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Gemeindearchiv Langgöns "Paradiesgärtlein"

von Isabel Haubam 13.12.20111233 mal gelesenkein Kommentar
Langgöns | Das „Paradies“ im Archiv –
Übergabe eines Exemplars des „Paradiesgärtleins“ von Johann Arndt aus dem Jahr 1756 an das Gemeindearchiv Langgöns

„Des Geistreichen Theologi Herrn Johann Arndts Paradieß-Gärtlein, voll Christlicher Tugenden, Wie solche durch geistreiche Gebete in die Seele zu pflanzen […]“ – so beginnt der Titel des seit dem 6. Dezember im Gemeindearchiv Langgöns verwahrten Buches aus dem Jahr 1756.
Dem allgemein gehaltenen Titel zufolge erscheint dieses Buch für die Langgönser Geschichte wenig interessant. Schlägt man die jahrhundertealten Seiten jedoch auf und beginnt zu blättern, stößt man schnell auf eine „Wunder-Geschichte“, die den heimatgeschichtlich Interessierten aufmerken lässt.
Während des Dreißigjährigen Krieges, am 3. Januar des Jahres 1624, so ist zu lesen, soll der spanische Leutnant Zacharias von Brechen nach Lang-Göns gekommen sein und in einem Wirtshaus Quartier bezogen haben. Um sich die Zeit zu vertreiben, ging er zusammen mit seinem Trompeter in Abwesenheit des Pfarrers in die nahe gelegene Pfarrwohnung. Der Trompeter entdeckte dort ein Exemplar des 1621 gedruckten „Paradieß-Gärtleins“
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und nahm es an sich. Vier Tage später ertappte Zacharias von Brechen seinen Trompeter im Wirtshaus beim Blättern in besagtem Buche. Er riss es ihm „augenblicks ungestümmlich aus den Händen/ eilet damit nach dem Ofen/ […] wirffts ins Feuer“ und wartete so lange, bis er meinte, „es müsse nun zu Pulver sein“. Die Wirtin brach in Tränen aus, als sie von der Tat des Leutnants erfuhr. Zu allem Überdruss wurde sie von der Leutnantstochter verhöhnt, die „Schand-Bücher“ seien nichts Besseres wert und dies sei bereits das sechste Buch, das ihr Vater ins Feuer werfe.
Eine Stunde später jedoch, als die Wirtin einige glühende Kohlen zum Braten aus dem Ofen holen wollte, zog sie auf der Schaufel das „Paradieß-Gärtlein“ – „gantz unversehret/ sauber und schön/ wie es hinein geworffen worden“ – mit heraus. Erstaunt und erschüttert musste der Trompeter die Allmacht und das Wunder Gottes erkennen. Der Leutnant hingegen wurde „nichts besser“, sondern trachtete im Gegenteil dem Wirt seither wütend nach dem Leben.
Zwei Jahre später, so ist dem Buch weiter zu entnehmen, traf den Leutnant schließlich seine verdiente Strafe. Auf dem Marsch in die Niederlande 1626 erkrankte Zacharias in Köln an einem „hitzigen Fieber“ und „hat endlich/ als ein toller Hund rasend/ seinen unseligen Geist auffgegeben“.

In der Obergasse 1/3 in Lang-Göns erinnert heute noch eine Hausinschrift an die in Johann Arndts „Paradies-Gärtlein“ beschriebenen und im Vorgängerbau des heutigen Hauses stattgefundenen Ereignisse.
Das erstmals 1612 erschienene Buch des lutherischen Theologen Arndt wurde über die Jahre hinweg in verschiedenen Ausgaben gedruckt und immer wieder um neue Wundergeschichten, Gebete und erbauliche Lieder ergänzt.
Ein Exemplar aus dem Jahr 1756, das die Langgönser Wundergeschichte enthält, konnte nun von Herrn Friedhelm Adam in die Bestände des Gemeindearchivs Langgöns übernommen werden. Es steht seit dem 6. Dezember allen Interessierten zur Einsichtnahme im Gemeindearchiv zur Verfügung.



Kontakt: Dipl.-Archivarin Marei Söhngen-Haffer M.A., St.-Ulrich-Ring 13, 35428 Langgöns, E-Mail: m.soehngen@langgoens.de, Tel.: 06403/928108.

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