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Gemeindearchiv Langgöns Findbuch Oberkleen

von Isabel Haubam 19.07.20111136 mal gelesen1 Kommentar
Langgöns | Seit im November 1998 das Gemeindearchiv von seinem ursprünglichen Standort in der Oberkleener Brückenstraße in die besser geeigneten neuen Räumlichkeiten im Dachgeschoss des Bauhofgebäudes in Lang-Göns umgezogen war, lag die historische Überlieferung des Langgönser Ortsteiles Oberkleen unerschlossen in den Regalen des Archivmagazins. Die Unterlagen waren ohne Findbuch oder Findliste für heimatgeschichtlich Interessierte nur schwer nutzbar.
Um diesem Zustand Abhilfe zu leisten, begann die Langgönser Gemeindearchivarin Marei Söhngen-Haffer Ende März 2010 mit der Verzeichnung der im Gemeindearchiv befindlichen Unterlagen zur Geschichte Oberkleens. Die Erschließungsarbeiten konnte sie nach gut einem Jahr Ende Mai 2011 nun abschließen. Die Akten, Amtsbücher, Karten und Pläne, vereinzelten Fotographien und Karteien wurden fachgerecht gereinigt, entmetallisiert, zur dauerhaften Erhaltung in säurefreie Archivmappen verpackt und sind mittlerweile über ein gedrucktes Findbuch und die Archivdatenbank HADIS online vom heimischen PC aus recherchierbar (www.hadis.hessen.de).

Der unter der Bezeichnung „7 Oberkleen“ im
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Gemeindearchiv verwahrte Bestand umfasst mit 155 Archivkartons, 782 Titelaufnahmen und insgesamt 20 laufenden Metern die schriftliche Überlieferung aus den verschiedenen Bereichen der kommunalen Verwaltungstätigkeit und Lebenswelt Oberkleens vom späten 18. bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die „Bürgermeisterei-Rechnung“ der Gemeinde Oberkleen aus dem Jahr 1796 ist dabei das älteste im Bestand erhaltene Stück.
Etwas jünger, jedoch für die Erforschung der Oberkleener Geschichte von großem Wert ist auch die 1895 durch Lehrer Dallinger angelegte und die nachfolgenden Ortschronisten Hermann Weller, Wilhelm Rühl, Bernhard Reuter, Hans-Gerhard Stahl und nunmehr Rainer Michel fortgesetzte Ortschronik der Gemeinde, die alle kleineren und größeren Ereignisse im Dorf festhält und für uns nachlesbar macht.
Darüber hinaus erfährt man aus der im Bestand erhaltenen Aktenüberlieferung Wissenswertes beispielsweise über die Errichtung eines elektrischen Ortsnetzes durch die Siemens-Schuckertwerke in Oberkleen in den Jahren ab 1917/18, über die Renovierung der Oberkleener St. Michaelis-Kirche, die „Restaurierung der im Turmraum aufgedeckten alten Malereien“ im November 1956 und die Anschaffung dreier neuer Glocken, nachdem die alten im Zweiten Weltkrieg abgenommen worden waren.


Auch der Abriss des alten Pfarrhauses und des Backhauses, die im Rahmen der Neugestaltung des Kirchplatzes und der Verlegung der Kreisstaraße 363 weichen mussten, ist anhand der Überlieferung in Bestand 7 „Oberkleen“ rekonstruierbar.
Die abschriftlich überlieferte Backordnung vom 1. Januar 1886 zeugt darüber hinaus von der langen Oberkleener Backtradition, die bis ins Detail geregelt war. So durfte von November bis April nur von morgens sieben bis abends neun Uhr, von April bis November hingegen schon ab fünf Uhr in der Frühe gebacken werden. Überschreitungen der zugeteilten Backzeit, die per Losentscheid vergeben wurde, ahndete die Gemeinde mit einer Mark Strafe für jede angefangene Stunde. Im Wiederholungsfall musste sich der „Übeltäter“ auf bis zu 50 Mark Strafe einstellen. Pro Los betrug die Backzeit nicht mehr als dreieinhalb Stunden für Brot und nicht mehr als zwei Stunden für Kuchen. Das Anheizen des Backofens richtete sich dabei nach der Häuserreihenfolge im Ort. Ein Sonderrecht genossen der Backordnung zufolge nur der Oberkleener Pfarrer und der Lehrer, denn „der ortsanwesende Pfarrer soll wie seither beim Kuchenbacken ein Freiloos haben“ und „so wie derselbe [soll] auch der Lehrer vom Anheizen befreit sein“.
Über die Aktenüberlieferung hinaus ist auch anhand der im Bestand vorhandenen Amtsbücher Interessantes über Oberkleen und die ansässigen Gewerbebetriebe zu erfahren. So finden sich in den Belegen zur Jahresrechnung, die seit 1860 überliefert sind, immer wieder Rechnungen mit kunstvollen Briefköpfen der in Oberkleen heimischen Betriebe, wie der „Huf- und Wagenschmiede, Landwirtschaftliche Geräte und Geräte Reparaturwerkstätte“ Albert Glaum oder des „Kalksteinbetriebs Hüttenberg Ewald Glaum, K.-G“. Ferner geben die Protokollbücher des Gemeinderates ab 1894 Aufschluss über die Ereignisse und Entwicklungen im Ort.

Wer mehr über die Geschichte Oberkleens anhand der im Gemeindearchiv Langgöns verwahrten Unterlagen erfahren möchte, ist herzlich zu einem Besuch im Gemeindearchiv und zum Stöbern im neu erschienenen Findbuch zu Bestand 7 „Oberkleen“, das auch eine Einführung zur Orts-, Verwaltungs- und Bestandsgeschichte enthält, eingeladen.

Das Gemeindearchiv ist in der Regel montags und dienstags von 8:30 Uhr bis 12:00 Uhr und 13:30 Uhr bis 15:30 Uhr nach Terminvereinbarung per Telefon oder E-Mail geöffnet.

Kontakt: Dipl.-Archivarin Marei Söhngen-Haffer M.A., St.-Ulrich-Ring 13, 35428 Langgöns; Telefon: 06403/928108, E-Mail: m.soehngen@langgoens.de

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.07.2011 um 14:46 Uhr
Sehr interessant. Finde ich gut, dass es sowas gibt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Isabel Haub

von:  Isabel Haub

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Interessensgebiet: Langgöns
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