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Als Entwcklungshelfer im Sudan Teil 6

Bushdoc Fred Kabike
Bushdoc Fred Kabike
Laubach | Nichts ist wie man es kennt


Nachdem ich früh morgens erwachte erklärte man mir das unser Brunnen vor dem Camp 60 – 70 Meter tief sei, abkochen brauchte man das Wasser nicht da es genug vom Erdreich gefiltert sei, das einzige was wir noch machen würden wäre es mit Kohlefilter zu reinigen. Das Wasser haben wir in Kunststofftanks im Camp gelagert, Canny würde diese immer auffüllen. Das einzige was wir machen müssten ist die Filter regelmäßig zu füllen.
Nach und nach erklärte mir H-M die technischen Geflogenheiten wie die Solaranlagen im Camp und die separate im Krankenhaus, worauf ich hierbei zu achten hatte und wie sie gewartet wurde. Wie die E-Mails versendet und abgerufen wurden, das Satellitentelefon funktioniert und die kleinen Solarbetriebenen Handlampen betrieben werden. Zeigte mir das Stromaggregat was im Notfall im Krankenhaus und für Elektrowerkzeug eingesetzt wurde. Und was für Baumaterialien noch im Lager waren, die verwenden werden konnten falls Renovierungen oder Neuerungen anstehen sollten. Erklärte die Funktion des Kerosinbetriebenen Kühlschranks in unseren Lebensmittel-Store, weitere haben wir im Mother-Child-Hospitel da dort Medikamente und Impfstoffe eingelagert waren die wir über die UNICEF kostenlos bezogen.
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Da es hier nur einmal in der Woche Rind-, Ziegen- und ganz selten auch mal Kamelfleisch zu kaufen gibt, muss man sich ein paar Hühner halten und diese auch Schlachten wenn man das Bedürfnis nach Fleisch hat. Die sollte heute auch auf dem Programm stehen. Gegen Mittag hat der Doc den schönen Hahn geschlachtet. Er erklärte mir das sie das Ritual haben dem Hahn einen schönen Tod zu bescheren und würden immer erst abwarten bis er sich auf unsere Henne noch mal ausgetobt hätte. Da er das dann wohl hatte, musste er dran glauben. Also erklärte der Doc mir wie man dabei vorgeht und wir trafen die nötigen Vorbereitungen wie Wasser kochen und die nötigen Utensilien bereit zu legen. Das Schlachten übernahm er, das Rupfen der Federn fiel in meinen Aufgabenbereich und das zerlegen wurde mir dann wieder ausführlich erklärt. Wenn H-M nicht mehr da sein sollte, wäre es gut möglich, dass ich dies mal übernehmen müsste.
Mit roten Frühlingszwiebeln, die es hier während der Regenzeit ebenfalls gibt, Verschiedenen Gewürzen, Tomaten und aus Kenia eingeflogenen Tomatenmark zauberten wir ein leckeres Hähnchengericht. Dazu gab es Fufu, aus Maismehl zubereiteten Maisbrei.
Restaurante
Restaurante
Zu Gast hatten wir eine etwas korpulentere Frau namens Inga Lunde Daalen aus Norwegen. Sie arbeitete für NCA, Norwegian Church Aid, war die Chefin eines Schulprojektes und hatte scheinbar schon viele Jahre Erfahrung in der humanitären Hilfe gesammelt.

Nachdem Essen fuhren der Doc, H-M und Inga runter nach Kauda zum JMC-Camp. Dort hatte man die Möglichkeit per Sky-Internet ab und an seine privaten E-Mails abzurufen und mal im Internet zu surfen. Da ich mich noch an die Umstellung und den ganzen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen gewöhnen musste, blieb ich im Camp und versuchte mich zu sammeln und weiter auf die neue Situation einzustellen. Ich nutzte auch die Zeit mal in Ruhe ein paar E-Mails über den Verlauf nach Deutschland zu verschicken. Ich muss auch zugeben das ich mich einfach mal aufs Bett legte um meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und mich richtig ausheulte.

