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Wanderung des SPD-Ortsbezirks Lang-Göns

Die Wanderer auf dem Zeltplatz des Spielmannszuges!
Die Wanderer auf dem Zeltplatz des Spielmannszuges!
Langgöns | Am vergangenen Sonntag konnte Renate Müll, Vorsitzende des SPD-Ortsbezirks Lang-Göns, zahlreiche Teilnehmer zur diesjährigen Wanderung begrüßen. Vom Rathaus der Kerngemeinde aus startete die Gruppe unter Leitung von Otto Berndt in Richtung Kirch-Göns. Dabei erfuhren die Wanderer einiges über die Herkunft der Flurnamen. So geht die Bezeichnung „Am Lindenbaum“ zurück auf eine dort vor über 120 Jahren gefällte Linde, die auf einem Acker stand, der zum ehemaligen Vogteigericht gehörte. Vom „Ohleköppel“ sah man hinüber zum jüngsten Lang-Gönser Wald der Haide mit der Abteilung „Junge Mark“. Die Hügelgräber aus der Bronzezeit in diesem Gebiet belegen eine Besiedlung bereits um 2 000 v. Christus. Ende des 18. Jahrhunderts gab es nur die Abteilungen „Das Junge Holz“ und „Die Junge Mark“. Erst ab 1793 wurde von der Grüninger Höhe aus das dem Limes vorgelagerte Land aufgeforstet. In Zusammenhang mit dem verheerenden Brand in der Nacht vom 10. auf 11. März 1690, bei dem über 150 Gebäude und die Haube des Kirchturms zerstört worden waren, sollen die Kirch-Gönser „Die Junge Mark“ den veramten Lang-Gönsern geschenkt haben.
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Wie Otto Berndt weiter ausführte, wurden im 19. Jahrhundert 100 Eichenstämme für den Schiffsbau nach Holland verkauft. Mit dem Erlös konnte die Schule in der Neugasse von 1844 bis 1846 gebaut werden. Im Rahmen der Industrialisierung wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in diesem Gebiet Brauneisenstein abgebaut. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Abbaustellen nochmals für kurze Zeit genutzt.
Vorbei am jüdischen Friedhof von Kirch-Göns erreichten die Wanderer die nord-westlich von Kirch-Göns gelegene Quelle des Gönsbachs, der bis zu seiner Mündung in den Kleebach bei Großen-Linden die Namen Gönsbach, Läusbach, Alte Bach, wieder Gönsbach und schließlich Dießenbach trägt. Von dem ehemaligen Flugplatz- und Kasernengelände und jetzigem Interkommunalen Industriegebiet "Magna-Park Rhein-Main" aus hatten die Teilnehmer einen weiten Blick über das Gießener Becken zum Gleiberg, Vetzberg, Dünsberg, Hangelstein, Schiffenberg. Bei gutem Wetter kann man bis zur Lahnhöhe und den Lahnbergen bei Marburg sehen. Wie Otto Berndt erläuterte wurde nach Vermessungs- und Rodungsarbeiten in dreijähriger Bauzeit auf der über 100 ha großen Fläche ab 1936 der Flugplatz gebaut, der als Gutshof getarnt wurde. Zerstört wurde die militärische Anlage durch einen amerikanischen Luftangriff am 24.12.1944. Als der Versorgungsbunker vor dem Eintreffen der amerikanischen Streitkräfte Ende März 1945 geöffnet wurde, konnten aus der dort gelagerten „Eisernen Reserve“ u. a. über 50 Tonnen Rindfleisch an die Bevölkerung verteilt werden. Bei den Baumaßnahmen der Amerikaner ab 1951 wurde die Verzahnung mit dem größten Vulkangebiet Europas, dem Vogelsberg, deutlich. Beim Bohren der 14 Tiefbrunnen versiegten die Sprudelfontänen in Bad Nauheim.
Auf der ehemaligen Trasse der Wagen- bzw. Weinstraße, der Hauptverkehrsstraße des Mittelalters von der Wetterau nach Norden, ging es weiter zum Wehrholz, dem mit 200 ha größten Lang-Gönser Wald. Nachweislich sind auf dieser Straße, man mied wegen der Feuchtigkeit die Niederungen, früher römische Truppen marschiert. Sie bildete ebenfalls eine wichtige Verbindungsstraße für die Kelten vom Oppidum am Dünsberg über Bad Nauheim zum Glauberg und war auch ein bedeutender mittelalterlicher Pilgerweg. Somit besteht eine Beziehung dieser Straße zur Lang-Gönser Jakobuskirche, nutzten doch die Pilger die ihnen zur Verfügung stehende verkehrliche Infrastruktur. Am Waldrand mit dem Distrikt „Ochsenharf“ wies Otto Berndt auf die dort bis nach dem Ende des Krieges stehende „tausendjährige“ Eiche mit einem Umfang von fast 7 Metern hin. 14 Kinder konnten sich in dem hohlen Baum verstecken. Über die „Schwarze Steinkaute“ erreichte man den Platz des Spielmannszuges, wo Gunther Bieneck und Werner Müll mit Helferinnen und Helfern eine vorzügliche Jausenstation aufgebaut hatten. Otto Öhler informierte über die Geschichte des Platzes, die erfolgten Baumaßnahmen sowie die Nutzungsmöglichkeiten der Anlage.
Nach der Rast ging es weiter „Am Focken“, der „Horwertswiese“ entlang zum „Schöttersfeld“ mit seinem Wassergraben, der zum 1908 verrohrten Badbach führt. Von der alten Kirch-Gönser Straße aus hatte die Gruppe einen Blick auf die „Schaubigweid“ und den „Wingert“. Die Weinqualität der heimischen Lagen muss nach Aussage des Gießeners Balthasar Schuppius, ein weit gereister Mann, der unter anderem an den diplomatischen Verhandlungen beim Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 teilnahm, gut gewesen sein. So urteilte er z. B. über den Gambacher Wein: „Wenn ich guten Wein trinke, dann ist es mir einerlei, ob er bei Gambach oder bei Rüdesheim gewachsen ist.“
Am Ende der Veranstaltung dankte Renate Müll allen Teilnehmern und Otto Berndt und wies darauf hin, dass noch für dieses Jahr ein historischer Rundgang durch Lang-Göns geplant ist.

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Kommentare zum Beitrag

Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 15.03.2009 um 18:06 Uhr
Sehr geehrter Herr Dörr,

gibt es denn zu dieser Wanderung auch noch ein Bild?
Gerald R. Dörr
1.006
Gerald R. Dörr aus Langgöns schrieb am 16.03.2009 um 05:24 Uhr
Sehr geehrte Frau Glinke,

ja das gibt es aber ich habe es noch nicht erhalten. Ich will mich heute noch drum bemühen.

Mit freundlichen Grüßen

Gerald Dörr
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von:  Gerald R. Dörr

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Gerald R. Dörr
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