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Ein Hoch auf die Väter!

Langgöns | Es ist mal wieder soweit. Vatertag. Ein Ehrentag für Väter, an denen wir ihnen Danke sagen und unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen sollten.

Leider ist in vielen Köpfen nach wie vor Vatertag mit dem Bild alkoholisierter, umherziehender Grüppchen mit Bollerwagen verbunden, dabei hat das überhaupt nichts mit der eigentlichen Intention des Tages zu tun.
Doch nicht für alle ist der heutige Tag ein reiner "Spaßtag". Auch die Probleme und Sorgen von Vätern sollten daher am Vatertag einmal im Blickfeld stehen.

Väter ohne Kinder, Ohnmacht gegen das System

Nicht jeder Vater ist automatisch vom Vatertag begeistert. Es gibt nach wie vor viele Väter, die durch eine Trennung ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Diesen wird gerade dieser Tags ihr Verlust wieder schmerzlich in Erinnerung gerufen. Jede dritte Ehe wird heutzutage geschieden, meist bleiben die Kinder bei der Mutter, vielfach verliert der Vater nach und nach den Kontakt zu seinen Kindern. Unsere Scheidungsgesetzgebung und die Gerichte benachteiligen Väter nach wie vor in Sorgerechts- und Umgangsfragen. Die Unterhaltsproblematik hat sich trotz vielfach beschönigend dargestellter Scheinreformen faktisch nicht wirklich gebessert. Noch immer hat der Mann das Nachsehen, wenn es zu einer Trennung kommt. Besonders wenn Kinder im Spiel sind, ist das Klima schnell aufgeheizt.

Daher fordert der Väteraufbruch für Kinder VafK den zwingenden Einsatz von Konfliktmanagern, welche in der heiklen Situation vermitteln können. Deutschland wurde bereits mehrfach vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen seiner männer- und väterdiskriminierenden Gesetze und Gerichtspraxis und Jugendamtwillkür verurteilt – ohne wirkliche Folgen. Damit steht Deutschland übrigens nicht allein da: Irish Examiner: Judges are ‘breaching human rights of fathers’

Väter, die keine sein dürfen

Doch Väter müssen noch nicht einmal verheiratet gewesen sein, um mit der Keule des Systems Bekanntschaft zu machen. Erst im Dezember hat das Bundesverfassungsgericht die Klage eines biologischen Vaters auf Anerkennung der Vaterschaft für sein Kind abgewiesen. Dieser Fall zeigte in krasser Weise, dass der immer wieder gern ins Feld geführte Satz „Die Typen sollen sich erst mal um ihr Kind kümmern, bevor sie überhaupt was zu wollen haben!“ nicht verfängt. Der (biologische) Vater darf ja ggf. noch nicht einmal Vater sein – wenn die Kindsmutter es nicht will. Dies deckt sich mit der Sorgerechtsreform von 2013 für Kinder unverheirateter Eltern, bei der der Vater auch heute noch ein Vater von Mutters Gnaden ist.

Väter als rechtlose Zahlesel

Die Rechte von Vätern sind hierzulande, freundlich ausgedrückt, verbesserungsfähig, bei den Pflichten hingegen ist der Staat weniger zimperlich. Da gibt es etwa die sogenannte „Gesteigerte Erwerbsobliegenheit“, d.h. der Vater wird ggf. genötigt, zwei oder mehr Jobs anzunehmen, um die Unterhaltszahlungen, welche an einem fiktiv unterstellten Einkommen festgesetzt wurden, zu begleichen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob der Mann dieses Einkommen überhaupt realistisch bewerkstelligen kann. Nötigenfalls wird er sogar zur Aufnahme eines entsprechenden Jobs weit weg genötigt – was ihn wiederum von seinen Kindern noch mehr entfernt.

Unterhaltsansprüche verjähren auch nicht. So kann es etwa auch kommen, dass Männer plötzlich nach Jahren damit konfrontiert werden, Vater eines Kindes zu sein, von dem sie gar nichts wussten – und für den auf einen Schlag die bisher angefallenen Unterhaltsansprüche eingefordert werden. Anspruch auf schrittweises Abstottern hat der Mann dabei nicht, dies kann komplette Existenzen ruinieren.