Da wir aufgrund der Regenzeit die letzten 2 Tage nicht genug Sonnenschein hatten, musste das kommen was eigentlich vermieden werden sollte. Die Akkus bzw. Autobatterien der Solaranlage gingen zu neige und der Strom viel aus. Da das große Satellitentelefon nicht ausfallen durfte und dieser Akku auch nur begrenzt war, mussten wir schleunigst den Charge-Controller abklemmen und die Stromversorgung direkt überbrücken, da sich das Gerät abschaltet um eine völlige Entleerung der Batterien zu vermeiden.
Inga Lunde Daalen, Byram Andika und mein Dolmetscher Isaac Ibrahim
Inga Lunde Daalen, Byram Andika und mein Dolmetscher Isaac Ibrahim
Da ich zwischendurch immer wieder mal durch das Krankenhaus laufe und mich umsehe, habe ich schon fast alle Einheimischen die für uns arbeiten kennengelernt. Es ist ein wunderbares Gefühl ihre Anerkennung und Dankbarkeit gezeigt zu bekommen. Ohne dies wäre mir die ganze Zeit wohl auch noch viel schwerer gefallen.

Der Doc ging jeden morgen zum Krankenhaus und kümmerte sich um bis zu 130 Ambulante Patienten. Ärzte und Schwestern bildeten Einheimische in den vergangenen 2 Jahren aus, so das der Doc und die Angestellten insgesamt ein gutes Team darstellten. Weiter hatten wir einen Laboranten aus Kenia, sein Name Andika Bayrum, eingestellt. Er übernahm die ganzen Untersuchungen von Blut, Urin und Kot, die er in einem spärlichen Labor im M-C-H durchführte. Er lebt wie die Nubas in den Hütten oberhalb des Krankenhauses, die zu unserem Areal dazugehören und von uns unterhalten und repariert wurden.
Die Tukuls, sollte noch erwähnt werden, sind kleine traditionelle afrikanische Hütten. Im Sudan waren sie meist rund gebaut und besaßen bis auf eine kleine.
Straße nach dem Regen
Straße nach dem Regen
schmale Eingangstür nur kleine Löcher für Lichteinfall. Der Hintergrund war das die Gefahr unerwünschter Besucher Schlangen, Skorpione oder anderem Ungeziefer geringer sein sollte. Meist waren zwei nebeneinander gebaut, dazwischen war unter einem Grasdach der Kidding-room was die Küche und die Zentrale der Behausung darstellte und sich der größte Teil des Tagesablaufs abspielte. Die eigentlichen Hütten dienten nur zum schlafen und als Lager für die Vorräte über die Trockenzeit.

Am nächsten Tag wollte H-M mir die Umgebung zeigen und mir ein paar Leute vorstellen wo man Besorgungen machen und Baumaterialien organisieren und Geld wechseln kann. Ich habe bis hier hin noch nicht viel gesehen, aber wo war eine Bank? In irgendeiner kleinen Hütte?

H-M, Isaac, ein weiterer Angestellter Kalib, der für H-M arbeitete und ich als Arbeiter übernehmen sollte, machten uns nun auf den Weg nach Kauda. Auf den Weg lernte ich das es Kauda Tet (unten) und Kauda Fock (oben) gab. Größere Ortschaften gab es hier jedoch nicht, so das immer größere Gebiete gemeint waren. In den Nubabergen leben die Menschen immer vereinzelt in ihren Hütten. Man kann fast sagen das jede Familie einen Hügel bewohnt, an den Hängen befinden sich dann Terrassenförmig ihre Felder wo sie überwiegend ihre Hirse, Mais und Erdnüsse während der Regenzeit anbauen.

Autopflege
Autopflege
In Kauda Tet nahe des JMC-Camps angekommen standen schon einige mit Ziegelsteinen gebauten Gebäude, wo sich ein kleiner Markt, eine Bäckerei und eine Mühle befanden. Ein Stück weiter stand ein sogenanntes Restaurante wo man Chai und Bone trinken konnte. Da die Frauen teilweise ein Menü kochten, konnte man wenn man Glück hatte auch was zu Essen bekommen. Wir hatten das große Glück, das an diesem Tage sogar Fleisch im Angebot hatten. Wir setzten uns in die Grashütte und ich kam zu den Genuss die Essgewohnheiten der Nubas kennenzulernen. In der Hütte gab es 2 kleine Tische, um den Tisch herum waren dicke Äste auf Pflöcken was als Sitzplatz diente. Das gekochte Ziegenfleisch wurde in einer leckeren Soße auf einem Teller mit Brot serviert. Nachdem sich jeder mit einem Wasserkrug die Hände gewaschen hatte, riss sich jeder ein Stück Brot ab und tunkte dieses in die Soße und nahm sich mit den Fingerspitzen ein Stück Fleisch dazu. Fleisch ist dabei relativ, weil dort die komplette Ziege klein gehackt wird, so das Innereien, Knochen, Knorpel und sonstige tierische Bestandteile in der Suppe schwimmen.
Nach dem Essen bekam ich einen Saft angeboten.
Eigene Tankstelle :-)
Eigene Tankstelle :-)
Der Saft wird aus der Frucht des Baobab Baumes, im deutschen als Affenbrotbaum bekannt, hergestellt. Ich beobachtete wie der Kaffee und der Tee zubereitet wurde, und musste feststellen, dass es ein ganz eigenes Ritual ist und jede Frau ihre eigenen Kräuter für die Zubereitung verwendet. Die rohen Kaffeebohnen wurden in einer Bratpfanne auf Holzkohle geröstet, im Anschluss mit einem Mörser grob gemahlen und in eine Blechkanne mit Wasser aufgekocht. Getrocknetes Gras übernahm die Funktion des Kaffeefilters und es entstand der bekannte Mocca.

