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Als Entwicklungshelfer im Sudan Teil 10

Laubach | Denkmal


Nachdem wir ein sehr breites und sandiges Flussbett durchquerten und Angst haben mussten das wir stecken bleiben, kamen wir auf eine große Ebene. Wir kamen an einem Baum, neben dem sich ein weißes Kreuz auf einem gemauerten Absatz befand, vorbei. Ich ging davon aus das es die Einfahrt zu dem katholischem Gelände darstellen sollte. Ein Stück weiter, gegenüber von dem Weg befanden sich mehrere Tukuls. 2 Stück mit und 3 ohne Bedachung, es war anzunehmen das sie sich in im Bau befanden und noch nicht fertig gestellt wurden. Die böse Wahrheit sollte sich jedoch später raus stellen.

Wir fuhren an einem größeren Gebäude mit einem Kreuz auf einem Dach vorbei, richtig vermutet die Kirche zu einem Stahltor. Ein fast jugendlich wirkender junger Mann öffnete uns. H-M stellte uns gegenseitig vor. Er war “father“ Georg, ein Kenianischer Pfarrer und zuständig für die kath. Gemeinde in den Nubabergen und Verantwortlicher für das Projekt. Während wir uns bei Tee und Butterkeksen näher kennenlernten und austauschten verabschiedete sich H-M da er noch was zu erledigen hätte.
Father Georg zeigte mir das Camp, ein Gemüsegarten für die Selbstversorgung und ihr Gebetshaus für die täglichen Gebete.

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Hinter einem kleinen Hügel befand sich eine Baustelle wo eine neue Mädchenschule entstehen sollte. Wir besichtigten diese und mir wurde der Bauleiter, ebenfalls ein Kenianer vorgestellt. Wir sprachen über verschiedene Bauweisen und tauschten uns über die Probleme der Logistik aus. Hierbei bekam ich von den “fathers“ jederzeit Hilfe angeboten, da wir als kleine Organisation nicht die Mittel hatten für Kleinigkeiten ein sehr teures Flugzeug zu chartern.
Nachdem wir uns im Anschluss der von innen viel größer wirkenden Kirche anschauten gingen wir Richtung den Gebäuden und dem Kreuz am Anfang des Areals. Auf dem Weg dorthin erzählte mir Father Georg das dies die Schule für Jungen und junge Männer sei. Da es während der Kriegszeit nur ganz wenige Schulen gab, kämen viele junge Männer um noch lesen und schreiben zu lernen, da sie in den vergangenen Jahren nicht die Möglichkeit dazu gehabt hätten weil sie für die Befreiung der Nubas kämpften. Im Laufe des Gesprächs erfuhr ich das sich die Gebäude im Wiederaufbau befanden, da sie wenige Monate zuvor von der arabischen Regierung bombardiert wurden. Weiter erfuhr ich, dass bei der Bombardierung 17 Kinder
und eine Lehrerin, die unter dem Baum ein Versteck und Schutz suchten, ums Leben kamen. Das weiße Kreuz signalisierte somit nicht das Areal der Kirche, sondern stellte ein Denkmal der Opfer des Krieges dar. Ein mit Backsteinen umkreistes Kegelförmiges Loch nahe des Baums zeigte den Einschlag und Detonation der abgeworfenen Bombe.

Weiter erfuhr ich an diesem Tag, dass die Milizen der Regierung mit Transportflugzeugen ähnlich die der UN bombardierten. Da sie die Bomben einfach aus der geöffneten Ladeklappe rollen und fallen ließen, war es in den Bergen schwer zu bombardieren. Da sich die Schule jedoch auf der Ebene befand, hatten die Piloten die Möglichkeit dieses Areal genau zu überfliegen, so war es leichter gezielter und genauer fallen zu lassen.

Heute war Sonntag der 29.August. Ich erwachte morgens wegen eines Traums. Ein Traum der mir das Gefühl gab ich wäre aus einem Traum erwacht weil ich ihn so intensiv erlebte das ich dachte zuhause zu sein. Konnte Jane´s Hände spüren und hatte den Duft ihrer Haare in meiner Nase. Ich genoss ihre Nähe und spürte ihre Wärme. Als ich aufwachte hatte ich so eine tiefe Sehnsucht nach ihr, dass mir die Tränen in den Augen standen.

Nach dem Frühstück hab ich drei Mal den Kanister mit Wasser gefüllt und duschte ausgiebig. Rasierte mich, zog meine besten Klamotten an. Es sollte heute in die Kirche gehen.

Nebenbei stellte ich fest, dass ich erst neun Tage im Projekt war. Neun Tage erst? Nicht schon eine halbe Ewigkeit? Nach neun Tagen hab ich schon soviel erlebt, so viele neue Eindrücke und Erfahrungen gemacht, es können doch nicht nur neun Tage gewesen sein!? Mir fiel hierbei auch wieder auf das ich gar keine Angst verspürte, in keinem Moment wo ich hier war. Ich war mitten in einem Kriegsgebiet und verspürte keine Angst!? Das Gefühl der Unsicherheit, dies nur weil ich nicht wusste ob ich alles richtig verstehen oder verstanden wurde. Warum hatte ich keine Angst? War es das einfache Leben und die Zufriedenheit der Menschen was auf mich abfärbte? So viel Leid, hungrige Menschen, das tote Baby, täglich die vielen kranken Menschen im Krankenhaus, das vom Krieg geplagte Land…

Wir besuchten die Kirche. Die Predigt wurde auf Arabisch abgehalten, so verstand ich kein Wort. Doch fing ich nach vielen Jahren das erste Mal an zu beten, ich betete für die Menschen, für das Land und das ich genug Kraft habe für die restliche lange Zeit. Das ich von Krankheiten verschont bleiben sollte und das ich, wenn auch nur gering, den Menschen helfen konnte.

Als hätte das Gebet geholfen, schien den restlichen Tag die Sonne mit voller Kraft. Als wir zurück ins Camp kamen waren die Batterien der Solaranlagen voll geladen.

Fortsetzung folgt mit...

Feuer und Wasser

 
 
 
 
 

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von:  Marco Schindler

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Interessensgebiet: Laubach
Marco Schindler
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