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6 Monate als Entwicklungshelfer im Sudan Teil 4

Laubach | Hans-Martin

Hin und wieder wechselte ich mit Isaac paar Worte und saß nun da, Gedankenverloren in den Nuba-Mountains und nichts ähnelte annähernd dem was ich kannte. Man konnte meinen, dass man eine Zeitreise viele Jahre zurück erlebte.

Minuten verstrichen wie Stunden, ich weiß nicht wie lange ich warten musste bis ich ein Motorengeräusch in der Ferne wahr nahm. Erst jetzt bemerkte ich diese Ruhe, die von dem Motorengeräusch unterbrochen wurde.
Hans-Martin kam mit einem weißen Pickup angerast und kam mit einer Vollbremsung in einer Staubwolke neben uns zum stehen. Er begrüßte mich und fragte ob ich Lust habe mit auf den Markt zu fahren, weil er dort noch ein Paar Besorgungen machen müsse, und so nicht noch mal los fahren müsste. Ich stimmte dem zu und wir verluden mein Gepäck auf der Ladefläche des Pickup´s. Auf dem Weg zum Markt erzählte er mir, dass es bei uns nur einmal in der Woche Markttag wäre wo man Fleisch und Gemüse kaufen könnte. Da es aber beginn der Regenzeit wäre, würde es mit Gemüse schlecht aussehen. Wenn wir jetzt noch auf den Markt nach Gidel fahren würden, könnten wir mit etwas Glück
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noch Gemüse bekommen. Er verriet mir jedoch nicht das Gidel noch mal 20km in die entgegen gesetzte Richtung lag und sich die Strecke scheinbar unendlich ziehen würde. So hatten wir den Airstrip verlassen und fuhren durch das Flussbett an dem Flugzeugwrack vorbei.
Die Strassen waren zwei Spurrillen mitten durch etwa 2 Meter hohem Feldern mit Sorghumhirse. Ähnlich wie Mais sahen die langen Stängel aus, eine Speerspitzenförmige Ähre voller rötlichen Körner krönte die Stengel, die sich unter dem Gewicht nach unten bogen. Man konnte immer nur bis zur nächsten Kurve sehen, schnell konnte man jedoch nicht wirklich fahren weil es manchmal tiefe, vom Regen ausgewaschene, Gräben oder Löcher entlang der Strasse gab. Hans-Martin sagte wir hätten Glück das es zwei Tage nicht geregnet hätte, ansonsten hätten wir hier gar nicht lang fahren können da die Fahrbahn völligst aufgeweicht und unpassierbar wäre.

Nach einer halben Ewigkeit parkte H-M das Auto hinter einem Hügel und deutete an das man nicht direkt am Markt parken sollte, da sonst die Ladefläche mit Leuten voll sitzen würde die mitgenommen werden wollten. Wir verstauten mein Gepäck im Innenraum des Pickups und gingen über einen kleinen Hügel. Als ich über ihn weg sehen konnte, entdeckte ich eine hin und her laufende Menschenmenge zwischen, aus Ästen und geflochtenem Gras gebauten, Marktständen.
Es dauerte nicht lange, da entdeckten wir Tomaten und ein Gurkenähnliches Gemüse. H-M Freude färbte sich auf mich ab und zufrieden schlenderten wir weiter über den Markt. Scheinbar gab es schon mehrere Wochen kein frisches Gemüse mehr zu kaufen.
Viele der einheimischen schienen H-M zu kennen und begrüßten und fragten ihn über mich aus. Unter einem Baum kauernd und umgeben mit seltsamen Gegenständen, Gefäßen mit Kräutern und tierische Überresten wie Eidechsenschwänze, Ledersäckchen und diversen Knochen hielt ich neugierig inne. H-M. erklärte mir das dies ein Medizinmann sei und Isaac fing an zu übersetzen was der Medizinmann alles anzubieten hatte. Unter anderen konnte man kleine Ledersäckchen, die man um den Hals tragen musste mit, diversen Mischungen verschiedenster Naturprodukte erwerben, die einen vor “bösen Blicken“ schützen, Verrückte wieder heilen oder sogar Homosexuelle wieder auf Frauen stehen lassen sollte. Wenn es H-M erzählt hätte, hätte ich es wohl weniger geglaubt. Jedoch das Isaac es übersetzte hatte, aber auch alleine die Tatsache das ich immer wieder zwei männliche Personen händchenhaltend über den Markt oder auch schon auf dem Airstrip gesehen hatte, hatte ich es Isaac abgenommen. Es sollte sich jedoch schnell herausstellen das dies ein Zeichen der Freundschaft ist und mit Homosexualität absolut nichts zu tun hatte.

Ich muss zugeben, anfangs als ich den Wunschzettel von H-M bekam fühlte ich mich auf die Schippe genommen weil ich nie gedacht hätte das es ein land gibt wo es keine Eier gibt. 2 Paletten Eier brachte ich von Kenia mit und hatte das Gefühl das ein “Greenhorn“ wie ich schön veräppelt wurde. Doch als wir den Marktplatz überquert hatten, stellte ich fest das es wirklich keine Eier und Kartoffeln zu kaufen gab. Nun war ich froh dies eingekauft und mitgebracht zu haben und fühlte mich ganz und gar nicht mehr veräppelt.

Am Rande des Marktes befanden sich kleine Grashütten, H-M lud mich in eine ein und bestellte uns Chai (Tee) oder Bone (Kaffee). Wieder war ich mal überrascht über diesen intensiven und leckeren Geschmack des Tee´s und des Kaffees. Nach der kurzen Pause gingen wir wieder ein Stück weiter und gelangten an mehreren großen Bäumen. In der Mitte zum Stamm hin saßen ein oder mehrere Frauen mit großen Tonkrügen, Wasser und verschieden hölzernen Schalen aus einer Frucht. H-M bekam gleich von diesem hellbraunen Getränk angeboten und reichte mir grinsend die Schale weiter. >Marissa

 
 
 
 

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von:  Marco Schindler

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