Im Camp zurück, übernahmen Isaac und ich Wartungsarbeiten am Pickup und betankten ihn. Da bei den Straßenverhältnissen die Federwegbegrenzer sowie die Domlager stark beansprucht werden, wechselten wir diese aus und reinigten den vom Regen und Schlamm verdreckten Pickup. Das Diesel und Kerosin haben wir in 200Liter Fässern aus Kenia einfliegen müssen, da es hier in den Nubabergen weder Diesel noch Kerosin zu kaufen gab. Während den arbeiten ließen wir Bob Marley vom Tape laufen. Canny´s sohn sah uns die ganze Zeit bei unseren Arbeiten zu und tanzte und hüpfte zur Musik.

Isaac musste später zu einer Schule und musste dort was erledigen. Da H-M bisher immer gefahren war, bot ich ihm an ihn dort hin zu fahren. Meine erste Autofahrt mit einem Rechtslenker und in den Nubabergen. Erst jetzt merkte ich wie anstrengend es ist bei diesen Verhältnissen mit einem Auto zu fahren und wie steil manche Berge sind und auf welchen Löchern und Gräben man achten muss um sich nicht festzufahren oder gar das Auto zu schrotten. Manchmal konnte ich selber nicht glauben das dies ein Auto überhaupt schafft.

Von der Schule zurück ging ich durch das Krankenhaus um mich wieder mal umzusehen. Hierbei fiel mir immer wieder auf wie Lebensfroh die Nubas doch eigentlich sind. Trotz des Jahrelangen Krieges, der Armut und den Krankheiten hab ich noch nie im Leben so lebensfrohe Menschen gesehen. Ich ihr warmherzige Art und Zufriedenheit mit den einzelnen Momenten färbte sich wohlwollend auf mich ab und gab mir ein ebenfalls gutes, zufriedenes Gefühl. Langsam wurde ich mir sicher trotz den Sehnsüchten und Entbehrungen das richtige getan zu haben.

Abends besuchte ich mit H-M ein Camp der UN. Wir unterhielten uns mit verschiedenen Mitarbeitern und wurde als H-M Nachfolger vorgestellt. Als wir zum Himmel blickten zogen tiefschwarze Wolken auf. Nun mussten wir uns beeilen zurück in die Berge zu kommen, ansonsten wären die Straßen so schnell aufgeweicht das es unmöglich sein würde zurück zu kommen. Wir waren heilfroh das wir es gerade noch vor dem Regen schafften, es war aber nicht so heftig wie die Wolken es andeuteten. Der Doc kochte wieder für uns, es gab grüne Bohnen mit Zwiebeln, restliches Hähnchenfleisch vom Vortag und wie immer wenn der Doc kochte Fufu.
Da es um 19:00Uhr dunkel wird, geht auch dieser Tag früh zu ende. Abends dasselbe Ritual, E-Mails abrufen und versenden und den Tag in geselliger Männerrunde oder mit lesen in der Küche, was auch gleichzeitig Wohnzimmer war, ausklingen lassen.

Fortsetzung folgt mit....

Der deutsche Nuba

Bushdoc Fred Kabike
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Restaurante
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Inga Lunde Daalen, Byram Andika und mein Dolmetscher Isaac Ibrahim
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Straße nach dem Regen
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Autopflege
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Eigene Tankstelle :-)
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von:  Marco Schindler

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