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Artenschwund durch Wassermangel

von Kurt Ortham 23.07.2009920 mal gelesenkein Kommentar
Laubach | Das Verschwinden von Feuersalamander, Flussneunauge und Flusskrebs aus einem großen Teil des Vogelsberges.

Als Symbol und Namensgeber einer großen Schuhfabrik ist der Feuersalamander vielen Menschen bekannt. Der Anblick in freier Natur ist jedoch nur wenigen gegönnt, da das Tier sehr versteckt lebt und seinen Unterschlupf nur des Nachts bei Regen verlässt. Wer jedoch das Glück hat dem scheuen Gesellen zu begegnen, wird diesen Anblick nicht mehr vergessen. Dieser Lurch ist so auffallend gefärbt, dass man ihn eher als Bewohner der Tropen vermuten würde.



Junger Feuersalamander am Quellbach

Bei der Hessenweiten Amphibienkartierung 1980 war ich als Koordinator für den Kreis Gießen zuständig und hatte daher einen ziemlich genauen Kenntnisstand über die Vorkommen des Feuersalamanders in unserer Heimat.
Bei meinen häufigen Exkursionen während und nach der Kartierung konnte ich auch noch häufig das Bachneunauge und den Flusskrebs beobachten. Während der Flusskrebs das ganze Jahr in seinem Gewässer beobachtet werden konnte ist das Bachneunauge auf die kurze Leichzeit beschränkt. Es lebt über Jahre als Wurmähnliche Larve im Fliesgewässer und besitzt nur als ausgewachsenes Geschlechtstier das Aalähnliche Aussehen.
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In den folgenden Jahren fand ich immer weniger der genannten Tiere bei den Ausflügen in die Natur und Heute muss ich diese Arten als fast verschwunden aus unserer Natur betrachten.
Für den Natur und Tierfreund ist das auf alle Fälle ein sehr bedauernswerter Verlust, doch was bedeutet es für die Allgemeinheit?
Unser Wissen über die Zusammenhänge in der Natur sind noch immer nicht restlos aufgeklärt und die Abhängigkeiten der Arten untereinander sind eine sehr komplizierte Angelegenheit. Oftmals sind die Folgen des Verschwindens einer Tier- oder Pflanzenart erst nach Jahren im Gefüge der Natur zu erkennen.
Doch was sind die Ursachen für das Verschwinden von immer mehr Tierarten aus unserer Heimat? immerhin sind noch viel mehr Arten vom Aussterben bedroht wie die genannten.
Bei den drei genannten Arten steht an erster Stelle die gewaltige Grundwasserentnahme im Vogelsberg und den Randregionen. Wenn man im Frühsommer die Quellgebiete unserer Flüsse wie Wetter, Horloff und Seenbach, um nur einige zu nennen, aufsucht, wird man entweder nur traurige Rinnsale oder überhaupt kein Wasser mehr vorfinden.
Die wenigen verbliebenen Feuersalamander setzen im Frühjahr zwar noch ihre Larven in den Quellgewässern ab, die kleinen Larven haben aber fast keine Schanze mehr erwachsen zu werden. Schon am Anfang ihrer Entwicklung trocknen die Gewässer aus und die Tierchen müssen sterben. Da ein Feuersalamander über fünfzig Jahre alt werden kann sind die Folgen oft erst nach einigen Jahren an immer weniger Tieren sichtbar.
Auch weiter im Unterlauf der Bäche wird das Wasser immer weniger und der Lebensraum für Bachneunauge und Flusskrebs trocknet aus oder bietet als kleines Rinnsal keinen Lebensraum mehr für diese Tiere.
Sicherlich haben die Bewohner der Ballungsräume einen Anspruch auf sauberes Trinkwasser, ob das für Mensch und Tier kostbare Nass unbedingt für Toilettenspühlung, Golfplatzberegnung und Kanalreinigung verwendet werden muss ist mehr wie fraglich. Der Ausgepumpte Vogelsbergwald wird bald seiner Bedeutung als Wasserspeicher nicht mehr gerecht werden können. Der trockene Boden lässt Baumwurzeln und Farne absterben und das Trinkwasser wird nur noch als kleiner Prozentwert von Heute zur Verfügung stehen.
Dann allerdings ist keine kurzfristige Lösung mehr möglich, die Erholung von Boden und Pflanzen wird Jahrzehnte bis Jahrhunderte benötigen. Wir haben dann zukünftigen Generationen buchstäblich das Wasser abgegraben.

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