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Hans Apel verstorben - Brunnen Verlag Gießen trauert um seinen Autor

von Ralf Tibusekam 07.09.20111764 mal gelesen2 Kommentare
Langgöns | Hans Apel, ehemaliger Bundesfinanz- und Bundesverteidigungsminister ist tot. Der 79 Jahre alte SPD-Spitzenpolitiker verstarb am 6. September im Kreise seiner Familie in seiner Heimatstadt Hamburg, wie seine Ehefrau Ingrid mitteilte. Apel war seit zwei Jahren krank.
Hans Apel, dessen politische Laufbahn mit dem Aufbau der Europäischen Union begann, wurde 1974 Nachfolger von Helmut Schmidt im Bundesfinanzministerium, 1978 übernahm er das Verteidigungsressort als kritisch-distanzierter „Ungedienter“. Apel, der als einer der profiliertesten Köpfe des konservativen SPD-Flügels galt, war maßgeblicher Wortführer für den Nato-Doppelbeschluss. Als von Bundeskanzler Helmut Schmidt angedachter Nachfolger für das Kanzleramt konnte sich Apel aber mit seiner konservativ-sozialdemokratischen Linie in der eigenen Partei nicht durchsetzen. 1985 trat Hans Apel als Berliner SPD-Spitzenkandidat an, unterlag aber gegen den CDU-Kandidaten Eberhard Diepgen. Über lange Jahre vertrat Apel Hamburg als Bundestagsabgeordneter, und war zeitweise stellvertretender SPD-Fraktionschef.
Nach der Wende 1989 arbeitete er ehrenamtlich als
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Honorarprofessor an der Universität Rostock und wurde Aufsichtsratsvorsitzender des Kombinats „Schwarze Pumpe“. Dessen „Abwicklung“ durch die Bundesregierung und die Treuhand sah er als einen dunklen Fleck der Wiedervereinigung an. Hans Apel engagierte sich lange Jahre aktiv für seinen evangelischen Glauben. Sein Buch „Volkskirche ohne Volk“ (3. Aufl. Brunnen Verlag Gießen 2004), geschrieben nach seinem Protestaustritt aus der Evangelischen Kirche, löste heftige Diskussionen aus. 2007 veröffentlichte er mit „Europa ohne Seele“ ein Buch, das gerade in der derzeitigen Situation höchste Aktualität genießt. Als Hans Apel mit seinem Gießener Verleger Detlef Holtgrefe über eine Autobiografie nachdachte und mit seinem Lektor die Inhalte besprach, war der Politiker bereits schwer erkrankt. 2010 veröffentlichte der Brunnen Verlag unter dem Titel „Hans, mach du das“ Apels Autobiografie. Im Bewusstsein seiner Krankheit nahm Hans Apel zu Leid, Alter, Tod und seinem Glauben auf den ersten Seiten Stellung:
„Angst vor dem Tod habe ich nicht. Und ich hoffe auch, dass das in meiner Todesstunde so bleibt. Denn ob mein Glaube an die Auferstehung dann noch hält, ist nicht sicher. Wir beide, meine Frau und ich, wünschen uns allerdings eins: dass wir beide möglichst zeitgleich sterben. Dafür bete ich Tag für Tag. Der eine kann nicht ohne den anderen leben.
Warum glaube ich und was glaube ich? Denn eigentlich müsste mir mein Verstand sagen, dass es „eine Auferstehung des Fleisches“ nicht geben kann. Auf das „Jüngste Gericht“ hofften die ersten Christengemeinden noch zu ihrer Lebenszeit. Doch bisher ist es ausgeblieben. Im Vaterunser beten wir seit zwei Jahrtausenden: „Dein Reich komme.“
Meine Eltern waren davon überzeugt, dass der liebe Gott böse Menschen noch zu ihren Lebzeiten bestrafen würde. Doch meine eigenen Erfahrungen haben mir bereits als Jugendlicher etwas anderes gezeigt. Wo war Gott bei den industriellen Massenmorden der Nazis in Auschwitz? Warum leben so viele miese Typen herrlich und in Freuden?
Ich bekenne meinen Glauben auch öffentlich und versuche gar nicht erst, ihn mit meinem rationalen Verhalten abzustimmen. Ich versuche, mich an Gottes Gebote zu halten und weiß, wann ich schwach war. Dann will ich mich bessern und bitte Gott um Hilfe. Was interessiert mich schon, ob die Wissenschaft im Anschluss an Darwin die Entwicklung der Arten einleuchtend erklärt, das der Kosmos Folge eines Urknalls ist? Ohne Gottes Mitwirkung sind solche Prozesse für mich sowieso nicht vorstellbar. Ich brauche meinen Glauben, um leben zu können. Mein Gebet tröstet mich, hilft mir. Das ist keine Autosuggestion.“

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Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
9.549
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 08.09.2011 um 08:06 Uhr
Dass ein Verlag um seinen Autor trauert ist verständlich, besser wäre es, er würde um den Menschen Hans Apel trauern. Aber auch ein christlicher Verlag ist in erster Linie wohl Verlag.
104
Ralf Tibusek aus Langgöns schrieb am 08.09.2011 um 12:37 Uhr
Lieber Herr Zeun, da haben Sie sicherlich Recht: Die Formulierung der Überschrift ist unglücklich. Sie sollte aber den Bezug zu Gießen herstellen, um deutlich zu machen, warum es eine Nachricht für die Gießener Zeitung ist. Hans Apel hat über die vergangenen zehn Jahre drei Bücher in dem Gießener Verlagshaus veröffentlicht. Sein mit ihm zusammenarbeitender Lektor und er sind über die Jahre so etwas wie Freunde geworden - wie es denn so ist, wenn man an Fragen des Glaubens arbeitet ("Volkskirche ohne Volk"), sich über grundlegende politische Themen äußert ("Europa ohne Seele") oder wenn ein ganzes Leben beschrieben wird ("Hans, mach Du das"). Da haben sich zwei verstanden, obwohl sie aus unterschiedlichen Generationen stammen. Da ist auch schon mal in schwierigen Zeiten nachts das Telefon in die Hand genommen worden - von der einen wie der anderen Seite. Aber das ist wohl eine sehr private Geschichte.
Ähnliches und doch ganz anders könnte man auch vom Verleger des Verlages berichten.
Wenn der Verlag zum Tod von Hans Apel einen Nachruf verfasst - er wurde übrigens von anfragenden Journalisten darum gebeten -, dann haben aber solch persönlichen Dinge nichts in dem Nachruf zu suchen. Und als Autor des Artikels, der diesen Nachruf zugrunde gelegt hat und weiteres recherchiert hat, will man diese persönliche Betroffenheit, die im Verlag deutlich spürbar ist, nicht nach außen tragen. Es ist zu persönlich.
Wenn Sie also das Gefühl haben, der Text sei zu eiskalt und zu geschäftsmäßig, dann liegt das an meiner Darstellung und meinen Formulierungen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ralf Tibusek

von:  Ralf Tibusek

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