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Eine Bibel-Übersetzung aus Mittelhessen

von Ralf Tibusekam 28.11.2013749 mal gelesen1 Kommentar
Hans Bruns in seinem Arbeitszimmer.
Hans Bruns in seinem Arbeitszimmer.
Langgöns | 50 Jahre Bruns-Bibel

Warum übersetzt man die Bibel? Hans Bruns wollte, dass Gottes Wort von jedem ganz einfach verstanden werden konnte

Als Hans Bruns im sog. „Dritten Reich“ Redeverbot erteilt wurde, hatte das einen zweifachen Grund. Den Nationalsozialisten missfiel nicht nur, was er sagte. Ihnen missfiel auch, wie er es sagte. Nämlich so deutlich und verständlich, dass jedermann sofort wusste, was er meinte.

Hans Bruns wurde 1895 in Stade geboren. Seine erste Pfarrstelle gab man ihm auf dem Land, im ostfriesischen Hollen im Landkreis Leer. Früh stellte er fest: Das Wissen um grundlegende Glaubensdinge, der „geistliche Grundwasserspiegel“ ist ausgesprochen niedrig. Dagegen redete und arbeitete er an. Mitreißende Predigten, abholende Glaubenskurse – all das organisierte der Pfarrer. So gut, dass seine Arbeit auffiel und er überregional eingeladen wurde. Seine Vorträge und Predigten waren einfach, verständlich und auf den christlichen Glauben zentriert. Den Nazis war dies ein Dorn im Auge, weil ihnen die Lobhudelei auf die faschistische Ideologie fehlte. Nicht was er sagte, machte ihn angreifbar, sondern das, was er nicht sagte. Und das war, zum Ärger der Nationalsozialisten, auch den Zuhörern klar. Seine Gemeinde vernachlässigte Bruns dabei nicht. Jeden Haushalt besuchte er zwei Mal im Jahr und wird zum Gesprächspartner über Glauben und alle Arten von Nöten.

Bei den Nazis rausgeflogen
Als man ihn während des Krieges zur Armee einzog, wurde er schnell wieder – unehrenhaft - entlassen. Zu sehr wurde er zum Seelsorger seiner Kompanie, fand die richtigen Worte für die Soldatenkameraden, die für die Kommandierenden die falschen waren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bruns (wieder) als Pfarrer und Verkündiger in den Dienst des DGD, des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes gerufen, der seinen Sitz zentral in Marburg hatte. Im Rahmen dieser Arbeit konnte Bruns auch das verwirklichen, was ihm schon seit Jahren ein geheimes Anliegen war: die Übersetzung der Bibel in ein für jedermann verständliches Deutsch. Hier haperte es nämlich nach Ansicht von Bruns gewaltig. Martin Luthers Übersetzung, die genau das leisten sollte, war zwar immer wieder überarbeitet und revidiert worden. Aber dies von Ausschüssen mit zahlreichen Gelehrten, Sprachwissenschaftlern, Theologen. Herausgekommen waren dann oft Übersetzungen, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügten, aber letztlich kein Mensch auf Anhieb mehr verstand.

Traum: Eine jedermann verständliche Bibel
Bruns wollte, dass dem Leser seiner Übersetzung das verständlich und deutlich wurde, was zum Beispiel die Zuhörer von Jesus verstanden hatten, wenn er zu ihnen sprach. Dass Bruns damit unausgesprochen ein Übersetzungskonzept entwickelte, was erst Jahre später bei vielen modernen Bibelübersetzungen zur Grundlage wurde, ahnte er nicht. In Gießen fand er einen Verlag, der ihn unterstützte: der Brunnen Verlag las die Übersetzung kritisch gegen, kümmerte sich um Satz und Druck und vor allem um die Verbreitung. Bruns Übersetzung des Neuen Testaments – 1959 veröffentlich - fand jedenfalls reißenden Absatz. Mehrere hunderttausend Exemplare wurden allein bis 1963 verbreitet. Und das trotz kritischer Stimmen aus der Kirche. Bruns motivierte das positive Echo, auch noch das Alte Testament in eine zeitgemäße Sprache zu übersetzen. Gleichzeitig kommentierte er die biblischen Texte mit kurzen, verständlichen Anmerkungen. Die nun vollständige Bibel erscheint Ende 1963 und ist ebenfalls hoch nachgefragt. Die in den Jahren danach aufkommende Bibelübersetzungszeit – Revisionen der Lutherbibel sowie neue, „moderne“ Übersetzungen, sind sicherlich auf sein Wirken zurück zu führen.

Bruns war es ein grundlegendes Bedürfnis, dass jedermann zu jeder Zeit von Gott hören und lesen konnte, also Gottes Anliegen verstehen konnte. Denn nur wenn man GottesWort versteht, kann man mit ihm in Kontakt treten, war seine Überzeugung. Die vor 50 Jahren erschienene „Bruns-Bibel“ war dazu ein Hilfsmittel, das auch heute noch absolut aktuell ist und von zahlreichen Lesern hoch geschätzt.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.110
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 30.11.2013 um 16:56 Uhr
Im Artikel steht folgender Satz:

"Nicht was er sagte, machte ihn angreifbar, sondern das, was er nicht sagte. Und das war, zum Ärger der Nationalsozialisten, auch den Zuhörern klar."

Ein Satz über den mann / frau sich in Ruhe mal Gedanken machen sollte.

Von ihren persönlichen Veranlagungen / Biographien her, war es sicher nicht allen Menschen möglich zu aktiven Widerstandskämpfern "zu reifen".
Aber so zu handeln, wie oben beschrieben, das konnten sehr viel mehr Menschen.

Ich denke für diese Menschen gibt es (leider) keinen treffenden Sammelbegriff (Nazigegner zu weit gefasst, Nichtnazis zu technisch, Mitläuferverweigerer zu sehr ein Wortungetüm .....), aber bei aller notwendigen Geschichtsaufbereitung (dringender denn je nötig ....) sollte diese Gruppe nicht vergessen werden.

Denn, wer kann es denn überhaupt heute noch wissen, vielleicht ist aus der Schar der damaligen Zuhörer der Eine oder Andere dazu ermutigt worden aktiver gegen den Wahnsinn zu arbeiten.
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