Väter wider Willen, Samenspende mit spätem, bösem Erwachen

Auch für aus einer Samenspende entstandene Kinder können ggf. die vollen Unterhaltsansprüche gegen den Samenspender geltend gemacht werden, ebenfalls auch rückwirkend! Anonyme Samenspenden sind im Gegensatz zur anonymen Geburt nicht möglich. Das heißt, wer immer sich etwa als Student auf die Art ein paar Euro dazu verdiente, muss auch Jahre später fürchten, noch nachträglich zur Kasse gebeten zu werden! Derartige Fälle sind übrigens nicht auf Deutschland beschränkt.

Vaterschaft durch Missbrauch? Kein Anfechtungsgrund gegen Unterhaltsansprüche!

Der Gipfel der Absurdität ist hingegen die Rechtsprechung bei erzwungener Vaterschaft, etwa bei Missbrauch oder Vergewaltigung. Minderjährige Jungen, die von älteren Frauen „verführt“ bzw. Opfer von Missbrauch oder Vergewaltigung wurden, sind nicht vor Unterhaltsansprüchen für dabei entstandene Kinder gefeit! Man stelle sich vor, ein 14jähriger wird zum Sex genötigt, und sobald er 21 ist, klopft Vater Staat bei ihm an, um die aufgelaufenen Unterhaltsansprüche einzutreiben.

Welches Gericht würde im umgekehrten Fall eine vergewaltigte Frau gerichtlich dazu zwingen, das dabei entstandene Kind auszutragen und großzuziehen?! Auch dies ist ein internationales Problem.

Reproduktionsrechte allein bei der Frau

Für eine ungewollte Vaterschaft muss es allerdings nicht unbedingt zu einem Verbrechen kommen. Die alleinige Entscheidungshoheit FÜR ein Kind liegt nach wie vor allein bei der Frau. Selbst Verhütung ist nicht 100 Prozent sicher, wie etwa der besonders krasse Glückwunsch-Spot aus Spanien zeigt, in dem eine junge Frau sich ein Kissen unter das Kleid schiebt, sich so strahlend vor dem Spiegel dreht…um dann genüsslich mit einer Nadel in Kondome zu stechen. Untermalt wird das Ganze dann auch noch mit einem (übersetzten) „Fröhlichen Muttertag!“ und dem Hashtag #WirEntscheiden.

Man stelle sich den Shitstorm vor, wenn statt der Frau ein Mann dies täte und ein Fröhlicher Vatertag gewünscht würde… es würden definitiv Köpfe rollen.

Im umgekehrten Fall hat kein Mann ein Recht auf ein gezeugtes Kind, wenn die Frau es nicht will. Sie kann es entweder - auch gegen seinen ausdrücklichen Willen – abtreiben oder es anonym gebären und zur Adoption freigeben, oder es gleich in die Babyklappe geben und sich damit jeglicher Pflichten entledigen. Ein nicht mit der Mutter verheirateter Vater hat keinerlei Handhabe dagegen.

Gerade das just am 1.Mai in kraft getretene neue Gesetz zur Vertraulichen Geburt lässt – wieder einmal – die Interessen der Väter völlig unberücksichtigt. Allein die Belange von Frauen waren bei der Formulierung maßgebend.

Die Väterrolle in den Medien. Ein Wandel vom Trottel zum Held?

Die Rolle von Vätern in den Medien beginnt sich auch erst langsam zu wandeln. Wurden Väter bzw. Männer bisher häufig als trottelig oder als Schlaffis hingestellt, beginnt die Werbebranche sich offenbar langsam zu besinnen und bringt in letzter Zeit tatsächlich Spots, die Väter positiv darstellen. Letztes Weihnachten bekam NIVEA – auch in der Vergangenheit mit nicht gerade sonderlich männerfreundlichen Spots aufgefallen, einen Sturm der Entrüstung zu spüren, als sie gerade zu den Festtagen einen Werbespot sendeten, in dem der Vater völlig fehlte und das Kind sich „am meisten“ auf die Großeltern freute. Väter, besonders ausgegrenzte Scheidungspapas fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Männer- und Väterrechtsinitiativen gingen auf die Barrikaden. NIVEA ruderte zurück, man habe niemanden verletzen wollen.

Offenbar hat NIVEA tatsächlich dazu gelernt.
Pünktlich zum Vatertag gibt es nun einen neuen Spot: “Danke Papa“.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Allen Vätern einen schönen Vatertag!

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.359
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 30.05.2014 um 09:12 Uhr
......"Deutschland wurde bereits mehrfach vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen seiner männer- und väterdiskriminierenden Gesetze und Gerichtspraxis verurteilt " .....

