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6 Monate Entwicklungshilfe im Sudan Teil 3

Laubach | Ankunft in Kauda

Als die Maschine auf der Landebahn aufsetzte und der Pilot die Schubumkehr einschaltete, dröhnten die Propeller durch das ganze Flugzeug. Als wir langsam am Ende der Landebahn ausrollten, bekam ich die Anweisung sitzen zu bleiben. „Der Pilot steigt als erster aus, du wartest bist du gerufen wirst“ sagte der Transportbegleiter mit gerunzelter Stirn zu mir. Kurze Zeit nachdem der Pilot die Maschine verlassen hatte wurde ich gerufen. Ich verlies mit Herzklopfen die Maschine und konnte meine Gedanken nicht sammeln. Ein kleiner schmächtiger Nuba wartete scheinbar schon auf mich und hieß mich in Nuba willkommen. Er stellte sich vor und fügte hinzu, dass er der Verantwortliche von diesem Airstrip sei. Er forderte mich auf meine Taschen und den Karton mit den Kartoffeln, Eiern, Bier und Gummibärchen zu öffnen und warf ein kontrollierenden Blick hinein. Dann verlangte er mein Permit, stellte ein paar fragen die ich geistesabwesend beantwortete. Ich suchte vergeblich nach einem Pickup, einem „Weißen“, aber weit und breit war nichts zu sehen. Verwirrt bedankte ich mich herzlich bei den Piloten und der
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Fortsetzung Teil 3 (1)
Crew und schritt ein paar Meter von der Maschine weg. Es sammelte sich wieder eine Menschentraube um das Flugzeug, einige begannen diese auszuladen. Viele Kinder gesellten sich um das Flugzeug um die Wundermaschine die aus dem Himmel kam zu begutachten.

Aber wo war Hans-Martin?
Überwältigt von der Schönheit des Landes, ein weiteren Schritt von meinem ziel erreicht zu haben schritt ich verloren zu einem Baum, unter dem zwei Sudanesen mir zu winkten. Unsicher und verwirrt ging ich auf sie zu. Sah mich in allen Winkeln um und war mir nicht mehr sicher was auf mich zu kommen wird. War ich hier richtig? Hab ich irgendwas vergessen? Wo ist Hans-Martin? Warum bin ich nicht da geblieben wo ich war, warum lag ich jetzt nicht in den Armen meiner geliebten Lara? Was war hier los das Hans-Martin nicht wie verabredet auf mich wartete?
Als ich näher auf die beiden unter dem Baum zu kam, schritt einer von ihnen auf mich zu und gab mir seine Hand, gleichzeitig klopfte er mir mit der linken Hand auf die Schulter. Er stellte sich mit Isaac Ibrahim vor und sagte, dass er für GED arbeite und auf mich warten würde da Hans-Martin noch unterwegs sei, jedoch bald eintreffen sollte. Isaac sollte mich, wie es sich später ergab, die nächsten 6 Monate
als Dolmetscher in die Arabische Landessprache unterstützen. Erleichtert, aber noch immer durcheinander setzte ich mich im Schatten des Baums auf einen Stein, den mir Isaac als Sitzplatz anbot. Erst jetzt bemerkte ich die Hitze unter der senkenden Sonne.
Nach und nach wurden auch andere Einheimischen Nubas auf mich aufmerksam und begrüßten mich in den Nuba-Mountains. Fragten alles Mögliche und machten einen fröhlichen Eindruck. Ein paar Kinder saßen ein Stück weiter neben Blechfässern in den Kerosin gelagert war und riefen „Khawaja, Khawaja“ was auf Arabisch >Weißer< heißt und winkten. Immer wenn ich zurück winkte versteckten sie sich hinter den Fässern und fingen laut an zu lachen. Ich schaute mich um, blickte rüber zu dem Flugzeugwrack und bewunderte doch wie grün und saftig alles wächst. Ich wollte nicht meinen das ich in Afrika gelandet war.
Ein lautes Pfeifen machte mich aufmerksam, der Pilot wollte auf sich und seiner Crew aufmerksam machen die mir zu winkten. „God bless you“ riefen sie laut und hielten ihre Daumen anerkennend hoch bevor sie in das Flugzeug stiegen um davon zu fliegen. Ich schaute der Maschine nach wie sie über den Airstrip holperte und mir wurde klar das es jetzt kein Zurück mir gibt. Langsam kehrte wieder Ruhe auf dem Airstrip ein und die Menschen verschwanden, bis auf wenige die auf die Lieferung aufpassten, nach und nach.

Das erste Unwohle Gefühl verschwand langsam, trotzdem wurde ich mehr und mehr ungeduldig da von Hans-Martin immer noch nichts zu sehen war.

Jetzt war ich hier, in einem Kriegsgebiet, was ich niemals von mir selbst gedacht geschweige erträumt hätte.

Fortsetzung folgt...

 
 
 
 
 

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von:  Marco Schindler

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