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6 Monate Entwicklungshilfe im Sudan Teil 2

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Abflug in den Sudan

Um 6 Uhr stand ich gespannt auf, machte mich fertig und wurde gegen 6:30Uhr von Pieter zum Flugplatz abgeholt. Sofort begann ich mit Jane sms zu schreiben, es war klar, dass es für eine lange Zeit die letzte Möglichkeit war.
Dort warteten wir den Wetterbericht von Hans-Martin von Kauda ab. Da es Regenzeit war, war es nie Sicher wie der Zustand der Landebahn ist. Da ich mir noch nichts Genaues darunter vorstellen konnte, war ich gespannt wie es dort aussehen würde. Im Internet und bei Bento hatte ich zwei, drei Fotos gesehen, aber es waren keine die Aussagekräftig genug gewesen wären um eine ganze Region bzw. Verhältnisse zu kennen. Von Berichten an der Bar wusste ich jedoch schon das es keine befestigten Landebahnen geben würde, diese bei Regen ganz schnell aufweichen würden und eine Landung damit unmöglich wäre.
Die Piloten waren dabei das Flugzeug, eine Transportmaschine Typs Buffalo, zu checken, die Transportbegleiter letzte Sicherungsmaßnahmen der Fracht durchzuführen wo der ersehnte Anruf von Hans-Martin kam. Alles klar, Sonnenschein und strahlend blauer Himmel
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in Kauda! Jetzt musste alles ganz schnell gehen. Ich bekam mit einer Sudanesin eine notdürftige Sitzbank ohne Gurte zugewiesen. Da das Flugzeug voll gepackt mit Hilfsgütern wie Säckeweise Hirse, Maismehl, Kanthölzern und unzählige Kartons war, hatten wir die einzige Sitzbank, die Transportbegleiter legten sich auf die Säcke und machten sich es gemütlich. Fenster gab es keine, nur wenige Gucklöcher wo im hinteren teil der Maschine, dort kam ich aber aus Platzgründen nicht hin. Der Pilot hieß uns an Board willkommen, teilte mit das wir nach ungefähr einer Stunde im südlichen Teil nahe Rumbeck zwischenlanden um einige Sachen auszuladen, und dann weiter nach Kauda zu fliegen. Geschätzte Flugzeit 3,5 Std, wir müssten des Wetters wegen nur schnell machen, da das Wetter in den Nubabergen von einer Minute zu anderen umschlagen könnte. Langsam rollten wir ans Ende der Startbahn.
Mit lauten brummen der Propeller und Geholper gewann die alte Maschine an Geschwindigkeit und wie ich durchs Cockpitfenster sehen konnte, gingen wir kurz vorm Ende der Startbahn in die Luft. Ein Flugbegleiter grinste und sagte: We are very, very heavy!

Sobald die Räder das Rollfeld verlassen hatten verstummte das starke vibrieren und wir stiegen steil an den Berghängen vorbei in die Luft. Unsicher schaute ich immer wieder zu dem Flugbegleiter der auf den Säcken lag, er erwiderte den Blick und grinste frech. „Hakuna Matata“, kein Problem und schloss seine Augen.
Durch das monotone Brummen der Maschine schloss ich die Augen und schlief fest ein. Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen hatte, aber ich merkte innerlich das die Maschine sank. Hab ich die Zwischenlandung verschlafen oder... Ich hatte kein Zeitgefühl wie lange wir nun geflogen waren. Aber wie es sich schnell rausstellte war es die Zwischenlandung. Wir sanken bis kurz über den Boden, flogen über die Landebahn und starteten wieder durch, flogen eine Kurve und erneut den Airstrip, wie sie in Afrika sagen, an. Der Pilot sagte mir später, dass er immer erst checken müsste, dass keine Tiere auf der Landebahn sind, da es sonst zu einem Unfall kommen würde.
Während es Flugs noch begann sich plötzlich die Ladeklappe am Heck des Flugzeug halb zu öffnen, das brauchen sie nicht Manuell zu kurbeln, wie der Transportbegleiter mir mitteilte, da das später nur per Hand gehen würde. So landeten wir, ich schaute auf die riesige rote Staubwolke hinter dem Flugzeug und wunderte mich nur noch.
Nachdem das Flugzeug ausgerollt war öffneten die Transportbegleiter die Ladeklappe komplett und entfernten die Fangnetze der Hilfsgüter. Es standen unzählige Menschen hinter dem Flugzeug und schauten was gekommen war. Einige begannen auszuladen und die Säcke und Kartons ein stück vom Flugzeug wegzuziehen. Die Menschentraube wurde immer größer und jeder wollte einen neugierigen Blick in das Flugzeug werfen.
Innerhalb kürzester Zeit war die Ware ausgeladen, die Lasten der noch geladenen im Flugzeug gleichmäßig verteilt und verschnürt. Noch während schließen der Ladeklappe begann das Flugzeug sich zu bewegen und rollte langsam ans Ende des Airstrip. Hab ich nur das Gefühl oder ist die Startbahn nur halb so lang? Der Pilot lies die Turbinen anlaufen bis sie vollgas liefen, das ganze Flugzeug vibrierte, ich hatte das Gefühl das die Flügel sich nach vorne bogen von dem Schub, und lies die Bremsen los. Wir gewannen schnell Geschwindigkeit und gingen auch schon bald wieder in die Luft. Später erfuhr ich, dass die meisten Start-/Landebahnen um die 800Meter haben. Die Transportmaschinen würden aber ja auch nur 400 Meter zum landen und ungefähr, je nach Wind, 700 Meter zum starten brauchen.

Etwa 2 Stunden später verlor das Flugzeug wieder rasch an Höhe, vermutlich sind wir schon bald da. Der Pilot rief mich kurz darauf an die Tür zum Cockpit. Wir flogen gerade über die Start-/Landebahn von Kauda, er zeigte mir ein Flugzeugwrack das am Ende des Airstrips neben einem erkennbaren Flussbett im Dickicht lag. “Willkommen in Kauda, hier landen wir jetzt. Mit dem Wetter hatten wir Glück, sonst hätte es gut sein können das wir so geendet wären.“ Später sollte ich erfahren das es sich bei dem Flugzeug um eine Antonow handelte und 2 Wochen zuvor bei Regen über die Landebahn und über das Flussbett hinaus gerutscht war, hierbei waren 5 Menschen, einschließlich der Piloten, ums Leben gekommen. Es machte deutlich wie gefährlich die Landung bei Unwetter und wie wichtig der Wetterbericht und Eile war.


Ankunft in Kauda
Fortsetzung folgt...

 
 

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von:  Marco Schindler

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Marco Schindler
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