die Knöchel im Schlamm, ich hangelte mich über die Trittbretter auf die Ladefläche des Pickups und wir versuchten uns zuerst mal einen Überblick über die hineingeratene Situation zu machen.
Uns blieben nur wenige Möglichkeiten. Das Auto irgendwie ohne Fremde Hilfe sofort aus dem Loch zu bekommen oder eine Nacht im Auto verbringen und Hoffen das es nicht weiter regnete. Im Auto übernachten galt aber als gefährlich, wir duften unsere Situation nicht unterschätzen da wir uns ja immer noch mitten in einem Kriegsgebiet befanden. Wenn uns Milizen erwischten
...über Trampelpfade am Abgrund vorbei...
...über Trampelpfade am Abgrund vorbei...
konnten wir uns Sicher sein das unser Leben an einem seidenen Faden hing da wir als Hilfsorganisation die Rebellen unterstützten. Wenn uns eine von den Rebellen abgewandte Gruppierung erwischen würde, würden wir entweder ausgeraubt werden oder in derselben Situation wie mit den Milizen geraten.

Wir mussten aus diesem Loch und mussten irgendwie weiter kommen. Weit und breit war kein Tukul und keine Zivilisation erkennbar, damit auch Keiner der uns irgendwie helfen könnte.

Nach Minuten langem Hin und Her schaffte ich den Pickup aus dem Schlamm zu manövrieren. Wir schauten uns alles noch mal von außen an, freuten uns draußen zu sein und stellten lachend fest das es nur noch eine Richtung, nämlich diese zu unserer Verabredung, gab da unser Rückweg ja durch das Schlammloch versperrt war.

Wenige Kilometer später sollten wir sehen wie es aussehen könnte wenn wir die markierte Straße verlassen würden, wenige Meter abseits der Markierung lag ein weißes Autowrack. Ursprünglich mal ein Pickup. Auf eine Miene geraten und samt 8 Menschen in die Luft geflogen.

Wir kamen über einen verwaschenen riesigen Felsen im Flussbett, durch einen Wald und über Stock und Stein Stunden später endlich an einem kleinen Camp an. Das Camp
...durch ein Bachlauf...
...durch ein Bachlauf...
war der PKW-Stellplatz des Teams von “Ärzte ohne Grenzen“. Lucinda, eine junge hübsche Mitarbeiterin aus England erwartete uns bereits. Mit einem Führer und einigen Trägern hatten wir jetzt noch einen einstündigen Fußmarsch zu bewältigen. Da diese Region noch näher an der Regierungsseite lag und ebenfalls heftig bombardiert wurde, lag die Tuberkulose-Station mitten in einem hohen Gebirge um vor den Bombardierungen geschützt zu sein. Auf dem Weg zum Krankenhaus erfuhren wir, dass alle Materialien von Trägern in die Berge getragen wurden, da die einzige Straße durch die Bomben zerstört wurde. Damit sie nicht entdeckt wurden, haben sie auf die Reparatur bisher verzichtet. Einmal befürchteten sie, dass das ihre Anwesenheit entdeckt wäre, im nach hinein vermuten sie jedoch eine Ziellose Bombardierung der Bergkette da sich viele Nubas in den Gebirgen versteckt hielten. Nach einer Stunde Klettern kamen wir auf eine kleine ebene. Mitten im Gras lag das kleine Krankenhaus.

Zum Abendessen gab es Kartoffelbrei aus Kartoffeln, nicht aus der Dose und auch nicht mit Pulver angerührt. Aus richtigen Kartoffeln! Ich hätte im Vorfeld nie gedacht das man sich über einen einfachen Kartoffelbrei so riesig freuen konnte. Bei Dosenbier und Cola verbrachten
... zum TB-KrH von MSF-Holland
... zum TB-KrH von MSF-Holland
wir mit dem Team, das aus einer Ärtztin, drei Krankenschwestern und dem Projektleiter bestand, einen wundervollen gemütlichen Abend und redeten Stundenlang über die Problematik und Situation in Nuba. Jane´s Mom hatte 40. Geburtstag, ich rief kurz mit dem Tragbaren Satelliten-Telefon an, gratulierte und wechselte ein paar Worte mit Jane. Ihre Stimme klang so traurig. Wir schrieben uns ja fast täglich E-Mails, doch die Stimme zerriss mir fast das Herz und die Sehnsucht stieg schlagartig in mir auf. Natürlich vermisste ich sie jede Minute, aber die ganzen neuen Erlebnisse und Eindrücke lenkten mich ab. Aber nun sehnte ich mich umso mehr zurück zu ihr.

Gegen 11:00 Uhr am nächsten Morgen machten wir uns wieder an den Abstieg und fuhren mit strahlendem Sonnenschein zurück nach Lwere. Selbst das Schlammloch wo wir am Tag zuvor feststeckten war nahezu ausgetrocknet. Als wir an der Healths-Post vorbei kamen warteten bereits drei unserer Mitarbeiter. Für die Fahrt brauchten wir trotz alledem über 3 Stunden. Müde von der langen Fahrt kamen wir zurück zum Camp. Der Doc und ich machten uns eine Suppe aus Dosengemüse und brieten Champions aus der Konserve mit Zwiebeln an, dazu gab es auf dem weg besorgtes Fladenbrot.

Man merkt am Wetter das sich das Ende der Regenzeit nähert. Es wird merklich heißer und man trinkt bis zu 6 Liter am Tag. Nur wenn es mal ein kleinen Schauer gibt ist es mal für ein oder zwei Stunden etwas schwül, ansonsten ist es ein trockenes und heißes Klima, aber zum aushalten.

Der Aufstieg beginnt
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