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Neues aus dem Gemeindearchiv Langgöns

Langgöns | Ortsteilbestand „Dornholzhausen“ im Gemeindearchiv Langgöns über Findbuch erschlossen

Der Langgönser Ortsteil Dornholzhausen feiert im Jahr 2015 das 1200-jährige Jubiläum seiner Ersterwähnung. Wertvolle Dokumente zur Geschichte des Ortes finden sich im Gemeindearchiv Langgöns. Allerdings schlummerten diese bisher weitgehend unerschlossen in den Regalen des Archivs, weswegen sie für ortshistorische Forschungen bislang nur unzureichend herangezogen werden konnten.
Im Sommer 2011 hatte die Langgönser Gemeindearchivarin Marei Söhngen-Haffer bereits ein Findbuch für die historischen Dokumente des Ortsteiles Oberkleen vorgelegt. Im Hinblick auf das anstehende Jubiläum Dornholzhausens begann sie im September 2011 mit der Erschließung und Zugänglichmachung der vorhandenen Dornholzhäuser Unterlagen für interessierte Nutzer. Die Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten, in deren Rahmen auch wichtige konservatorische Maßnahmen – wie die Behandlung von Schimmelschäden – stattfanden, konnte sie nach gut eineinhalb Jahren abschließen. Alle Unterlagen sind über ein gedrucktes Findbuch im Gemeindearchiv oder online über die Archivdatenbank HADIS (www.hadis.hessen.de) vom heimischen PC aus recherchierbar und können im Archiv im Original eingesehen werden.
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Gemeindearchiv: Dornholzhausen (1)Gemeinde Langgöns (8)
Der unter der Bezeichnung „3 Dornholzhausen“ im Gemeindearchiv verwahrte Bestand umfasst mit 930 Titelaufnahmen und insgesamt 21 laufenden Metern Schriftgut die historische Überlieferung des Ortes aus den verschiedenen Bereichen der kommunalen Verwaltung und des dörflichen Lebens aus gut dreihundert Jahren seit dem 17. Jahrhundert. Mit einer Bürgermeister-Rechnung aus dem Jahr 1685 ist im Dornholzhäuser Bestand zudem das älteste im Gemeindearchiv vorhandene Dokument zu finden.
Für die Erforschung der Dornholzhäuser Geschichte von Bedeutung ist insbesondere die durch Lehrer Bender 1895 begonnene Ortschronik der Gemeinde. Ereignisse aus der Historie Dornholzhausens werden darin bis in das Jahr 1944 erläutert. Breiten Raum nehmen die Schilderungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs ein; aber auch der Bau einer Wasserleitung 1910 und der „elektrischen Lichtanlage“ 1919/20, der Wechsel von Pfarrern und Lehrern im Ort oder die Beschaffung einer neuen Orgel 1930 sind Themen, die die Chronisten aufgreifen.
Über die zumeist rückblickenden Schilderungen in der Ortschronik hinaus geben die Protokollbücher des
Dornholzhäuser Gemeinderates von 1846 bis 1976 authentische Einblicke in die Entwicklungen und Veränderungen im Ort, unter anderem auch in baulicher Hinsicht . So ist beispielsweise der Beschluss des Gemeinderates zum Abriss der alten Dornholzhäuser Backhäuser im Gemeinderatsprotokoll vom 6. Januar 1940 dokumentiert.
Nicht minder interessant ist die im Bestand verwahrte Schulchronik, aus der Näheres zur Schulgeschichte von 1897 bis 1966 zu erfahren ist und die neben verschiedenen Fotographien der Schule, einzelner Schulklassen und der Schulausflüge auch Informationen zu Unter-richtsausfällen aus besonderen Gründen, Klassenfahrten und Feierlichkeiten enthält. So waren die Dornholzhäuser Schüler im Mai 1898 beispielsweise mit dem Sammeln und Vertilgen von Maikäfern beschäftigt, so dass der Unterricht ausfallen musste. Ebenfalls für Schulausfälle sorgten der Ausbruch der Masern im Dezember 1900, „da alle Schüler nach und nach an den Masern krank darnieder lagen“, oder die Tatsache, dass Lehrer Watz im Januar 1923 in Wetzlar einen „Sütterlin-Kursus“ besuchte. Die Sütterlinschrift löste in den 1920er Jahren mehr und mehr die deutsche Kurrentschrift im Unterricht ab, so dass sich der Dornholzhäuser Lehrer in dieser Hinsicht fortbilden musste. Auch Schulausflüge, wie 1898 zum Kloster Arnsburg und 1957 in den Frankfurter Palmengarten, oder die Abhaltung von Feierlichkeiten, wie der Schillerfeier des Jahres 1905, sind in der Chronik nachzulesen. Aus weiteren Schriftstücken vom Mai und September 1839 ist ferner zu erfahren, dass Dornholzhausen bereits vor 1839 eine eigene Schule besessen haben muss, da die Gemeinde in besagtem Jahr „zum behuf eines neuen Schulhauses“ einerseits Gelände von Johannes Jacobi und seiner Ehefrau Anna Catharina für den Schulhof erwarb und andererseits als neues Schuldomizil das sogenannte „Brückel’sche Haus“ von Georg und Elisabetha Brückel ankaufte. Das alte, bisher genutzte Schulhaus wurde am 4. Mai 1841 von Johannes Rühl für 230 Taler und 10 Silber-groschen zur privaten Nutzung ersteigert.
Darüber hinaus sind unter anderem im Dornholzhäuser Bestand auch ein „Verzeichnis über Lage und Größe der Grundstücke der Dornholzhäuser Einwohner“ aus dem 18./19. Jahrhun-dert und ein Manuskript des Schauspiels "Russische Einquartierung" aus den 1930er/40er Jahren, welches die irrtümliche Einquartierung russischer Soldaten in Dornholzhausen im Jahr 1813/14 thematisiert, zu finden. Des Weiteren existieren Schriftstücke über ein in vielen Orten verbreitetes „Ritual“ – die Pflanzung einer Dorflinde – aus den Jahren 1897, 1933 und 1950 und Akten über die Verhandlungen mit Lang-Göns und anderen Orten hinsichtlich eines Gemeindezusammenschlusses Anfang der 1970er Jahre, die von ortsgeschichtlicher Bedeu-tung sind.
Wer mehr über die Geschichte Dornholzhausens anhand der im Gemeindearchiv Langgöns verwahrten Unterlagen erfahren möchte, ist herzlich zu einem Besuch im Gemeindearchiv und zum Stöbern im Findbuch zu Bestand 3 „Dornholzhausen“, das auch eine umfangreiche Einführung in die Orts-, Verwaltungs- und Bestandsgeschichte enthält, eingeladen.
Das nächste größere Projekt des Gemeindearchivs wird in den kommenden Jahren die Erschließung des Ortsteilbestandes „Cleeberg“ sein.































Dipl.-Archivarin Marei Söhngen-Haffer M.A., Mai 2013

 
 

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von:  Isabel Haub

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Interessensgebiet: Langgöns
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