Das ist mir vollkommen neu und sollte endlich auch mal greifen.

Als Frau begrüße und unterstreiche ich diesen Beitrag !
Nicole Schmidt
723
Nicole Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 30.05.2014 um 12:29 Uhr
"Leider ist in vielen Köpfen nach wie vor Vatertag mit dem Bild alkoholisierter, umherziehender Grüppchen mit Bollerwagen verbunden, dabei hat das überhaupt nichts mit der eigentlichen Intention des Tages zu tun. "

Doch hat es, sehr viel sogar. Es heißt eigentlich nicht Vatertag sondern "Herren- oder Männertag". Traditionell zogen die Männer umher, entweder mit Bollerwagen oder Kutschen zu einer Gaststätte oder hatten eigenen Alkohol dabei. Die Jüngeren sollten in die Gepflogenheiten der "Männlichkeit" eingeweiht werden.
Angeblich ist dieser Brauch Ende des 19.Jahrhunderts in Berlin entstanden.
Den eigentlichen Ursprung vermutet man darin, das es im germanischen Recht, üblich war einmal im Jahr sein Grundstück zu umrunden. Daraus sollen dann diese "Männerwanderungen" entstanden sein.
Es ist also keineswegs das Gegenstück zum Muttertag.
Torsten Herwig
339
Torsten Herwig aus Langgöns schrieb am 30.05.2014 um 12:46 Uhr
Frau Schmidt,

dass diese Besäufnistouren sich etabliert haben, ist schimm genug, dass der eigentlich Ehrentag für Väter nur in Deutschland noch mit Christi Himelfahrt zusammengeschmissen wurde, ist dabei auch nicht gerade hilfreich.

Ich persönlich plädiere ja für das internationale Standarddatum, Christi Himmelfahrt kann meinethalben ruhig ausschließlich ein christlicher Feiertag sein.

"Der wirkliche Vatertag hat seine Wurzeln in den USA. Dort wird der Vatertag als ein Ehrentag für Väter, ähnlich wie der Muttertag, an jedem dritten Sonntag im Juni gefeiert. Zurückzuführen ist der Feiertag auf Sonora Smart Dodd (1882–1978), deren Vater im Sezessionskrieg 1861–1865 gekämpft hatte. 1910 rief sie, beeinflusst durch die Einführung eines Muttertages, eine Bewegung zur Ehrung von Vätern ins Leben. Präsident Calvin Coolidge gab 1924 eine Empfehlung für die Einführung eines besonderen Feiertages an die Einzelstaaten der USA heraus. Präsident Richard Nixon erhob ihn 1972 in den Rang eines offiziellen Feiertages im Juni."

Der wahre Vatertag ist, wenn wir uns am internationalen Umfeld orientieren würden, immer der dritte Sonntag im Juni. Der 15.Juni 2014 wäre also der wirkliche (internationale) Vatertag.

http://www.wirklicher-vatertag.de/
Christoph Schäfer
781
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 30.05.2014 um 16:08 Uhr
Wenn mich meine Tochter am "Vatertag" mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedenkt, freut mich das schon sehr, egal ob dieser nun offizieller und exklusiver Natur ist oder nicht. Im Allgemeinen bedarf es meiner Ansicht nach weder eines gesonderten Vater- wie Muttertages. Vielmehr sollte es "alltäglich" sein "Vater und Mutter zu ehren".
Torsten Herwig
339
Torsten Herwig aus Langgöns schrieb am 15.06.2014 um 21:20 Uhr
Nachtrag aus aktuellem Anlass:

In der Schweiz sind mittlerweile sogar Bestrebungen im Gange, dass sogar unverheiratete Männer nach einer Trennung Unterhalt an ihre Exfreundin zahlen sollen müssen!

20Minuten: Väter sollen künftig auch für Ex-Freundin zahlen
Torsten Herwig
339
Torsten Herwig aus Langgöns schrieb am 17.06.2014 um 22:58 Uhr
Herzlichen Dank für das Lob, Frau Kluge!
Meine Frau und ich sind in der glücklichen Lage, dass unsere beiden uns immer mal wieder mit tollen Sachen überraschen. Der Kühlschrank z.B. ist immer gut beklebt, wir haben da eher ein Platzproblem... ;-)
Hallo Lieber Leser
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von:  Torsten Herwig

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Interessensgebiet: Langgöns
Torsten Herwig
339
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